Erdmann, Rentmeister

Rentmeister Franz Erdmann

Eine (noch lückenhafte) Lebensbeschreibung

Von Wolfgang Marcus

Franz Erdmann, geboren 1801 in Kleve, war der Sohn einer königlichen Be­amtenfamilie. Er besuch­te das Gymnasium in Hamm an der Lippe und widmete sich dann dem Soldatenstand. 1820 wur­de er porte-epee-Fähnrich im 36. Infanterie-Regi­ment. Nach Abschluss sei­ner Militärlaufbahn ging er zur Verwaltung über. In einer Westernkötter  Quartierliste vom 6. Juli 1829 taucht er zum ersten Mal in Westernkotten auf: Erdmann. Salzfaktor, heißt es da. Ein Salzfaktor war der Rendant der staatlichen Steu­erkasse. Das Haus. in dem Erdmann als Quar­tier-geber genannt wird, stand in der Leckhaus­straße 1 (heute Franz-Josef und Roswitha Spiekermann). Der alte Hausstättenname des An­wesens lautet „Rentemesters“. Es gehörte schon 1829 bis nach 1945 dem adligen Hause von Papen-Antfeld, in dessen Dienst Franz Erdmann etwa um 1840 eintritt.

Im Jahre 1836 soll er sich zusammen mit anderen Vertretern Erwittes erfolgreich für den Verbleib des Land- und Stadtgerichtes in Erwitte einge­setzt haben.

1842 eröffnete Rentmeister Erdmann an der heu­tigen Kurpromenade das Solbad Westernkotten und legte damit den Grundstein für den heutigen Kurort. Erst 1871 haben seine Nachfahren das

ganze Anwesen an die aus Erwitte stammende Familie Wiese verkauft. ab 1861 war das Bad zusammen mit der dazugehörigen Gastwirtschaft an einen A. Bergmann aus Störmede und dann an Robert Jesse verpachtet.

1843. im ältesten Protokollbuch der Gemeinde. wird Erdmann als Gemeindevorsteher genannt.

Bei der Gründung einer eigenständigen evange­lischen Kirchengemeinde in Erwitte, unserer heu­tigen Kernstadt, war Franz Erdmann nicht unwe­sentlich beteiligt. So wurde er am 25.5.1845 zusammen mit dem Kanzleidirektor Dr. Lorenz, dem Justizkommissar Köppelmann und dem Kauf­mann Friedrich Groos, alle aus Erwitte, in den ersten vorläufigen Kirchenvorstand gewählt.

In den Hungerjahren 1846/47 kümmerte er sich. wie es heißt „in wahrer Brüderlichkeit als Mitglied der Freimaurerloge Soest, die Dürftigen seines Dorfes mit Brot und Korn zu versorgen.“

Über das Revolutionsjahr 1848 heißt es: „Seine Königstreue, vereint mit Wahrheitsliebe und Recht­lichkeit, bewies sich 1848 auf das Schönste“.

Am 22. Juli 1849 gründete er im Badehaus in Bad Westernkotten gemeinsam mit 6 weiteren „Auf­rechten“ den ersten Bienenzuchtverein Westf­alens. aus dem der westfälische Imkerverband hervorging. Der Zweck des Vereins war: „Aus­breitung und Verbesserung der Bienenzucht und des Seidenbaus zur Erzielung besseren (materi­ellen) Wohlstandes der ärmeren Landbewohner, wodurch Förderung der Sittlichkeit und Frömmig­keit als Zweck des Vereins in endlicher und höchster Potenz stehen.“

 

Erdmann war mit der Tochter eines Amtsrichters aus Erwitte verheiratet. Sie hatten 8 Kinder.

 

Am Krankenbett eines ruhrkranken Salinen­knechtes steckte er sich an und starb im Jahre 1857 an Ruhr, wie es heißt „beweint von seiner Gattin, 8 unversorgten Kindern, einer dankbaren Gemeinde und vielen Freunden.“

Franz Erdmann ist- und das ist aus den wenigen Sätzen wohl deutlich geworden – eine der bedeu­tendsten Persönlichkeiten aus Bad Westernkot­ten. Die westfälischen Imker haben ihm im heu­tigen Kurpark für seine Verdienste ein Denkmal gesetzt. Die Volksbank gibt in September 1992 eine Gedenkmedaille heraus, die an das 150­jährige Bestehen des Kurortes erinnert und auf der Vorderseite das Porträt Franz Erdmanns trägt. Vielleicht könnte die Stadt Erwitte die Ver­dienste von Franz Erdmann etwa durch die Be­nennung einer Straße ebenfalls würdigen!

Anmerkungen: Für eine umfassendere Biogra­phie müssten noch zahlreiche Archivbestände, besonders im Archiv von Papen in Antfeld. durch­gesehen werden.

Meine Quellen waren: Eine Festschrift des westfälischen Hauptvereins für Bienenzucht von 1899, das Erwitter Heimatbuch von 1936 und das Bad Westernkötter Heimatbuch von 1987.

Rentmeister Erdmann