Löper, Erbsälzerfamilie

[aus: Heimatblätter 1997, S. 65ff]

Die Erbsälzerfamilie Löper in Westernkotten

von Wolfgang Marcus, Bad Westernkotten

Vorbemerkungen

Zur großen Freude des Bad Westernkötter Heimatvereins weilte am 6. und 7. Juni 1996 Herr Dr. jur. Rudolf Loeper zu einem zweitägigen Besuch im Heilbad. Herr Loeper, 1916 noch in Westernkotten geboren, ist das jüngste von drei Kindern der alten Westernkötter Erbsälzerfamilie Löper, die über Jahrhunderte zu den angesehensten des Ortes zählte. 1921 hatten seine Eltern ihr Gehöft in der Wolfsangel 5 an die Familie Westerfeld, die den Hof bis heute bewirtschaftet, verkauft und waren mit ihren drei Kindern nach Ostpreußen gezogen, wo sie ein noch größeres Gehöft erwarben. Durch die Kriegs- und Nachkriegswirren gelangte Rudolf Loeper 1951 nach Schweden, wo er bis heute in der Nähe Stockholms wohnt.

Unzweifelhafter Höhepunkt des Aufenthaltes im Heilbad war sicherlich die Begegnung mit der Familie Westerfeld. In äußerst herzlicher und gastfreundschaftlicher Atmosphäre wurden mehr als 6 Stunden lang Erinnerungen ausgetauscht, Fragen gestellt, alte Verträge schmunzelnd gelesen und Fotoalben gewälzt. Das Interesse daran lag bei allen Seiten: Der Heimatverein möchte gerne die Sälzertradition des Ortes weiter erforschen, und Herr Loeper ist von seinen Kindern gebeten worden, eine kleine Familiengeschichte zu schreiben, obwohl fast alle Familienunterlagen durch die Kriegsereignisse in Ostpreußen verloren gegangen sind.

Ein Produkt dieser Zusammenarbeit ist der nachfolgende Aufsatz. Quellen dazu waren vor allem standesamtliche Unterlagen sowie solche aus dem Kirchenbucharchiv Paderborn, die Protokollbücher der früher selbständigen Gemeinde Westernkotten, Akten aus dem Nachlaß Eickmann sowie das Bad Westernkötter Heimatbuch von 1987[HB].

  • 1. Name und Wappen der Familie Löper

Der Name „Löper“ oder niederdeutsch „Loiper“ meint soviel wie „Läufer“. Wann der Name wo zum ersten Mal aufgetaucht ist, konnte bisher nicht ermittelt werden.

Auf jeden Fall haben die Vorfahren des Rudolf Loeper den „Läufer“ immer in Form eines Kreisels, also eines um einen festgehaltenen Punkt sich drehenden festen Körpers, dargestellt. So befindet sich im Besitz des Rudolf Loeper ein Handstempel des Johann Löper aus dem 16. Jahrhundert zum Siegeln mit dem ursprünglichen Familienwappen, einem Kreisel mit Öse. [Angaben nach Aussage von Rudolf Loeper v.6.6.96;]

Später ist zu dem Kreisel noch ein Zweig mit 5 Eicheln in das Wappen der Familie Löper gekommen. Ein solches Wappen befand sich im Giebel  des 1715 von Johannes Loeper und seiner Frau Anna Theodora Brexel errichteten und nach 1975 abgebrochenen alten Löper’schen Hauses. Ob die Eicheln das Wappen der Familie Brexel waren, konnte bisher nicht geklärt werden.

Dieses Wappen mit Kreisel und Eicheln befand sich auch im barocken Gartentor an der Westseite des Grundstücks Löper.[nach Angaben der Familie Westerfeld ist es durch Frost zerstört worden.]

2.Die Westernkötter Familien Löper im 16. und 17. Jahrhundert

Der Name Löper (in unterschiedlichen Schreibweisen) taucht in Westernkotten zum ersten Mal bereits in der ältesten, vorliegenden Steuerliste aus dem Jahre 1536 auf. Der Ertrag dieser Steuer ging an den Landesherren, den Kölner Erzbischof, und sollte zum Kampf gegen die Wiedertäufer in Münster eingesetzt werden.

Der Name Löper kommt zweimal vor:

Borchart Louper wird mit 7 Gulden veranschlagt, Johann Louper mit 3 Gulden [HB S. 100]. Der Betrag von 7 Gulden war der höchste, der in Westernkotten von einem Betrieb aufzubringen war, 3 und mehr Gulden hatten insgesamt 11 Höfe zu erbringen. Damals konnte man sich für 1 Gulden etwa drei Schweine oder 36 Gänse kaufen. All das läßt darauf schließen, daß beide Famlíen Löper zu den wohlhabendsten im Dorf gehörten.

Aus Unterlagen des Klosters Benninghausen ergibt sich, daß letztgenannter Johann Louper (oder Loiper) den Weringhoff -am Westrand des heutigen Ortes Bad Westernkotten gelegen – gepachtet hatte.“Dussen hoff hevet nu under Johan Loiper, ock hevet hey 8 morgen landes genann dey saltbrede und lygget vor den kotten, hyr gifft hey aff 8 mud. rog.und hort den hiligen sacrament.[Schelhasse, F., Pfarre und Kloster Benninghausen, zitiert nach: Bad Westernkotten. Altes Sälzerdorf am Hellweg, Lippstadt 1987, S.87/88]

Aus dem Hinweis auf die 8 Morgen Land auf der Salzbreite – das heutige Siedlungsgebiet Auf der Brede – kann man vorsichtig vermuten, daß dieser Johann Loeper ein direkter Vorfahre der Erbsälzerfamilie und damit von Rudolf Loeper war. Denn bis 1921 hatten die Löpers auf der Brede Land, und hier stand noch bis in die 1920er Jahre ihr Gradierwerk, Löper’sches Gradierwerk genannt.

In einer Steuerliste aus dem Jahre 1543 wird Johann Loeper wieder erwähnt. Er wird in der Liste nach „Flocke“ und „Hinniger“ und vor „ Herman Moenicks Fraw“ genannt, alles Namen aus der Westhälfte des Dorfes, also aus der Nähe des Weringhof. Johan Loeper zahlt mit 4 Gulden neben einigen anderen Höfen wieder den zweithöchsten Betrag im Dorf,  sein Schäferknecht zahlt mit 1 Gulden mehr als die meisten Höfe im Ort [HB S. 102].

In der Steuerliste von 1563 taucht wieder Borchardt Loeper auf, dazu ein Engelbert Loeper [HB S.101]. Beide haben wieder verhältnismäßig hohe Steuern zu entrichten. Aus dem Vergleich der drei Steuerlisten scheint sich zu ergeben, daß es sich bei Engelbert Loeper um den Nachfolger des Johann Loeper handelt. Allerdings wird zum Schluß des Verzeichnisses noch ein „Schulte zu Werninckhausen“ genannt. Eventuell hatte Engelbert Loeper zu diesem Zeitpunkt nur einen Teil des Weringhofes gepachtet und war nicht der sog. Schulte.

Daß der Weringhof aber weiter im Besitz der Familie Löper stand, geht aus einem Verzeichnis des Jahres 1591 hervor. Dazu heißt es [vgl. HB S.89]:“Im Jahre 1591, nach dem Tode A. Loipers und seiner Frau, den Besitzern des Weringhoffes…“

Aus dem Jahre 1608 liegt ein Verzeichnis über Hand- und Spanndienste vor. Darin taucht Johannes Loeper auf, über den es u.a. heißt „haben Drost Schorlemer gedient, geben kein Dienstgeltt, sein auch nicht dienstpflichtigh.“[HB S. 106]

Im Pfarrarchiv St. Laurentius Erwitte findet sich ein Schuldschein von 1627: Darin werden als Gläubiger Heinrich Plösger und seine Frau Barbara Lopers aus Westernkotten genannt [Blatt 162/63].

Unter dem 29.11.1629 trifft Hermann Gusties aus Westernkotten, der wegen Zauberei zum Tode verurteilt ist, Bestimmungen über seinen Nachlaß zugunsten seiner Frau Anna Löpers , ihrer Kinder und seiner Vorkinder.[Blatt 334/335]

In einem weiteren Schuldschein vom 2.5.1632 wird als Gläubiger Engelbert Löper genannt Hoeven aus Westernkotten genannt.[Blatt 59/60]

Die Kirchenbücher der Pfarrei St. Laurentius in Erwitte, die mit Geburten ab 1661 beginnen, weisen im Zeitraum von 1661 bis 1882 insgesamt 71 Geburten mit dem Hausnamen Löper aus Westernkotten auf und eine ähnlich hohe Zahl für Erwitte und Stirpe bzw. Weckinghausen, wo andere Zweige der Familie beheimatet waren.

Nach einem Dorfbrand im Jahre 1673 wurde den Brandgeschädigten vorrübergehender Steuererlaß gewährt, darunter auch Dreis Löper und Arendt Löper.[HB S. 149]

Im Schatzungsregister von 1682 werden folgende Angaben zu Mitgliedern der Familie Löper gemacht [HB S. 108]:

  • a) Kolk-Arendt, vorh. Johann Schwein, jetzo die Erben Löpers‘,
  • b) Berndt Löpers‘ Stette 10 gr. wüste [=unbewohnt]
  • c) Stöpfel Bremer, vorhin Johann Meyer olim [=einst] Johan Löpers‘
  • d) Dietherich Mönnig vorhin Joh. Löper olim Riexmeier, [Hinweis darauf, daß Fam. Löper ursprünglich den Weringhoff gepachtet hatte: vgl. HB S.89]
  • e) Engelbert Löper olim Frantz Hane [S. 109] [wahrscheinlich 1661 geboren]
  • f) Tönnis Löpers Wittib [=Wittwe], vorhin Stuten Burries
  • g) Johann Löpers Erben, vorhin Fritze Löper [S.110]
  • h) Dreiss Löper
  • i) Wittibe Löpers jetzo Rempert Wieneke
  • j) Johan Dietherich Wulfert, vorhin Arndt Löper, alias Bernd Kriegel

Die drei Angaben b),c) und d) stehen im Verzeichnis fast unmittelbar hintereinander. Es ist zu vermuten, daß die verhältnismäßig große Stätte des Johann Löper aus welchen Gründen auch immer von der Familie des Johann Löper aufgegeben wurde und zum Teil von anderen Familien in Besitz genommen wurden. Mit Sicherheit ist die ehemalige Hofstätte der „Sippe“ Löper der Weringhoff gewesen, denn die Angabe d) deckt sich mit dem Hinweis, daß die Familie Mönnig seit etwa 1676 auf dem Weringhoff als Pächter auftaucht.

Es ist anzunehmen, daß die Löpers etwa um diese Zeit vom Weringhoff ins Dorf gezogen sind und dort wahrscheinlich einen oder mehrere vorhandene Höfe gepachtet oder gekauft haben.

Im Steuerverzeichnis von 1685, welches zum ersten Mal bei einem Großteil der Hausstätteninhaber den jeweiligen Beruf angibt, findet sich der Name Löper ebenfalls mehrmals [HB S.114/115]:

  • a) Dreiss Loper, Viduus [=Witwer], seine Stieftochter. Ihr man miles Brandenburg; eine magt genannt grote Em
  • b) Johann Löper brennt [=siedet] umb die andere Woche eine gantze Woche noch umb die dritte Woche eine gantze Woche, seine Frau, sein Bruder, ein Ackerjunge, eine magt,
  • c) Borchart Löper hat den vierttheil an die Pfannen, die Fraw, eine Magt.

Johann und Bochard Löper stehen in dem Register kurz hintereinander, haben also wohl in unmittelbarer Nähe zueinander gewohnt. Borchard Löper verstarb im Jahre 1700 [Kirchenbucharchiv, Sterberegister Bd. 1, S. 512]

Nach Ausweis der Kirchenbücher [im Kirchenbucharchiv Paderborn] handelt es sich bei dem oben genannten Johann Löper um den Ur-ur-ur-ur-ur-Großvater von Rudolf Loeper.

Eine letzte Angabe aus dem 17. Jahrhundert besagt, daß 1689  bei einem schweren Hagelsturm unter anderem auch Felder von Johannes Loper sen. und von Philip Loper zerstört wurden. [HB S. 150/151]

 

3. Das 18. und 19.Jahrhundert: Der Name Löper in Steuerlisten und verschiedenen Einzelangaben

1715 werden die Knechte von Joannis Löper und der Witwe Philip Löper wegen einer Sauferei verurteilt.[HB S. 150]

Über dem Dehlenbalken des nach 1975 abgerissenen Löper’schen Hauses Wolfsangel 5 fand sich die Inschrift: „In deo confidens omnia. Johannes Löper – Anna Theodora Brexel. Anno 1715 den 4. Oktober.“[vgl. Foto und Modell von Herrn Clemens Westerfeld]

Im Schatzungsregister von 1717 taucht der Name Löper ebenfalls häufiger auf:

  • a) Henricus Löper, Fraw, magdt verdienet 4 Te., Kindermagdt 1 ½ Taler [HB S. 118],
  • b) Anton Löper, ein Fassbinder [HB S. 119],
  • c) Johannes Löper, ein Saltzer, Fraw, Tochter von 17 Jahren, Knecht verdienet 1 ½ morg. deput., 3 magdte verdienet jede 4 Rthlr, [HB S. 121],
  • d) Wittibe Philip Löper Sältzerin, Sohn von 24 Jahre, Tochter von 18 Jahre, Tochter von 16 Jahre, Knecht verdienet 18 Rthlr, 2 mägdte jede 4 Rthlr.[HB S. 121]

Um 1700 müssen die Erbe Johan Loeper Vulgo die sog. Willkommenssteuer, die beim Amtsantritt eines neuen Paderborner Bischofs anfiel, entrichten; das macht deutlich, daß die Familie Loeper Paderborner Ländereien bewirtschaftete.-

Ein Johann Bernhard Wilhelm Loeper wurde als Sohn des Henrich Loeper und seiner Ehefrau Elisabeth Mönnig in Westernkotten geboren und am 18. März 1728 getauft. Am 16. November 1725 wurde er an der Universität Paderborn immatrikuliert. Er trat dem Jesuitenorden bei und war 1729 Logikprofessor an der Universität Paderborn.[HB S. 320] Im nachfolgenden Steuerregister von 1728 ist er an letzter Stelle aufgelistet (vgl. nachfolgend unter i).

Im Register von 1728 werden genannt:

  • a) Hennius Löper [HB S. 123]
  • b) Anton Löper
  • c) Wallrab Löper [HB S. 124]
  • d) Erben Joannis Löpers
  • e) Ursula Elisabeth Löper
  • f) A.S. Löpers
  • g) Wittibe Borcherdten Löpers
  • h) Joseph Löper
  • i) J. Bernard Löper

Im Schatzregister von 1759 sind folgende Nennungen des Namens Löper zu ermitteln:

  • a) Wolrab Löper, ein Tagelöhner, und sein Bruder[HB S. 125]
  • b) Jägersche, Beyliegerin in Löpers Hause

Aus dem gleichen Jahr datiert eine „Dorfrechnung“ [vgl. Heimatbuch von 1958, S. 56-59]. Darin sind erwähnt:

  • a) Henrich Löper [ebd. S. 57], dieser findet sich auch bei denjenigen, die die Dorfrechnung unterschreiben [ebd. S. 59]
  • b) Borgard Löper
  • c) Anton Löper
  • d) Josephus Löper [ebd. S. 58]
  • e) Christian Löper [ebd. S. 59]

 

In einem Verzeichnis über Abgaben von Knechten und Mägden von 1773 ist der Name Löper nicht erwähnt[HB S. 128], ebenso nicht im Viehschatzungsregister von 1760.

Im Viehschatzregister von 1773 werden genannt:

  • a) Walrab Löper mit 1Kuh und 2 Schweinen
  • b) H. Löper mit 3 Kühen

Im Kopfschatzregister von 1775 wird aufgelistet:

Löper nach schatzfrei, 18 Groschen, 2 halbe Mägde, eine Tochter mit Namen Elisabeth, 1 Jahr alt“; es werden keine Frau und kein Sohn unter 12 Jahren genannt. Die Nennung erfolgt vor der Nachbarhausstätte Bredenoll, die südlich der heutigen Kirche lag.

Im ältesten Familienbuch der kath. Pfarrei St. Laurentius Erwitte findet sich ein Häuserverzeichnis von Westernkotten mit laufender Nummerierung von 1780 [Arch-Reg.Abt.III.Bx. Nr. 17]:Darin hat das Haus Löper die Hausnummer 146.

Aus diesem Verzeichnis geht hervor, daß zum Ende des 18. Jahrhunderts die Familie Löper in Westernkotten bis auf einen Zweig ausgestorben war.

Im Viehschatzregister von 1781 ist genannt:

C. Löper mit 3 Kühen und 2 Schweinen. Nach diesem Namen wird wieder die Hausstätte Bredenoll aufgelistet.

Im Kopfschatzregister von 1785 wird ewähnt:“Haus-Nr.146, Löper, Salzer, eine halbe und eine volle Magd.“ Eine Frau und Kinder unter 12 Jahren sind nicht vorhanden.

In einer Quartierliste vom 6.7.1829 [Nachlaß Eickmann Nr. 38] ist unter der laufenden Nummer 135 genannt:

Löper, Johann, Hausnummer 146. [Von Eickmann später ergänzt: Hausstättenname Loiper; neue Hausnummer ab 1916: 189. Bei der Hausstätte ehemals Nummer 15: Hüllmann, Laurenz, Hausstättenname Lahme, hat Eickmann hinzugefügt: von 189 – also Löper – zugekauft]. Aus der Tatsache, daß in dieser alle Häuser umfassenden Liste nur noch einmal der Name Löper auftaucht, wird  nochmals deutlich, daß Ende des 18./Anfang des 19. Jahrhunderts der Name Löper in Westernkotten bis auf einen Zweig erloschen ist.

 

4.Die direkten Vorfahren von Rudolf Löper im 17. und 18. Jahrhundert

Aus den Kirchenbüchern sowie weiteren Angaben läßt sich die folgende Familiengeschichte rekonstruieren:

Der Ur-ur-ur-ur-ur-Großvater von Rudolf Löper war Johan Löper. Er war einer der Erbsälzer im Dorf und wohnte in der Nähe der Kapelle (heutige Pfarrkirche). Verheiratet war er wahrscheinlich seit 1684 mit Anna Catharina Mönnig [Eheschließungen Westernkotten Bd.1, S. 472; evtl. kommt auch Margarete Vogeln in Frage, vgl. ebd.]

Den Eheleuten wurde am 7.10. 1685 ein Sohn namens ((Johan) Henricus geboren, der Ur-ur-ur-ur-Großvater von Rudolf Loeper. Dieser Henricus oder Heinrich zeugt mit 21 Jahren einen unehelichen Sohn namens Friedericus oder Fritz, Rudolf Lopers Ur-ur-ur-Großvater, der am 22.1.1707 in Erwitte getauft wird. Die Mutter wird im Taufregister nicht genannt. Heinrich heiratet erst 5 Jahre später, genau am 16.9.1712, die Maria Beatrix Brexel aus Westernkotten in der Pfarrkirche zu Erwitte.[Letztere verstarb 1765 in Westernkotten, vgl. Sterberegister Westernkotten Bd. II, S. 320]; ihr Mann Heinrich Löper starb wahrscheinlich schon 1731, vgl. ebd, Bd.I, S.524]

Im Jahre 1715 errichteten Verwandte von Ihnen, Johannes Löper und seine Frau Anna Theodora Brexel, das alte Löper’sche Haus an der Straße Wolfsangel, das bis etwa 1975 gestanden hat. Diese hatten am 13. Mai 1698 geheiratet. Zwischen 1715 und 1734 [nach Ausweis der Akte A1 – 173 im Stadtarchiv Erwitte] müssen sie ihrem Neffen (?) Fritz Löper [*1707] ihr Haus und ihre Salzrechte vermacht haben, denn 1734 wird „Fritz (Josephon) Löper, beerbter Sälzeren hierselbst“ als Eigentümer genannt. Wahrscheinlich ist aber das Eigentum schon vor 1728 an Fritz Löper übergegangen, denn im Steuerregister dieses Jahres taucht die Formulierung „Erben Joannis Löpers“ auf.

Warum Johannes und seine Frau Anna Theodora Brexel  das Anwesen an ihren Neffen Fritz Löper vermachten, darüber läßt sich nur spekulieren. Möglicherweise wurden nur Mädchen geboren, so daß die Gefahr drohte, daß der traditionsreiche Name unterging.

Fritz Löper heiratete 37jährig die (Anna) Gertrude Rare aus Westernkotten. Sie hatten insgesamt 4 Kinder:

  • a) Anna Maria Elisbeth, *23.9. 1745
  • b) Caspar (Wilhelm), * 7.3.1748, der Ur-ur-Großvater von Rudolf Loeper
  • c) Johannes Wolrad Christoph, *30.5.1751
  • d) Petrus Laurentius, *30.12.1753.

Schon bald nach der Geburt ihres vierten Kindes verstarb Anna Gertrude im Jahre 1754 [Sterberegister Westernkotten, Bd.I, S.531], ihr Mann Friedrich verstarb 50jährig am 7.12.1757 in Westernkotten [ebd. S. 533]

Rudolf Löpers Ur-ur-Großvater Caspar war also schon mit 11 Jahren Vollwaise. Er heiratete nach 1785 die am 10.5.1750 in Westernkotten geborene Anna Maria Hense. Ihre Ehe blieb allerdings kinderlos, so daß sie ein Kind namens Johannes adoptierten, das 1801 geboren worden war. Erbsälzer Caspar Löper verstarb 68jährig am 9.1.1816 am „Schlagschlusse“, seine Frau war wohl schon vorher verschieden.

•5. Urgroßvater Johann Loeper (1801-1875)

Adoptivsohn Johann, Rudolf Loepers Ur-Großvater, heiratete 25jährig am 13.4.1826 die Elisabeth Josepha Weber aus Westernkotten, Tochter der Eheleute Christoph Weber und Maria Sophia Scheive.

Insgesamt 8 Kinder sind aus dieser Ehe hervorgegangen, 6 Mädchen und zwei Jungen:

  • a) Maria Cath. Adolphine, *11.1.1827
  • b) Maria Ther.Theodora, * 15.4.1828
  • c) Rudolf, *17.4.1830, Rudolf Loepers Großvater
  • d) Johann Theod. Albert; *30.12.1831, + 21.3.1833
  • e) Bertha, *1834
  • f) Mathilde, *1836
  • g) Ottilie, *1836
  • h) Nora Joseph. Augusta, +1838

 

1828 trat Johannes Löper in den Erwitter Männerschützenverein ein [vgl: aus Kuotten …Nr. 61 (1993)] und gehörte im selben Jahr als 1. Leutnant auch zu den Gründungsmitgliedern des Westernkötter (Männer-)Schützenvereins. [Protokollbuch I des Schützenvereins.]

Von 1841 bis 1845 war er Mitglied im Westfalenparlament, dem in Münster tagenden Provinziallandtag. Er vertrat dort den Wahlbezirk für die Kreise Lippstadt und Brilon. In einem entsprechenden Verzeichnis [Alfred Bruns (Hrsg.), Die Abgeordneten des Westfalenparlaments, Münster 1978; Bd 2 der Reihe „Westf. Quellen und Archivverzeichnisse“] wird er als Landwirt und Salinenbesitzer bezeichnet. [ebd. S. 430]

Mindestens seit 1843 war Johann Loeper auch Mitglied des Gemeinderates der damals noch selbständigen Gemeinde von Westernkotten [vgl. HB S.162; eine nähere Auswertung der Protokolle der Gemeindevertretung, die ab 1843 im Stadtarchiv Erwitte vorhanden sind, erfolgt an dieser Stelle nicht].

Auch im Revolutionsjahr 1848 muß Johann Loeper eine besondere Rolle gespielt haben. Dazu lesen wir im Heimatbuch von 1987 aus dem Brief einer Nachfahrin:“Während der Revolution 1848 war auch Aufstand in Westernkotten. Zwei Töchter meines Urgroßvaters Johann von (!?) Loeper fuhren am Abend mit der Kutsche nach Lippstadt zum Theater. Unterwegs kamen ihnen die revolutionierenden Horden entgegengelaufen und bewarfen ihre Kutsche mit Steinen. Die Kutsche kehrte schleunigst um und fuhr wieder nach Hause. Die Revolutionäre, inzwischen vor dem Herrenhaus angelangt, schrieen immer wieder ‘Loeper raus‘. Meine Urgroßmutter habe große Angst gehabt. Mein Urgroßvater ging aber hinaus, sprach mit den Leuten und am Ende ließen sie ihn hochleben und zogen wieder heim.“ [HB S.171]

1866 mußten die Dorfbewohner Pferde für den Kriegsdienst stellen: Johann Löper hat mit 4 Pferden nach den Gutshöfen Mönnig und Domhof das dritthöchste Kontingent zu stellen; 1870 sind es von Johann Löper sogar 5 Pferde.

Ur-Großvater Johann Loeper verstarb am 27.5.1875 in Westernkotten im Alter von 74 Jahren.[Standesamt Erwitte Nr.75/1875].

 

6. Großvater Rudolf Loeper (1830-1925)

Da der zweite Sohn von Johann Loeper, Johann Theod. Albert,  bereits mit gut einem Jahr verstarb, und sonst nur Mädchen geboren wurden, blieb Rudolf Loeper, der Großvater des „heutigen“ Rudolf Loeper, der einzige Namensträger.

Bereits mit 23 Jahren, noch als Junggeselle, schoß Rudolf Loeper beim Schützenfest in Westernkotten 1853 den Vogel ab und erwählte sich Clementine Mönnig zur Königin [300 Jahre Schützenverein Bad Westernkotten, Lippstadt 1994, S.16/17].

Rudolf Loeper heiratete vor 1871 die 17 Jahre jüngere Bernhardine Mues aus Westereiden, Pfarrei Hoinkhausen, *2.2.1847, Tochter der Eheleute Engelbert Mues gt. Rüther und seiner Frau Ferdinande Wittenbrink.

Wahrscheinlich sind aus der Ehe 7 Kinder hervorgegangen:

  • a) M. Theres. Elisabeth, *1871 [Geburten Westernkotten, Bd.XV, S.133]
  • b) Rudolf, *25.10.1872, der Vater des heutigen Rudolf Loeper [ebd. S.149]
  • c) August Franz Wilhelm, *1873 [S.172]
  • d) Cäcilia Ottilie Franziska, *1874 [ebd. S.190 und Standesamt Erwitte Nr.37/1874]
  • e) Klemens Engelbert, *1876 [ebd. Nr.192/1876]
  • f) Antonie Klem. Mathilde, *1878 [ebd.Nr.70/1878]
  • g) Mathilde, *2.3.1882, + 4.7.1975 in Westernkotten im Haus Westerfeld, ehemals Löper.

Auf dem Grabstein der Großeltern, Rudolf und Bernardine Loeper [Grab eingeebnet, Grabstein nicht mehr vorhanden; nur noch Foto des Grabsteins] ist folgende Inschrift vorhanden gewesen: Rudolf Loeper – Erbsälzer – *17.4.1830 + 25.3.1925; Bernadine Loeper geb. Mues *2.2.1847 +17.7.1915.

Rudolf Loeper engagierte sich wie sein Vater Johann in der Kommunalpolitik, allerdings wohl erst nach dem Tod des Vaters 1875. Am 9.Juni 1876 ließ sich Rudolf Loeper in eine neu gegründete Sanitätskommission wählen [HB S. 176], und im Mai 1881 wird er erstmalig in den Gemeinderat von Westernkotten gewählt. Als wenig später der amtierende Gemeindevorsteher Reinhard Jesse sein Amt niederlegt, wird Rudolf Loeper, obwohl erst 1 Jahr im Gemeinderat, am 14. August 1882, also im Alter von 62 Jahren, zum neuen Gemeindevorsteher gewählt. Er bekleidete dieses Amt bis zum August 1888, also eine Amtszeit. Sein Nachfolger im Amt war Adalbert Jesse.

Im Jahre 1900 wurde er nochmals in den Gemeinderat gewählt, und von dort zum Mitglied der Armen-Deputation und der Gesundheitskommission[HB S. 182], am 1.2.1908 in den Schulvorstand [ebd. S. 184] beordert. Im Armen- und Schulvorstand wirkte er auch 1910 noch, diesmal „Rentner Rudolf Löper“ genannt.[ebd. S. 187]

Als am 14.1.1906 der Landwirtschaftliche Lokalverein Westernkotten und wenig später der Kriegerverein Westernkotten gegründet wurde, gehörte Rudolf Loeper jeweils zu den Gründungsmitgliedern [HB S.414]. Im Kriegerverein hatte er sogleich das Amt eines Beisitzers inne. Am 2. April 1911 wurde er einstimmig zum Vorsitzenden des Kriegervereins gewählt und blieb dies mindestens bis zum Jahre 1916 [vgl. Protokollbuch des Kriegervereins 1906-1916 v.a. S. 8, 10, 56, 59 und 70].

Als sein Sohn 1921 mit seiner ganzen Familie nach Ostpreußen zog, blieb Rudolf Loeper zusammen mit seiner jüngeren Schwester Mathilde auf dem Hof, der an die Familie Westerfeld verkauft wurde [siehe nachfolgend unter 7.], zurück.

Ältere Westernkötter erinnern sich noch, daß er mit seinem Stock noch im hohen Alter regelmäßig im Gottesdienst anzutreffen war und wegen des häufigen Gebrauchs des Wörtchens „schon“ auch „Löpers Schonn“ genannt wurde [Mtlg. von Herrn Franz Pütter].

 

7. Die Eltern Rudolf Loeper und Maria Elisabeth Steimann; Wegzug nach Ostpreußen

Die Eltern von Rudolf Loeper waren Rudolf Loeper, geb. am 25.10. 1872 in Westernkotten, und Maria Elisabeth Steimann, geb. 29.1.1884 in Schallern.

Maria Elisabeth war die Tochter des Gutsbesitzers Anton Steimann gt. Schulte und seiner Frau Elise Schulte-Hofflerke. Der Hof Steimann in Schallern, Lohner Straße 17, blieb bis 1971 in Besitz der Familien Steimann. Seither gehört er der Familie Tiggesmeier [Angaben von Heinrich Tiggesmeier v.4.1.97]  Die Mutter Elise stammte ebenfalls von einem größeren Gut, dem Hof Flerke im Nordosten von Werl an der Grenze zu Welver gelegen [vgl. zu Hof Flerke: Platte, Hartmut, Werler Höfe, Teil II, S. 23/24; sowie: Preising, Rudolf, Scheidingen. Geschichte eines Kirchspiels und seiner Höfe im kurkölnischen Amte Werl, Aschendorff-Verlag Münster 1970, S.157-167].

Rudolf Loeper und Maria Elisabeth Steimann heirateten am 8.11.1909 in Horn [Standesamt Horn 16/1909]. Trauzeugen waren: Gerichtsreferendar Friedrich Steimann, Schallern, 30 Jahre, und Landwirt Anton Steimann, Schallern, 33 Jahre.

Sie hatten drei Kinder:

a) Bernardine Toni Elisabeth Maria wurde am 28.2.1911 um 9 Uhr in Westernkotten geboren [Standesamt Erwitte 39/1911], heiratete 1933 in Königsberg [Königsberg 651/1933] und verstarb am 25.12.1973 in Karlsruhe [Karlsruhe 931/1973]

b) Margarita wurde am 9.6.1915 um 10.15 Uhr geboren [Erwitte 71/1915], verheiratete Kaunus, am 31.5.1981 in Soest gestorben [Angaben ihres Sohnes Thomas Kaunus, Lippetal, v.12.9.96]

  • c) Rudolf Paul Wilhelm am 28.7.1916 um 12 Uhr [Erwitte 44/1916], der heute in Stockholm lebende Dr. jur.

Bereits einige Monate nach der Eheschließung wurde Rudolf Loeper vom Gemeinderat zum stellv. Gemeindevorsteher gewählt, und zwar am 22.11.1910 [HB S.186]; ledglich der amtierende Gemeindevorsteher Adalbert Jesse sprach sich nicht für Rudolf Loeper aus. 1911 wurde er im Amt des stellv. Gemeindevorstehers bestätigt [HB S. 187].

Am 9.10. 1914 wählte ihn die Gemeindevertretung zum Übungsleiter einer neu gegründeten „Jugendwehr“ [ebd. S. 198].

Am 30.9.1919 wählte ihn der Gemeindevorstand mit 5 von 9 Stimmen zum Gemeindevorsteher von Westernkotten.

In der Folgezeit müssen dann aber Ereignisse eingetreten sein, die die bisherigen Pläne der Familie völlig über den Haufen geworfen haben: denn 1920/21 verkaufen die Loepers alles Eigentum in Westernkotten, Rudolf Loeper legt das Amt des Gemeindevorstehers nieder – bereits am 15.2.1921 wurde Josef Duwentester zu seinem Nachfolger gewählt – und die ganze Familie zieht nach Ostpreußen!

Die Gründe für diese ziemlich kurzfristige Entscheidung sind bisher nicht ganz genau zu ermitteln: Zum einen wird der Frau von Rudolf Loeper ein wesentlicher Einfluß auf diese Entscheidung nachgesagt. Sie habe sich als „verwöhnte Frau“ im Dorf nie recht wohl gefühlt und sich zum Beispiel „durch das Geläut der nahen Kirchenglocken in ihrer Ruhe gestört gefühlt“.

Auch führen ältere Westernkötter aus, daß die Einnahmen aus der Salzproduktion immer stärker rückläufig gewesen seien und die Landwirtschaft der Familie nicht besonders gelegen habe.

Käufer der Hofstelle Loeper – einschließlich eines großen „barocken“ Gartens und anliegender Weideflächen insgesamt 13587 m² – war der Landwirt Bernhard Westerfeld, der Vater der jetzigen Hofinhaber Josef und Franz Westerfeld. Bernhard Westerfeld hatte bis dahin das heutige Anwesen Köneke-Thiele inne, war also unmittelbarer Nachbar und bei Loepers unter anderem als Kutscher tätig gewesen [mdl. Mitteilung v. J. Westerfeld v.6.6.96].

Der Kaufvertrag datiert vom 18. Dezember 1920. Darin wurde u.a.geregelt, daß der 90jährige Vater Rudolf Loeper sen. und seine unverheiratete Tochter Mathilde weiterhin auf der Hofestelle leben durften und entsprechend verpflegt werden mußten.- Die übrigen landwirtschaftlichen und sonstigen Grundstücke der Familie Loeper, ca 120 Morgen [ebd.], kauften verschiedene Bewohner Bad Westernkottens. Über die Veräußerung einer 2881m² großen Parzelle auf der Brede mit dem aufstehendem Gradierwerk an den Fabrikarbeiter Fritz Mintert liegt der Kaufvertrag vor [freundlicherweise von Frau E. Mintert am 17.6.1996 zur Verfügung gestellt]. Das dortige Gradierwerk, was entlang der Nordstraße stand, wurde wenig später abgerissen, das Holz als Bauholz an den Ruhrbergbau verkauft [Mtlg.v.Frau Mintert v.17.6.96]

In Ostpreußen erwarben die Loepers einen riesigen Gutshof in Mettkeim, Post Nauzken im Kreis Labiau, nicht weit von Königsberg entfernt.

Aber das Glück war ihnen nicht hold: die eingesetzten Hofverwalter betrieben Mißwirtschaft, auch das Engagement im Früchtegroßhandel ging schief.

Als seine Frau 1932 an Gebärmutterkrebs starb, faßte Rudolf Loeper („nach innen gerichtet, gütig, aber lebensfremd“) nie wieder richtig Tritt und nahm sich 1933 in Rauschen an der Ostsee das Leben.

Rudolf Loeper erinnert sich noch an weitere Einzelheiten [in einem Brief an den Verfasser v. 22.12.1996]:„Der heutige Dr. jur. Rudolf Loeper gelangte nach turbulenten Vorkriegs- und Kriegsjahren über seine zweite Frau, die in Schweden eine interessante Tätigkeit als Naturwissenschaftlerin fand, nach Stockholm. Hier wohnt er bis heute und nahm – wie eingangs erwähnt – im Sommer 1996 Kontakt mit seiner alten Heimat Bad Westernkotten auf.