Schäferfamilien Mintert und Hollenbeck

[aus:Vertell mui watt 2007, Nr. 336-339]

Schafhaltung in Bad Westernkotten: Die Familien Hollenbeck und Mintert

Von Wolfgang Marcus

In meinem Beitrag „1864: Neun Schäfer in Westernkotten“[1] habe ich unter anderem die Schäferfamilien Hollenbeck und Mintert erwähnt. Bei einem Besuch im Kirchenbucharchiv in Paderborn am 25.1.2001 konnte ich einige weitere Bausteine zur Geschichte dieser Familien zusammentragen.

Zur Familie Hollenbeck

Nach Ausweis der Heiratsregister für Sankt Laurentius Erwitte[2] taucht der Name Hollenbeck zum ersten Mal im Jahre 1779 im Bereich der Pfarrei Erwitte, zu der bis 1902 auch Westernkotten gehörte.: Am 6.Juli 1779 heiratet der aus der Bauerschaft Bokel in der Graftschaft Rietberg (ex Bursapia Bockel Comit. Rittbergenis) stammende (Joan) Theodor Hollenbeck, Sohn des Joannis Henricus Hollenbeck und seiner Frau Anna Margaretha, ein „Westernkötter Mädchen“, und zwar die Anna Maria Göbbel, Tochter des Caspar Göbbel und seiner Frau Anna Margartha. Als Zeugen der Eheschließung werden Winold und Joseph Feldewert genannt.[3] Bokel liegt westlich von Rietberg und östlich von Wiedenbrück. „Die frühe Geschichte von Bokel ist dadurch gekennzeichnet, daß sich hier die Interessen von Rietberg und Wiedenbrück trafen bzw. überschnitten: Politisch gehörten alle drei Bauernschaften zur Grafschaft Rietberg, kirchlich aber nach Wiedenbrück.“[4]

Da der Graf von Rietberg wenige Jahre vorher das Recht zur Errichtung der Schäferkämper Wassermühle in Westernkotten vom Kölner Fürstbischof bekam und die Mühle seit 1748 betrieb, ist zu vermuten, dass der besagte Joan Theodor Hollenbeck im Zusammenhang mit der Mühle nach Westernkotten gekommen ist und dann hier „eingeheiratet“ hat.

Bereits einige Jahre später muss die Anna Maria Göbbel verstorben sein, denn am 12.5.1789, zehn Jahre nach der ersten Eheschließung, heiratet Theodor Hollenbeck („ex comitate Rittberghi“), Witwer der Anna Maria Göbbel, ein zweites Mal, diesmal die Elisabeth Fründ (oder Frönd) aus Westernkotten, Tochter des Heinrich Fründ und der Maria Catharina Schröer. Zeugen der Trauung sind Franz Wilhelm Schröer und Johann Heinrich Göbbel.

Einer ihrer Söhne war Caspar (Bartholomäus) Hollenbeck. Er wurde am 29.11.1804 in Westernkotten geboren und einen Tag später getauft. Bei den Namen der Eltern ist interessant, dass hinter dem Namen seines Vaters Joan Theodor Hollenbeck noch „genannt Rüsing“ angefügt ist. Damit dürfte deutlich sein, dass das „Stammhaus“ der Hollenbecks in Westernkotten die Hofstätte Rüsing war, heute Hockelheimer Weg 11 (schräg gegenüber der Schafhaltung Franz Mintert). Als Taufpaten von Caspar Bartholomäus Hollenbeck werden genannt: Batholomäus Jungemann aus Wiedenbrück und Anna M. Gertrud Göbbel aus Westernkotten.[5] Auch hier findet sich also wieder ein Hinweis auf die Verbindung der Hollenbecks in den Raum Rietberg-Wiedenbrück.

Caspar Hollenbeck heiratet am 21.2.1832 die Maria Franziska Wegener zu Westernkotten, damalige Hausnummer 8. Diese Hausstätte ist auch heute noch das Anwesen der Familie Hollenbeck-Coers, Hockelheimer Weg 7. Es ist also davon auszugehen, dass Caspar Hollenbeck bei der Familie Wegener, die bis dahin die Hofstätte bewohnt hatte, eingeheiratet hat.

Maria Franziska Wegener, geboren am 12.2.1781, war bei ihrer Eheschließung mit Caspar Hollenbeck bereits 51 Jahre alt, ihr Mann war 27. Bereits einen Monat nach der Eheschließung, am 26.3.1832, stirbt Maria Franziska und Caspar Hollenbeck ist Witwer.

Bereits wenige Monate später, am 12.7.1832, heiratet Caspar Hollenbeck, „wohnhaft in Coerds Haus Nr.8″[6] zum zweiten Mal, diesmal die am 12.4.1810 geborene, 22jährige (Maria) Elisabeth Henkemeyer aus Westernkotten, Hausnummer 54, Tochter der verstorbenen Eheleute Franz Caspar Henkemeyer und seiner Frau Bernhardine Funke. Das damalige Haus Nr. 54 ist das heutige Anwesen Heinrich Eickmann, Weringhauser Straße 14.[7] Zeugen der Trauung sind Georg Hollenbeck und Peter Henke, beide aus Westernkotten. Aus diesem Eintrag wird auch deutlich, dass der heutige Beiname „Coers“ eine Verkürzung des früheren Hofstättennamens „Coerds“ ist.

Die Namen von Caspar Hollenbeck und Elisabeth Henkemeyer finden sich noch heute auf dem Deelenbalken des im Jahre 1869 errichteten schönen Fachwerkhauses am Hockelheimer Weg 7. Das Ehepaar muss also praktisch im Rentenalter dieses Haus noch errichtet haben.

Vorher waren ihnen schon etliche Kinder geboren, so unter anderem Franz (Peter) Hollenbeck, geb. am 2.12.1835.[8] In dieser Taufeintragung findet sich zum ersten Mal für den Vater Caspar Hollenbeck eindeutig die Berufsbezeichnung „Schäfer“. Dieser Franz (Peter) Hollenbeck heiratet übrigens am 27.11.1869 Maria Josephina Katharina Franziska Jungemann, geboren am 10.10.1841, Tochter des Meinolf Jungemann und der Josephine Heithoff von der Westernkötter Warte.[9]

Auch bei der Taufe eines weiteren Kindes, Antonette Henriette Hollenbeck, geboren: 13.1.1850, getauft am 17.1.1850, wird der Vater Caspar wieder als Schäfer bezeichnet.[10]

 

Zur Familie Mintert

In den Heiratsregistern für die Pfarrei Sankt Laurentius Erwitte, die bis 1661 zurückreichen, taucht erstmals in Stirpe der Name Mintert auf: am 9.?.1698 heiratet ein Christian Mintert eine Elisabeth Schonenberg. Als Zeuge wird ein Joseph Schmidt genannt.[11]

Für Westernkotten ist der Name in den Heiratsregistern erstmals für das Jahr 1735 belegt: Danach heiratet am 15.9.1735 der Anton Mindert aus Völlinghausen (ex Völlinghausen) in Westernkotten eine Frau namens Anna Prange. Zeugen sind Joes Loißman und Anton Ebbert.[12]

Bereits ein knappes Jahr später, am 24.6.1736, heiratet derselbe Anton Mindert ein zweites Mal -wohl weil die erste Frau verstorben war – diesmal die Maria Elisabeth Nigehoff. Als Zeuge tritt wieder Joes Loißman auf, dazu ein Franziskus Stratmann.[13]

Auch die zweite Frau scheint bald darauf gestorben zu sein, denn am 12.1.1738 ist nochmals eine Heirat von Anton Mindert in Westernkotten belegt, diesmal mit Anna Angela Krilleke. Als Zeugen werden Hermann Baltz und Hermann Hane genannt. Alle drei Eintragungen befinden sich im Kirchenbuch auf der selben Seite.

Anton Mindert und Anna Angela Krilleke sind eindeutig als das Stammelternpaar der heutigen Familie Mintert zu identifizieren. So findet sich bei der Heirat ihres Sohnes Caspar am 26.6.1783 auch der Name der Eltern des Bräutigams, nämlich Anton Mintert, hier mit „t“ geschrieben, und Angela Krilleke. Caspar Mintert heiratet die Gertrud Bockel aus Eikeloh. Ihre Eltern waren Christian Bockel gt. Krüggel und Gertrud Krüggel. Als Zeugen werden Josephus Feldevert und Joan Bernd Volmer gt. Belser genannt.[14]

Caspar Mintert und Gertrud Bockel hatten zahlreiche Kinder, so unter anderem die folgenden Jungen:

  • a) Am 3.2.1792 wird den Eheleuten ein Kind mit Namen Caspar geschenkt. Dieser heiratet am 9.2.1819 die Witwe Anna Maria Rieke aus Westernkotten, geboren am 3.2.1789 in Eikeloh, Tochter des Peter Rieke und der Maria Catharina Keuter. Der Beruf von Caspar Mintert wird mit „Tagelöhner“ angegeben. Das Haus, das die beiden bewohnten, war das Haus Nr. 55 mit dem Hausstättennamen Ennepeter, wahrscheinlich das heutige Anwesen Vollmer, Weringhauser Straße 20. Als Zeugen werden Bernard Grote und Caspar Vossjohann aus Westernkotten genannt.[15]
  • b) Matthias, geb. etwa 1793. Er heiratete 28jährige am 1.12.1821 die 22jährige Angela Kersting, vermutlich aus Eikeloh, Tochter des Caspar Kersting und der Elisabeth Blumeier. Als Wohnhaus der beiden wird bei der Eheschließung das Haus Nr. 5 „Druggen“ angegeben. Als Paten sind Franz Kersting aus Eikeloh und Heinrich Hollenbeck aus Westernkotten genannt.[16]
  • c) Bernhard Mintert wird 1799 geboren. Bei seiner Heirat am 8.11.1823 ist er 24 Jahre alt (geb. 24.10.? 1798) und wird als Tagelöhner bezeichnet. Seine Frau ist die 24jährige Eva Hanemann aus Westernkotten, Tochter des Joseph Hanemann und der Catharina Willke aus Westernkotten. Als Hausstätte wird das Haus Schriebers Nr. 196 genannt. Zeugen der Trauung sind Franz Stüker und Caspar Mintert aus Westernkotten.[17]
  • d) Johann Theodor Stephan Mintert wird am 14.8.1800 geboren. Er heiratet am 18.8.1832 die Witwe Maria Elisabeth Wilhelm Voland geborene Frönd, wohnhaft Westernkotten Nr. 65 „Pösen“, Tochter des Tagelöhners Ferdinand Voland und seiner inzwischen verstorbenen Frau Elisabeth Kerkhoff. Zeugen der Trauung sind Anton Bürger und Caspar Frolink. Die Wohnung der beiden ist das Haus der Braut, Hausnummer 65. Bei dieser Eheschließung sind die Eltern des Bräutigams, Caspar Mintert und Gertrud Bockel, bereits verstorben.

Der unter b) genannte Matthias Mintert gehört dann zu der Stammlinie der heutigen Schafhalterfamilie Franz Mintert, denn im August 1826 wird ihr Sohn Caspar Christian geboren (getauft: 11.8.1826[18]), der Ur-Ur-Großvater des heutigen Franz Mintert. Dieser heiratet am 20.4.1858 die 1833 geborene Elise Christine Stiens. Dieser Caspar Mintert und seine Frau Lisette hatte nach Ausweis der sog. Urliste, einem kompletten Einwohnerverzeichnis Westernkottens aus dem Jahre 1864[19], im Jahre 1864 schon drei Kinder: Anton, geboren 1858, Maria, geboren 1861, und Kaspar, geboren 1863. Außerdem wohnte 1864 noch eine Magd mit im Haus, die 22jährige Gertrud Mertens.

Dieser letztgenannte Caspar Mintert (1863 – 1941), ist der Urgroßvater des heutigen Franz Mintert.

Nach Ausweis des Heimatbuches[20] begann er im Jahre 1885, sich intensiver der Schafhaltung zu widmen. Dieses Datum ist aber zu spät angesetzt; denn bereits in dem oben genannten Einwohnerverzeichnis aus dem Jahre 1864 wird für die damalige Hausstätte Nummer 250 – das ist das heutige Anwesen Mintert im Hockelheimer Weg 20 –  der Ur-Ur-Großvater Kaspar Mintert mit der Berufsbezeichnung „Schäfer“ erwähnt. Das Anwesen muss – das geht aus der Hausnummer hervor – zwischen 1829 und 1864 errichtet worden sein.

Daneben wird 1864 noch ein zweiter Schäfer mit Namen Mintert, Wilhelm Mintert, erwähnt. Dies Anwesen mit der Hausnummer 229 lag auch auf dem Schäferkamp, wahrscheinlich bei der jetzigen Hausnummer Hockelheimer Weg 18 (Köneke). 1829 wohnte hier nämlich bereits ein Bernard Mintert. Die Frau des Wilhelm Mintert war Maria Kiel. Sie hatten 1864 die Kinder Maria und Sophia. Ob hier auch eine eigene Schafhaltung vorlag oder der Wilhelm Mintert nur von Beruf Schäfer war und keine eigene Herde besaß, konnte noch nicht ermittelt werden.

 


[1] vgl. Vertell mui watt 2001, Nr.  131

[2] sie reichen bis 1661 zurück

[3] Kirchenbuch St. Laurentius, Band 2, S. 286

[4] Ridder, Heinrich, Bokel, in: Hanschmidt, Alwin, 700 Jahre Stadt Rietberg 1289 – 1989. Beiträge zu ihrer Geschichte, Rietberg 1989, S. 747

[5] Kirchenbuch St. Laurentius, Band 3, S. 398

[6] ebd. Band VII, S. 152

[7] im Heimatbuch S. ist für diese Hofstelle 1829 Peter Hake und Witwe Henkemeier angegeben.

[8] ebd. Band 9, S. 46

[9] ebd. Band 10, S. 207

[10] ebd. Band 12, S. 82

[11] ebd. Bd. I, S. 437

[12] ebd. S. 495

[13] ebd.

[14] ebd. Bd. IV, S. 40

[15] ebd. Bd. 7, S. 133

[16] Kirchenbuch St. Laurentius Erwitte Nr. VII, S.135

[17] ebd. S 139

[18] Archiv der Mormonen unter http://www.familysearch.org/. Suchname Caspar Mintert

[19]vgl. dazu meinen Aufsatz in den Heimatblättern 1993 „Die Einwohner Westernkottens im Jahre 1864″; eine Kopie dieser Urliste im Besitz des Verfassers, das Original im Stadtarchiv Erwitte

[20] Bad Westernkotten. Altes Sälzerdorf am Hellweg, Lippstadt 1987, S. 360