II. Vatikanum (Marcus)

[aus: 100 Jahre kath. Kirchengemeinde Bad Westernkotten, 2002]

 Das 2. Vatikanische Konzil und seine Auswirkungen in Bad Westernkotten

Von Wolfgang Marcus

Der Satz „Ekklesia semper reformanda = Die Kirche ist immer wieder zu erneuern“ betont die Tatsache, dass sowohl die Gesamtkirche als auch die Pfarrgemeinde sowie jeder einzelne Christ nie fertig und ganz bei und in Gott ist, sondern immer auf dem Weg zu ihm und dass manchmal alte, ausgetretene Straßen verlassen und neue, oft unbekannte Wege beschritten werden müssen.

In diesem Sinne weg-weisend war das 2. Vatikanische Konzil, das von 1962 bis 1965 auf Initiative des großen Seelsorgers und Papstes Johannes XXIII. stattfand und auch in unserer Kirchengemeinde gravierende Veränderungen mit sich gebracht hat. Das Konzil, an dem 1540 Konzilsväter teilnahmen, tagte in 4 Sitzungsperioden, jeweils im Herbst. In schwierigen Beratungen und nach zähem Ringen um Kompromisse konnten schließlich 16 Erklärungen verabschiedet werden, die das Selbstverständnis der Kirche, das innere Leben der Kirche (Liturgie, Aufgaben der Bischöfe, Verhältnis von Schrift und Tradition, Lehramt und christlicher Erziehung, Laienapostolat usw.) sowie ihre Aufgaben „nach außen“ (Verhältnis zu den Nichtkatholiken, den Nichtchristen und zur Welt allgemein) zum Inhalt haben.

Bevor ich auf die Veränderungen durch das Konzil eingehe, möchte ich zunächst kurz einiges zur Situation der Kirche bis in die 1950er und frühen 1960er Jahren sagen und dies im Hinblick auf unsere Pfarrgemeinde überprüfen.

•I.                   Zur Situation in Kirche und Gemeinde in den 1950er Jahren

Seit dem 4. Jahrhundert gab es in Europa eine außerordentlich starke Verknüpfung der allgemeinen Kultur mit dem christlichen Glauben, seit der Reformation im 16. Jahrhundert in spezifisch konfessioneller Ausprägung. Zwar erlebte die katholische Kirche mit der Säkularisation 1803 zunächst den Zusammenbruch dieser engen Verzahnung sowie den Verlust ihrer ökonomischen Absicherung, doch gelang es in der Folgezeit, unter anderem durch freie Zusammenschlüsse (Zentrumspartei, Organisationen des sozialen Katholizismus wie Kolping, KAB, Caritas und christliche Gewerkschaften; Borromäusverein…) diesen Bedeutungsverlust wieder aufzuholen. Gerade auch in der Auseinandersetzung mit dem preußischen Staat und seiner Benachteiligung der Katholiken („Kulturkampf“) sowie mit dem Protestantismus entstand ein „katholisches Milieu“. In einer immer komplexer werdenden Industriegesellschaft bot dieses Milieu Orientierung für den einzelnen und schützte ihn vor den massiven Einflüssen und Veränderungen der Moderne. Gesellschaftswissenschafter sprechen deshalb auch von einem Gesellschaftstyp halbierter Moderne. „Katholisches Milieu, das bedeutete für  diejenigen, die in dieses integriert waren, ein starkes Wir-Gefühl mit starken Abgrenzungen gegen die Welt außerhalb der eigenen gesellschaftlichen Großgruppe. Getragen wurde dieses Milieu von einer eigenen, geschlossenen Welt-Anschauung, die exklusiv durch die Kirche gedeutet und produziert werden durfte, eigenen Institutionen für alle Lebensbereiche und von vielen Alltagsritualen.“1

Nach dem 2. Weltkrieg kam es zu einer erneuten Blüte der katholischen Kirche und einem offensiveren Ausleben des katholischen Milieus. „Das Ende des Nationalsozialismus wurde als Endpunkt einer verhängnisvollen Entwicklung interpretiert, die das Scheitern aller säkularen Weltbilder erwiesen habe, eingeschlossen des individualistischen Liberalismus und des kollektivistischen Sozialismus. In der Erwartung einer ‚Rechristianisierung‘ Europas drückte sich die Hoffnung aus, die Laisierung der Kultur wieder rückgängig machen zu können. In ihrem Selbstverständnis verfügte die katholische Kirche der fünfziger Jahre über ein geschlossenes und durch den historischen Prozess als überlegen ausgewiesenes Weltbild, das für alle Lebensbereiche unzweifelhafte, auch durch die Vernunft einsehbare Prinzipien enthielt.“2 In diesem Zusammenhang ist der Begriff der Volkskirche geprägt worden.

Neben der Milieubildung muss noch ein zweites angesprochen werden: der Prozess der fortschreitenden Verkirchlichung des Christentums, der die Kirche zum einzigen und ausschließlichen Ort christlicher Erfahrung und Orientierung gemacht hat. Vielfältige Gründe, auf die hier nicht näher einzugehen ist, führten dazu, dass die eigenständige Glaubensweitergabe zum Beispiel in den Familien keinen besonderen Stellenwert hatte. „Der interaktive Bereich, sozusagen der Nahbereich der Individuen, verliert für das religiöse Leben an Bedeutung. Religion ist dort lebendig, wo ein Kleriker oder zumindest wo professionelle Kräfte beteiligt sind.“3 Der spätere Kardinal Josef Ratzinger schrieb dazu 1960: „Wir müssen uns endlich eingestehen, dass das Christentum in der seit Jahrhunderten konservierten Form bei uns im Grunde nicht besser verstanden wird als in Asien oder Afrika. Es ist nicht nur dort fremd, sondern auch bei uns, weil ein Schritt ausgefallen ist, der vom Mittelalter zur Neuzeit. Das Christentum lebt gerade auch bei uns selber nicht in unserer eigenen, sondern in einer weitgehend fremden Gestalt, der Gestalt des Mittelalters.“4

Treffen diese Ausführungen auch auf unsere Pfarrgemeinde zu? – Ich meine, die Frage nahezu uneingeschränkt mit „Ja“ beantworten zu können und will das an einigen konkreten Punkten zu belegen suchen:

  • – Katholische Volksschule: Die Schule in Bad Westernkotten war bis 1968 eine katholische Volksschule. Der Einfluss des Pfarrers und des Schulvorstandes auf Erziehungsinhalte, Lehrereinstellungen usw. ist eindeutig nachzuweisen.
  • – Katholischer Kindergarten: In den 1950er Jahren gab es nur einen Kindergarten in Bad Westernkotten, den katholischen Kindergarten Sankt Elisabeth, der von Ordensfrauen, den Armen Dienstmägden Jesu Christi aus Dernbach, geleitet wurde. Wie selbstverständlich prägten katholische Inhalte, Heiligenfeste oder etwa der Namenstag des Pfarrers den Kindergartenalltag.
  • – Distanz gegenüber den Evangelischen: Vor dem 2. Weltkrieg gab es weniger als 40 evangelische Christen in Westernkotten bei über 1200 Katholiken. Die Evangelischen waren im wahrsten Sinne des Wortes eine Randerscheinung. Durch Flüchtlinge und Vertriebene stieg während und nach dem 2. Weltkrieg die Zahl der Evangelischen auf etwa 350. Dennoch blieb der Kontakt zu ihnen zunächst eher sporadisch. „Die sind „luthersch“ hieß es nicht selten.
  • – Renaissance der katholischen Jugendarbeit: Nach dem 2. Weltkrieg setzte auch in unserer Pfarrgemeinde in Bad Westernkotten eine verstärkte Jugendarbeit ein, mit der Mädchen und Jungen im „katholischen Geist“ erzogen werden sollten. Diese orientierte sich zu Anfang deutlich an der sog. Standesseelsorge, wie sie schon vor dem 2. Weltkrieg Grundlage der Pastoral war. So fällt unter anderem auch die Gründung des Tischtennisvereins DJK in diese Zeit.
  • – Das politische Wahlverhalten: In den 1950er Jahren kam die CDU in Bad Westernkotten – wie vor der Zeit des Nationalsozialismus die Zentrumspartei – teilweise auf über 60 Prozent der Stimmen (Bundestagswahl 1957: 63.3%). Als Katholik wählte man „christlich“! Und ich kann mich auch später noch an manchen „Hirtenbrief“, der im Gottesdienst verlesen wurde, erinnern, der an Eindeutigkeit kaum noch zu überbieten war.
  • – Respekt vor dem Pfarrer: Ich kann mich noch gut erinnern, mit welchem Respekt wir als Kinder dem damaligen Pfarrer Fritz Becker begegneten. Wenn er etwa mit Rektor Schäfers über den Schulhof, den heutigen Kirchplatz, spazierte, gaben wir ihm andächtig die Hand und grüßten ehrerbietig. Auch in allen anderen Lebensbereichen galt der Pfarrer als absolute Respektsperson.
  • – Katholische Inhalte prägen Brauchtum und Sitte: Weltliches Brauchtum spielte im Westernkotten der 1950er Jahre so gut wie keine Rolle. Stattdessen dominierten Feste wie Lobetag, das immer eng an die katholische Kirche angebundene Schützenfest („Glaube, Sitte, Heimat“), die Fastenzeit mit der Karwoche und Ostern, der Weiße Sonntag, der Marienmonat Mai, das Fronleichnamsfest, der Rosenkranzmonat Oktober und auch das Christ-Königs-Fest (Bekenntnistag der katholischen Jugend) den Jahreslauf. Ich kann mich noch gut an unseren kleinen Marienaltar, der im Mai in der Küche errichtet wurde, erinnern, und auch an die Rosenkranzandachten im Oktober. Ein Weihwasserbecken im Schlafzimmer gehörte auf jeden Fall dazu. Als ich 1976 in Lourdes war, mußte ich meiner Mutter noch geweihtes Lourdes-Wasser für das Weihwasserbecken mitbringen! Wie selbstverständlich wurden alle Kinder getauft und gingen zur Erstkommunion und zur Firmung. Die Sonntagspflicht wurde weithin befolgt. Arbeiten am Sonntag war nicht erlaubt und wurde durch die soziale Kontrolle weithin unterlassen.
  • – Katholische Wertvorstellungen: Beispielhaft sollen hier Fragen der Sexualmoral genannt werden, in denen die kirchliche Sicht eindeutig und prägend für viele Westernkötter war: kein Beischlaf vor der Ehe, Verlobung, keine künstliche Empfängnisverhütung, Sexualität vorrangig zum Zeugen von Kindern, züchtige Kleidung, „saubere“ Literatur und Filme usw. Zur Vermittlung katholischer Wertvorstellungen trugen sicherlich auch die Zeitschriften „Der Dom“, „Liboriusblatt“, „Christliche Familie“ sowie die katholisch geprägte Tageszeitung „Der Patriot“ aus Lippstadt bei.

•II.                Beschlüsse des Konzils in ihren Auswirkungen auf unsere Pfarrgemeinde

Das Konzil hat versucht, den oben von Ratzinger beschriebenen Schritt vom Mittelalter in die Neuzeit zu gehen. „Dabei wurden nicht zuletzt das Evangelium und die Tradition vom Geist der Neuzeit her neu gelesen. Es ging um die in der Moderne neu erfahrene Subjektivität, Autonomie und Freiheit, wie sie in der Aufklärung, dem Deutschen Idealismus und der Französischen Revolution aufgebrochen waren. Die Beschlüsse des Konzils haben das Wesentliche der Kirche von daher neu zu verstehen versucht und so eine wirkliche neue Inkulturation der Kirche angestoßen. Nach außen hin sieht sich die Kirche seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil in einem wechselseitigen – sympathischen und zugleich kritischen – Lebenszusammenhang mit der Welt…Nach innen hin hat sich die Kirche auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil als Gemeinschaft aller Getauften und Gefirmten wiederentdeckt.“5

Fünf Gesichtspunkte möchte ich – durchaus kritisch – im Hinblick auf unsere Gemeinde besonders herausstellen:

  • 1. Mitwirkung und Mitbestimmung der Laien
  • 2. Erneuerung der Liturgie
  • 3. Erneuerung der Sakramentenpastoral
  • 4. Ökumenischer Aufbruch
  • 5. Öffnung nach außen und Engagement für Mission und Entwicklung

 

Mitwirkung und Mitbestimmung der Laien

  • a) Hier ist zunächst einmal die Bildung der Pfarrgemeinderäte zu nennen6. Die Aussagen des Konzils vom mündigen Laien waren bei einigen Katholiken unserer Gemeinde auf fruchtbaren Boden gefallen, und so beteiligten sich immerhin 184 Gemeindemitglieder an den ersten Pfarrgemeinderatswahlen am 30. Juli 1967. Erster Vorsitzender des Gremiums wurde Paul Röwekamp. Bei der 2. Wahl am 7.3.1971 gaben bereits 392 Gemeindemitglieder ihre Stimme ab. 1973 fand das erste Pfarrgemeindefest statt unter dem Motto „Wer mitmacht erlebt Gemeinde.“ Der Pfarrgemeinderat ist seither aus der Leitung unserer Pfarrgemeinde nicht mehr wegzudenken. Er hat das Gemeindeleben seither in vielfältiger Weise mitgestaltet und neue Impulse gegeben, wenngleich ich kritisch anmerken möchte, dass – aus den verschiedensten Gründen – die Möglichkeiten der aktiven Gestaltung und langfristigen Pastoral im Sinne eines Pastoralkonzepts noch lange nicht ausgeschöpft sind.
  • b) Eine stärkere Beteiligung der Frauen ist ein weiterer Aspekt. So wurde am 1.Juli 1967 erstmals die Stelle einer Seelsorgehelferin mit Frau Maria Loges besetzt. Auch im Pfarrgemeinderat gehörten von Anfang an Frauen mit zu den einflußreichsten Kräften. Aber vieles war auch mehr als schwierig. Ich erinnere mich noch gut aus meiner Zeit als Pfarrgemeinderatsvorsitzender (1977 – 1981), als es um die Zulassung von Mädchen als Messdienerinnen ging. Wie mußten wir bei Pastor Gersmann – noch geprägt von einer ganz anderen Ausbildung – Widerstände abbauen! Da wurden selbst ästhetische und theologische Gründe sowie solche der Tradition angeführt. Heute ist es zum Glück eine Selbstverständlichkeit, dass Mädchen ihren Dienst am Altar tun. – Seit 1966 gibt es in unserer Gemeinde Kirchenputzfrauen. Lange hat es demgegenüber gedauert, bis die erste Frau in den Kirchenvorstand gewählt wurde: erst im Jahr 2000 stand mit Ingrid Stillecke erstmals eine Frau auf der Kandidatenliste, die dann auch gleich mit den zweitmeisten Stimmen in den Kirchenvorstand einziehen konnte. Frauen sind heute darüber hinaus in unserer Gemeinde wie selbstverständlich als Kommunionhelferinnen und Lektorinnen eingesetzt. Ich möchte sogar sagen, dass ein Großteil der Pastoral – im Elternhaus, in der Sakramentenkatechese, bei den Familien- und Gruppengottesdiensten, im Kindergarten, in den kirchlichen Vereinen und Verbänden usw. – von Frauen getragen wird. Und dass Frauen den weitaus größten Teil der Gottesdienstbesucher stellen, ist jederzeit offensichtlich. Angesichts dieser Entwicklung sollten wir mit Zuversicht und Beherztheit an der vollkommenen Gleichberechtigung von Frauen in unserer Kirche, das heißt letztlich auch an der Zulassung zum Priesteramt, arbeiten.
  • c) Weiterhin ist die Befähigung der Laien zu den drei grundlegenden Kennzeichen einer christlichen Gemeinde, der Bezeugung des Glaubens (Martyria), der Feier des Glaubens (Leiturgia) und dem Dienst am Nächsten (Diakonia), zu nennen. Pfarrer Heinz Müller spricht hier gern davon, die Laien von Objekten der Seelsorge zu Subjekten und Trägern der Pastoral zu machen. So spricht er auch gern anschaulicher von den drei „G“ unseres Pfarrgemeindelebens, dem Glaubensdienst, dem Gottesdienst und dem Geschwisterdienst. Zur Beteiligung der Laien an der Verkündigung sind schon während und kurz nach dem Konzil vielfältige Bemühungen festzustellen: so weilte 1966 Weihbischof Paul Nordhues in der Kurhalle und hielt einen bemerkenswerten Vortrag dazu. Über viele Jahre gab es in der österlichen Bußzeit auch Glaubensseminare, vom Dekanatsbildungswerk organisiert, in denen Laien befähigt werden sollten, über ihren Glauben zu sprechen und ihn überzeugend zu vertreten und weiterzugeben. Weiterhin sind die Bestrebungen bei Kommunionelternabenden, bei der Firm- und Ehevorbereitung uvm. zu nennen. Dennoch bleibt unverkennbar, dass es in einer Zeit des religiösen und kulturellen Pluralismus und der weitverbreiteten Kirchendistanz und Indifferenz vielen Mitgliedern auch unserer Gemeinde schwer fällt, ihren Glauben zu vertreten und ihn aus Überzeugung an die nächste Generation weiter zu geben.
  • d) Anders ist die Beteiligung der Laien sicherlich im Bereich der Gottesdienste und Sakramentenpastoral zu sehen. Schon früh hatte der Pfarrgemeinderat etwa einen Liturgiekreis, der eigenverantwortlich Gottesdienste gestaltete. Heute sind ein Familienmesskreis, ein Jugendliturgiekreis, ein Vorbereitungskreis für Frauenmessen und ein Kreis, der Krabbelgottesdienste vorbereitet, aktiv. Seit dem Amtsantritt Pfarrer Müllers 1996 sind die KAB, die Caritas und die kfd auch an der Vorbereitung und Durchführung der Kreuzweg-, Mai- und Rosenkranzandachten beteiligt: jeweils freitags in der österlichen Bußzeit, im Mai und im Rosenkranzmonat Oktober gestalten sie abwechselnd die Andachten. Kommunionhelfer und Lektoren aus dem Kreis der Laien wurden in unserer Gemeinde mit Studiendirektor Willy Hane aus Lippstadt sowie Heinz-Martin Brüggemeier, Friedel Erdmann und Wolfgang Marcus erstmals seit den 1970er Jahren eingesetzt. Ebenso ist die Mitarbeit von Laien bei der Kommunion- und Firmvorbereitung mittlerweile selbstverständlich.

Erneuerung der Liturgie

  • a) Hier ist aus den Anfängen besonders das Engagement von Vikar Heinrich Stemmermann (1963 – 1966) zu nennen. Er sorgte unter anderem dafür, dass in die (alte) Pfarrkirche zunächst einmal eine Lautsprecheranlage installiert wurde (1964) und wenig später auch ein Zelebrationsaltar (1966) 7, wenngleich Pfarrer Becker weiterhin – mit dem Rücken zum Volk – am Hochaltar zelebrierte. Hier wird deutlich, dass fortan eher der Mahlcharakter am „Tisch des Herrn“ im Mittelpunkt stand.
  • b) Weitere Stichworte sind: Einführung der Handkommunion, Verwendung deutscher Texte im Hochgebet und anderen liturgischen Teilen, stärkere Einbindung von Laien usw. Immer wieder wurden und werden auch neue gottesdienstliche Formen ausprobiert und weiterentwickelt, vom Jugendgottesdienst mit Musikbands über Bußgottesdienste bis hin zu musikalischen Meditationen („5 nach 5″) und den schon traditionellen Frühschichten der Pfadfinder in der österlichen Bußzeit. Mit Beginn der Adventszeit 1975 löste das neue Einheitsgesangbuch „Gotteslob“ das alte „Sursum corda“ ab. Das „Gotteslob“ erhielt im Advent 1998 einen Anhang mit weiterem traditionellem und neuem Liedgut, die Texte teilweise aktualisierte Fassungen. Schon 1978 erstellte der damalige Pfarrgemeinderat ein eigenes Liederbuch mit neuerem religiösem Liedgut, ein „Klassiker“ in der Gemeinde ist seitdem sicherlich das „Halleluja“ von Taizé. Schon kurz nach der Amtseinführung von Pfarrer Müller 1996 wurde das „Schwerter Liederbuch“ für Familien- und Jugendgottesdienste angeschafft.
  • c) Neue Gottesdienste zu besonderen Anlässen und zu ansprechenderen Zeiten kamen hinzu: So führte Pfarrer Gersmann 1966 das Jahresschlusshochamt zu Silvester mit Jahresrückblick und sakramentalem Segen ein, im Mai 1967 erstmals wieder Maiandachten. Im Mai 1969 wurde die Abendmesse vom Sonntag auf den Samstag vorverlegt. Am Heiligen Abend 1977 fand erstmals um 15 Uhr eine Kinderchristmesse statt, die bis heute zum festen Bestandteil der Gottesdienste zu Weihnachten gehört. Seit 1983 gibt es in der Fastenzeit jeweils dreimal mittwochs um 6 Uhr morgens eine religiöse Frühschicht, die von einem Kreis junger Erwachsener ins Leben gerufen wurde und ab 1985 von den Georgspfadfindern gestaltet wird.
  • d) Erwähnt werden muss sicherlich auch die Anschaffung der neuen Orgel, die im Februar 1996 feierlich in Dienst gestellt wurde. Sie ist ein Werk der Rietberger Firma Speith. Unsere Organisten tragen nicht unerheblich dazu bei, dass die Gottesdienst durch die „Königin der Instrumente“ eine oft mit Worten nicht zu erreichende Tiefe ermöglichen.

Erneuerung der Sakramentenpastoral

  • a) Bei der Vorbereitung auf die Taufe werden die Eltern vor allem im Rahmen von Taufgesprächen auf die Verpflichtung und das Versprechen hingewiesen, ihr Kind im Glauben zu erziehen und das Familienleben aus dem Glauben zu gestalten. Seit dem 10.April 1970 traten in unserer Gemeinde an die Stelle der Einzeltaufen die Tauffeiern. Erst zwei Mal waren bisher Eltern bereit, ihr Kind im Rahmen eines Gottesdienstes taufen zu lassen. So wurde noch deutlicher, dass der Täufling Aufnahme in die glaubende und feiernde Gemeinschaft erfährt, die ihrerseits damit klar deutlich machen kann, die Eltern und Paten bei der Erziehung aus dem Glauben zu unterstützen.
  • b) Die Vorbereitung auf das Fest der ersten heiligen Kommunion, das immer am „Weißen Sonntag“ eine Woche nach Ostern gefeiert wird, erfolgt seit Herbst 1993 durch Katechetinnen („Tischmütter“) und Katecheten, die sich über mehrere Wochen regelmäßig mit einer Kleingruppe von Kommunionkindern treffen. Dabei arbeiten die Gruppen mit einer kindgerechten Arbeitsmappe. Begleitet wird die Gruppenarbeit durch den „Kommunionunterricht“ im schulischen Religionsunterricht sowie im Rahmen der „Seelsorgestunde“, die der jeweilige Pfarrer einmal in der Woche im dritten Schuljahr hat. Eingeschlossen ist hier die Vorbereitung auf die Erstbeichte, die zumeist kurz vor Weihnachten liegt (siehe c). Vor 1993 lag die Vorbereitung auf die Kommunion allein beim Pfarrer und den Religionslehrern. Seit 1996 ist es üblich, dass zum Auftakt zur Kommunionvorbereitung die Kommunionkinder eines Jahrganges sich im Rahmen eines Familiengottesdienstes im Herbst der Gemeinde vorstellen. Zum Abschluss der Kommunion findet eine Radtour oder Ähnliches statt. Im Jahre 2000 war diese zum Beispiel am 20. Mai, verbunden mit einer Teilnahme am Familiengottesdienst und anschließendem Grillen auf dem Hof Hoppe-Kloßebaum.
  • c) Die Vorbereitung auf das Bußsakrament (1.hl. Beichte) erfolgt bis heute im Rahmen der Kommunionvorbereitung. Vor dem Weißen Sonntag ist der zweite Beichttermin. Ein weiterer Beichttermin liegt darüber hinaus noch vor der Firmung. Hinzugekommen ist etwa seit den 1970er Jahren auch die Form des Bußgottesdienstes. Für viele Mitglieder auch unserer Gemeinde ist das – wenn überhaupt – die einzige Form organisierter Buße, denn „die persönliche Beichte ist praktisch tot in Bad Westernkotten,“ so Pfarrer Müller im Familiengottesdienst am 3.12.2000.
  • d) Erstmals 1977 ist die Vorbereitung auf die Firmung in Kleingruppen erfolgt, die von erwachsenenen Gemeindemitgliedern bzw. Pfadfindergruppenleitern geleitet wurden. Dahinter stand und steht der Gedanke, die Firmung als einen bewußten Akt der Entscheidung, für ein Leben aus dem Glauben und unter Führung des Geistes Gottes, zu betonen und so einen klaren Schritt von der Volks- zur Entscheidungskirche zu gehen. Die Gruppenarbeit stand dabei eindeutig unter einem projektorientierten Ansatz: In einer Gemeinschaft, in der jeder seine ihm von Gott gegebenen Geistes-Gaben einsetzt, sollten Fragen und Probleme der Gemeinde aufgegriffen und einer Lösung näher gebracht werden. Wie mühsam, aber auch wie bereichernd es für die ersten Gruppenleiter war, diesen Schritt zu gehen, ist in der Ausgabe des „GiG“ vom Dezember 1979 nachzulesen. Dort kann man auch entnehmen, dass es bei den ersten Projekten unter anderem um eine Solidaritätsaktion für Vietnamesen, die Vorbereitung und Teilnahme am Pfarrfest sowie den Kontakt mit dem Jugendwerk Rietberg ging. – Seit dem Amtsantritt Pfarrer Müllers Anfang 1996 wird die Firmvorbereitung mit einem Wochenende in einem Tagungshaus in Brilon-Rösenbeck eröffnet. Hier werden in kompakter Form wesentliche theologische Aspekte der Firmung behandelt und ein Miteinander im Geist und in der Kraft Gottes eingeübt. In den anschließenden Wochen bis zur Firmung engagieren sich die Firmbewerber im Rahmen einer Projektgruppe auf die eine oder andere Weise für die (Pfarr-)Gemeinde; so nahmen Firmgruppen schon mehrmals an der Aktion „Saubere Feldflur“ teil, eine andere erstellte einen kleinen Kirchenführer, wieder eine andere einen Blumen- und Sägemehlteppich für die Fronleichnamsprozession. Leider ist festzustellen, dass für viele Firmbewerber nach der Firmung die Bindung an die Kirchengemeinde nicht sehr eng ist. Leben aus dem Geist Gottes heißt aber auch: Stärkung der Gemeinde!
  • e) Auch die Vorbereitung auf das Sakrament der Ehe wird spätestens seit dem 2.Vaticanum in unserer Pfarrgemeinde als Hilfe zu einer verantwortlichen Partnerschaft in gegenseitiger Treue und Respekt verstanden. So wie Gott die Menschen bedingungslos liebt, so sollen auch zwei Menschen einander lieben ohne Wenn und Aber. Wenn Menschen in der Ehe diese bedingungslose Liebe erfahren, dann können sie frei werden von Angst, Erfolgsdruck und vielem mehr, ihre schöpferischen Kräfte entfalten und aus der sicheren Geborgenheit der ehelichen Liebe offen werden für die Liebe zu allen Menschen. Ein wichtiges Angebot stellt in diesem Zusammenhang das Eheseminar dar, das seit Jahren von der Familienbildungsstätte in Lippstadt durchgeführt wird.
  • f) In der Amtszeit Pfarrer Gersmanns ist sporadisch in der Chronik von einem Krankentag die Rede. Ziel war und ist es, weg zu kommen von der sog. „Letzten Ölung“. Vielmehr soll die Krankensalbung als Stärkung und Erneuerung der Zusage Gottes in Krankheit und Alter verstanden und erfahren werden. Mit der Amtseinführung Pfarrer Müllers 1996 wurde dieses neue Verständnis noch deutlicher in den Mittelpunkt gestellt: Am 7.Mai 1996 gestalteten Pfarrer Müller und die Caritas zum ersten Mal in seiner Amtszeit einen Krankentag für die Gemeinde. Mehr als 70 alte, kranke und pflegebedürftige Menschen folgten der Einladung und empfingen die Krankensalbung. Seitdem findet der Krankentag jährlich statt, wobei auch die älteren Menschen in den beiden Seniorenheimen und im „Haus Westerntor“ besonders einbezogen werden. – Heute wie früher bildet aber auch die Begleitung der Sterbenden einen wichtigen Teil der Seelsorge in unserer Gemeinde. Pfarrer Müller erläuterte in einem Gespräch am 23.11.2000: „Wichtig ist zunächst einmal zu erwähnen, dass die Mitglieder unserer Caritas monatliche Krankenbesuche im Krankenhaus und teilweise auch zu Hause machen. Auch ich besuche regelmäßig etwa 40 Alte und Kranke, die nicht mehr zur Kirche kommen können und bringe ihnen die heilige Kommunion. Wenn jemand schwer erkrankt ist, mache ich die Besuche in kurzen Abständen und wenn der Kranke es will, spende ich die Krankensalbung. Zusammen mit der Caritas, manchmal auch den Nachbarn oder dem Hospizkreis kümmern wir uns auf Wunsch auch um die Begleitung eines Sterbenden, auch nachts. – Ganz wichtig ist uns in diesem Zusammenhang die Begleitung der Hinterbliebenen, wobei wir in schwierigen Lagen auch schon Mal auf „professionelle Hilfe“, etwa Trauergruppen, hinweisen.“
  • g) In die Zeit nach dem 2. Vaticanum ist die Zahl der Priester im Erzbistum Paderborn leider immer weiter zurück gegangen. Um so mehr hat sich die Gemeinde über die Priesterweihe von Cosmas Laumanns OFM gefreut. Die Heimatprimiz fand unter großer Beteiligung der Bevölkerung am Sonntag, dem 2. August 1970, statt, die Priesterweihe selbst am 1.8. in der Franziskaner-Basilika in Werl. Jeden ersten Donnerstag im Monat („Priesterdonnerstag“) hat Pfarrer Gersmann eine besondere Messe für Priester und Ordensleute gehalten. Am anschließenden Freitag wurde nach dem morgendlichen Gottesdienst immer das Allerheiligste in der Monstranz ausgesetzt und nach der Herz-Jesu-Litanei oder einem anderen Herz-Jesu-Gebet der sakramentale Segen gespendet. Weitere Primizfeiern in unserer Gemeinde – allerdings nicht von Gemeindemitgliedern – waren 1987 die von Heribert Ferber, dem Sohn des damaligen Schulleiters aus Bökenförde, sowie des Jesuitenpaters Gundolf Kraemer am 24. April 1994. Die Eltern von Gundolf Kraemer waren 1988 von Berlin nach Bad Westernkotten gezogen.

 

Ökumenischer Aufbruch

Bereits seit dem 19. Jahrhundert wuchs im Raum der evangelischen Kirchen die Bereitschaft zur Einigung. So bildete sich bereits 1855 der Christliche Verein junger Männer (CVJM), 1877 der Reformierte Weltbund und 1948 der Ökumenische Rat der Kirchen, ein Zusammenschluss praktisch aller christlichen Kirchen mit Ausnahme der römisch-katholischen Kirche. Die Pioniere der ökumenischen Bewegung luden die katholische Kirche zwar mehrfach zur Mitarbeit ein, es kam aber nur zu sporadischen Kontakten. Bis 1959 nahm Rom zum gesamten Prozess der Ökumene eine eher ablehnende Haltung ein. Beispielhaft sei dafür aus einem päpstlichen Rundschreiben des Jahres 1928 zitiert: „Es gibt nämlich keinen anderen Weg, die Vereinigung aller Christen herbeizuführen, als den, die Rückkehr aller getrennten Brüder zur einen wahren Kirche Christi zu fördern, von der sie sich ja einst unseligerweise getrennt haben …Zum Apostolischen Stuhl also … mögen die getrennten Söhne kommen, nicht in der Absicht und Hoffnung, die Kirche des lebendigen Gottes, die Säule und Grundfeste der Wahrheit, werde die Reinheit ihres Glaubens aufgeben und Irrtümer dulden und zulassen, sondern im Gegenteil, um sich ihrem Lehramt und ihrer Fügung zu überlassen.“8

Mit der Einberufung des II. Vatikanischen Konzils durch Papst Johannes XXIII. begann ein neuer Abschnitt in der ökumenischen Bewegung. So wurde Pfingsten 1960 das „Sekretariat zur Förderung der Einheit“ errichtet. In zahlreichen Texten hat das II. Vatikanum auf die ökumenische Bewegung Bezug genommen.

Dies hat auch seinen Niederschlag in unserer Gemeinde gefunden. Erinnert sei nur an die Zusammenarbeit im Bereich der Kurseelsorge, die zahlreichen gemeinsamen Pfarrfeste und etwa den gemeinsam von evangelischen und katholischen Frauen seit Jahren durchgeführten Weltgebetstag für den Frieden. Näheres zum Ökumenegedanken in unserer Pfarrei in dem Beitrag von Maria Richter.

 

Engagement für Mission und Entwicklung

„Wegen der universalen Geltung der Erlösung in Jesus Christus und der gleichweiten Bestimmung der Kirche von Jesus Christus her hat die Kirche Pflicht und Recht zur „Mission“, d.h. zur freien, den freien Glaubensgehorsam der Menschen anrufenden Predigt des Evangeliums als verständlicher Wahrheit und als konkreter Liebe unter allen Völkern und in allen geschichtlichen Situationen…Die Gnade Gottes … will von ihrem eigenen Wesen her humanisierend, friedensstiftend und kirchenbildend sein.“9 Schon aus diesem Zitat wird deutlich, dass Mission heute nicht nur Glaubensweitergabe sondern auch gelebte Solidarität bedeuten muss.

Auch schon vor dem 2. Vatikanischen Konzil war unsere Gemeinde in der Missionsarbeit aktiv. So entstand bereits 1914 ein Franziskus-Xaverius-Verein, dessen Ursprung auf eine Initiative aus dem Jahre 1822 in Lyon zurückgeht, die in Deutschland erstmals 1842 durch den Aachener Arzt Dr. Hahn und die Gründung des genannten Vereins umgesetzt wurde.10 Unter dem Motto „Kleine Beiträge, aber von vielen; ein tägliches kleines Missionsgebet, aber von Millionen“ gelang es auch in Westernkotten etwa 50 Anhänger für dieses Werk zu gewinnen, die jährlich einen kleinen Geldbetrag für Missionsarbeit abgaben. Der Verein ist durch Mitgliedslisten für die Jahre 1914, 1917 und 1918 in den Pfarrakten belegt.11 Der Franziskus-Xaverius-Verein wurde 1922 im Rahmen einer Neuordnung landesweit in das „Päpstliche Werk der Glaubensverbreitung“ überführt. Auf dessen Anregung wird – auch in Westernkotten – seit 1926 der Weltmissionssonntag gefeiert.12 Seit 1971 heißt das Päpstliche Werk „Missio“ (=Sendung).

Schon kurz vor dem II. Vatikanum wurden in der Bundesrepublik zwei weitere Werke gegründet: 1959 Misereor und 1961 Adveniat, 13 die in den Folgejahren auch in Bad Westernkotten immer deutlicher unterstützt wurden. Misereor (lat. = ich erbarme mich; nach Mt 15,32), das eng mit der evangelischen Aktion „Brot für die Welt“ zusammen arbeitet, tritt besonders durch eine große Spendenaktion in der österlichen Bußzeit und durch die Misereor-Fastenaktion in Erscheinung. In den letzten Jahrzehnten wurde auch in unserer Gemeinde immer wieder das jeweilige Misereor-Hungertuch eingesetzt, etwa bei den alljährlichen Frühschichten. Dabei geht es Misereor – getreu dem Konzil – um Hilfe zur Selbsthilfe, um eine nachhaltige Entwicklung und eine echte Partnerschaft aus christlichem Glauben und nicht mehr eine neokolonial anmutende „Patenschaft“. Nicht zuletzt durch Misereor sind hier auch in unserer Gemeinde deutliche Veränderungen eingetreten. So erinnere ich mich zum Beispiel noch aus meiner Kindheit gut an den schwarzen „Nicke-Neger“ an der Weihnachtskrippe, Symbol der Unterwürfigkeit und des lange Zeit vorherrschenden Verständnisses von Mission und Entwicklungshilfe.

Adveniat (aus dem lateinischen Vaterunser „Adveniat regnum tuum“ = Dein Reich komme) ist eine Hilfsaktion der deutschen Katholiken zugunsten der lateinamerikanischen Kirche. Dank dieser durch das Weihnachtsopfer finanzierten Hilfe kann die Kirche in Lateinamerika ihre dringendsten Aufgaben erfüllen und bleibt unabhängig von den Reichen und Mächtigen dieser Länder. Auch in unserer Gemeinde hat das Adveniat-Opfer seit der Gründung dieser Aktion einen festen Platz im Kalender.

Neben der Unterstützung der drei großen Missionswerke Missio, Misereor und Adveniat gab und gibt es aber in unserer Gemeinde zahlreiche andere Initiativen, die Ausdruck einer gelebten weltweiten Solidarität sind. Ich nenne nur einige:

  • – Die Frauengemeinschaft unterstützte seit Ende 1973 im Rahmen der Patenschaftsaktion „Frauen helfen Frauen“ bis Juli 1991 durch Pakete und Kleiderspenden Pater Schier in Südafrika und die beiden Bad Westernkötter Missionsschwestern Schwester Concetta und Schwester Magdalena. Für die beiden Schwestern wird dem Ende der Paketaktion immer noch das Kollektengeld der monatlichen Gemeinschaftsmessen verwendet. Seit 1998 unterstützen die Frauen einen Witwenprojekt in Ruanda. Die Kontakte laufen über den Franziskanerpater Reinhard Kellerhoff aus Werl.14
  • – Seit 1974 beteiligen sich die Georgspfadfinder mit der Salinenkirmes an der „Aktion flinke Hände, flinke Füße“. Auch ein „Hungeressen“ in der österlichen Bußzeit wurde schon mehrmals von der DPSG durchgeführt.
  • – Die Sternsingeraktion, die 1958 durch das Päpstliche Missionswerk der Kinder in Aachen gegründet wurde, ist in unserer Gemeinde 1975 eingeführt worden. Seitdem sind über diese Aktion viele tausend Mark in die jeweiligen Jahresprojekte geflossen.15
  • – Seit 1980 hat sich der Pfarrgemeinderat bemüht, den Kontakt mit den aus Bad Westernkotten stammenden Ordensleuten in Mission und Entwicklung wieder stärker in den Blickpunkt zu rücken.
  • – Seit April 1984 bis zum Weggang Pfarrer Gersmanns 1996 unterstützte die Pfarrgemeinde Bad Westernkotten durch den Verkauf von Kunstgegenständen (Ebenholzschnitzereien) den Volksstamm der Wamakonde in Tansania/Ostafrika.
  • – Spontane Unterstützungsaktionen bei akuten Notlagen wie Erdbeben oder Wirbelsturmkatastrophen.
  • – Seit der Gründung 1993 wird auch das von den Deutschen Bischöfen auf Anregung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken gegründete Hilfswerk für Osteuropa, Renovabis, vor allem durch die Kollekte zu Pfingsten unterstützt.

 


1 Marcus, Hans-Jürgen, Aspekte einer Praxistheorie kirchlicher Gemeindeberatung, München 1998, S. 43/44

2 Gabriel, Karl, Christentum zwischen Tradition und Postmoderne, Freiburg-Basel-Wien 1992

3 Marcus, wie Anm. 1, S. 47

4 zitiert nach: Homeyer, Josef, Auf neue Art Kirche sein; in: Homeyer, Josef/Steins, Georg (Hg.), Kirche – Postmodern „über-holt“? Erfahrungen und Visionen in einer Zeit des Umbruchs, München 1996, S. 141

5 ebd. S. 142

6 vgl. zum Folgenden auch den Beitrag von Josef  Wieneke zum Pfarrgemeinderat

7 Dieser wird noch heute vor allem beim Lobetagsschlusshochamt auf dem Schützenplatz verwendet

8 Zitiert nach: Brennpunkte der Kirchengeschichte, hrsg. von Herbert Gutschera und Jörg Thierfelder, Paderborn 1976, S.256

9 Rahner, Karl/Vorgrimler, Herbert, Kleines theologisches Wörterbuch, Freiburg, 10. Auflage 1976, Artikel „Mission“

10 Lexikon für Theologie und Kirche, Herder 1957

11 Akte E 3

12 Lexikon für Theologie und Kirche; Stichwort: Glaubensverbreitung, Päpstliches Werk der

13 nach: Grundriss des Glaubens, München (Kösel) 1980, S. 194/195

14 vgl. dazu den Beitrag von Annette Marcus über die kfd.

15 vgl. Marcus, Wolfgang, 1975- 1995: 20 Jahre Sternsinger in Bad Westernkotten; in: Vertell mui watt, Nr. 2, 1995