30-jähriger Krieg´, Erwitte und Dörfer

Erwitte und seine Dörfer im Dreißigjährigen Krieg

Von Wolfgang Marcus

Vor einigen Wochen ist ein Buch mit dem Titel „Sterbezeiten – Der Dreißigjährige Krieg im Herzogtum Westfalen“ [hrsg. von Horst Conrad und Gunnar Teske im Auftrag des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, Münster 2000] erschienen, das anhand von 169 Quellen aus den Kommunalarchiven der Kreise Olpe und Hochsauerlandkreis sowie Teilen des Kreises Soest und des Märkischen Kreises die Geschichte des Krieges im Gebiet des früheren Herzogtums Westfalen dokumentiert. Mitgearbeitet an diesem Buch hat auch der Stadtarchivar von Erwitte, Hans-Peter Busch.

Anhand eines umfangreichen Registers kann man schnell erschließen, dass auch die Ortschaften der heutigen Stadt Erwitte mehrmals konkret in diesem Band erwähnt werden. So heißt es über die Kriegswirren aus Schallern, dass man sich „deß nachts deß wulffes kaum entweren“ könne [S. 31]. Für Völlinghausen wird 1652 erwähnt, dass von dort seit mehr als 10 Jahren keine Dienste für den Landdrost mehr hätten geleistet werden können.

Erwitte selbst wird in dem Buch mehr als zehn Mal erwähnt, darüber hinaus wird Diethrich Othmar von Erwitte natürlich ein breiter Raum gewidmet. Westernkotten findet auf 5 Seiten Erwähnung. So ist unter anderem die bereits hinlänglich bekannte Eingabe der Westernkötter Eingesessenen an den Kölner Bischof aus dem Jahre 1648 im Original abgedruckt, mit der der Bischof gebeten wird, in Westernkotten einen Vikar für Messen an Sonn- und Feiertagen und für gewisse Seelsorgehandlungen zuzulassen. Damit begann bekanntlich der mehr als 250 Jahre dauernde Kampf der Westernkötter um die kirchliche Unabhängigkeit und Loslösung von der Mutterpfarrei Erwitte. In dem Dokument wird auch auf die Kriegszeiten und die Pest Bezug genommen. So heißt es unter anderem:“1636, als die vergiftigte pestilentz über die maißen sehr hieselbsten gewüthet und ad sechshundert persohnen jungk und altt durch den thoidt hinwegk genohmen…“ Interessant auch, dass in der Eingabe trotzdem ausgeführt wird, dass die Kirchengemeinde Westernkotten zahlenmäßig größer als die in Erwitte sei (…Weillen dennoch unssere gemein zimblich volckreich und die in Erwitte ubertrifft…) [S.245{246].

Unter dem 9. März 1629 fordert der Landdrost Friedrich von Fürstenberg Erwitte und Westernkotten auf, für insgesamt 950 durchziehende Soldaten Unterkunft, Proviant und Dienstleistungen bereitzustellen mit Hinweis darauf, dass die Kosten demnächst aus der Landeskasse bezahlt werden. Unter anderem werden 1900 Pfund Brot, 1900 Maß Bier, 500 Pfund Speck, Rauchfleisch oder Käse, 12 Kälber, 52 Hühner und 32 Pfund Butter erwartet.

Aus einem Schreiben des Landgrafen Wilhelm von Hessen vom 22.1.1633  geht hervor, dass Westernkotten damals das Hauptquartier der Hessischen Eroberungstruppen war („Datum ihm haubtquartier Westernkotten, den 22.Januarii 1633). Der Landgraf erpreßte damals unermeßlich hohe Summen aus Westfalen.

Insgesamt ist das Buch, das auch im Stadtarchiv Erwitte im Königshof einzusehen ist, eine wahre Fundgrube für den interessierten Leser, vor allem auch durch die gut verständliche Einleitung von Horst Conrad und die Erläuterungen zu jeder einzelnen abgedruckten Quelle.