Umgang mit NS-Zeit (Lammers)Kritische Töne zum Umgang mit dem nationalsozialistischen Erbe in Erwitte Von Wolfgang Marcus, Bad Westernkotten Ich möchte heute auf einen Aufsatz aufmerksam machen, der bei uns in Erwitte noch nicht die Aufmerksamkeit gefunden hat, die ihm meines Erachtens zusteht. Die Rede ist von einer mehr als 100 Seiten umfassenden Arbeit des Münsteraner Denkmalpflegers Dr. Joseph Lammers mit dem Titel „Geschichte, Ästhetik und Erziehung - Die Reichsschulungsburg in Erwitte", abgedruckt in der Zeitschrift „Westfalen - Hefte für Geschichte, Kunst und Volkskunde", 76. Band (1998), Münster (Aschendorff) 1998, S. 216-360. Dieser Aufsatz beinhaltet nicht nur eine Fülle interessanter Angaben und Literatur zur (jüngeren) Geschichte des gesamten Schlossgeländes sowie des Königshofes, sondern ist darüber hinaus mit einer Fülle von Fotos und sonstigen Abbildungen ausgestattet. Ich möchte hier zum einen das Inhaltsverzeichnis der Arbeit vorstellen, zum anderen die abschließenden Sätze von Dr. Lammers, in denen er sich durchaus kritisch mit dem schwierigen Erbe der Nationalsozialisten in Erwitte auseinandersetzt, zitieren. Inhaltsverzeichnis (mit kurzen Erläuterungen) des Aufsatzes „Geschichte, Ästhetik und Erziehung - Die Reichsschulungsburg in Erwitte". Einleitung (Bedeutung der Reichsschulungsburgen; Vorstellung der bisherigen Literatur zum Erwitter Schloss und der ehemaligen Reichsschulungsburg) Die Entstehungsgeschichte
Die Entstehungsbedingungen
Das ideologische Konzept der Schulungsburg
Aufhebung der Geschichte und Ästhetisierung Der Umgang mit der Schulungsburg nach 1945 und die Denkmalpflege
Kritische Töne zum - schwierigen - Umgang mit dem nationalsozialistischen Erbe Dr. Lammers beendet seinen lesenswerten Aufsatz mit folgenden kritischen Anmerkungen, die uns auch in Erwitte Anlaß zu weiterem Nachdenken - und vielleicht zu einer Einladung an Dr. Lammers - geben sollten: „Nachdem das Denkmalamt dem Ergebnis des Wettbewerbs - nicht aber den Vorschlägen der Projektgruppe - zugestimmt hatte, akzeptierte die zuständige Bezirksregierung das denkmalpflegerische Gutachten, so daß alle als denkmalwert erachteten Bauten und die Gesamtanlage in die Denkmalliste der Stadt eingetragen wurden - mit Ausnahme der privatisierten Fachwerk-Wohnhäuser, deren Eintragung noch aussteht. Diese Eintragung ist bisher die einzige erkennbare offizielle Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Geschichte der Schloßanlage. Das ehemalige Verwaltungsgebäude ist mittlerweile dem Krankenhaus übergeben worden, das darin u.a. einen Fitneß- und Gymnastikraum untergebracht hat. Das ehem. Wohnhaus des Kommandanten und der Lehrer wird von einem privaten Krankenpflegeunternehmen genutzt. Die ehem. Horst-Wessel-Halle dient als Veranstaltungs- und Festsaal, der auch zu besonderen privaten Anlässen zur Verfügung steht und durch eine relativ hohe Miete vor neorechten Jugendgruppen geschützt werden soll. Von den prämierten Vorschlägen, wie mit dem schwierigen Erbe des Nationalsozialismus umzugehen sei, ist bislang keiner verwirklicht. Ein Grund dafür ist sicherlich der derzeitige Geldmangel in den öffentlichen Haushalten, doch deuten einige Umstände darauf hin, daß man sich gedanklich mit der Vergangenheit der Anlage noch nicht in ausreichendem Maße befaßt hat. So sind z.B. die Lampen der dreißiger Jahre durch schmiedeeiserne Radleuchter ersetzt, die von Laien eher für Lampen der dreißiger Jahre gehalten werden können als die ursprünglichen, und man hat im Gegensatz zur Einrichtung der Schulungsburg, die die Formensprache der konservativen Moderne aufwies, ein ‚altdeutsches‘, schweres, rustikales Mobiliar gewählt, so daß der Charakter des Innenraums nicht erkennen läßt, daß man nach einem Ausdruck für die Überwindung der nationalsozialistischen Nutzung gesucht hätte. Einen Hinweis auf die Geschichte der Schloßanlage gibt es innerhalb des Schloßbereiches nicht, und es scheint, als wage man noch nicht, an die Stelle des Verdrängens ein Zeichen für die kritische Auseinandersetzung zu setzen." |
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