Lobetagsaltar wird 100 Jahre

Lobetagsaltar und Johannesaltar in Bad Westernkotten vor 100 Jahren aufgestellt  – Ehemalige Altartische wieder am alten Platz –

Bad Westernkotten. Zur großen Freude von Pfarrer Heinz Müller und der ganzen katholischen Kirchengemeinde von Bad Westernkotten konnten in diesen Tagen die Altartische der beiden Seitenaltäre in der Kirche wieder ihren ursprünglichen Platz unter den Altartafeln des Lobetagsaltares und des Johannesaltares einnehmen. Und das genau in dem Jahr, in dem die Altäre 100 Jahre alt werden!

Pfarrer Heinz Müller führte im Gespräch mit unserer Zeitung aus, daß die beiden Altäre seit der Einweihung der jetzigen Kirche recht provisorisch auf Steinquadern ruhten. Die Unterbauten, auf denen die Altäre in der alten, 1976 abgebrochenen Kirche ruhten, fanden damals aus Kostengründen nur einen Platz in der Sakristei der heutigen Kirche, wo sie als Schrank und Kommode dienten. Im letzten Jahr beschloß der Kirchenvorstand nun, die Altarunterbauten komplett überarbeiten zu lassen und dann wieder im Kirchenraum unter den Altären aufzustellen. So wurden die dunkel gebeizten Altartische im Farbton den Altaraufsätzen angepaßt, lediglich Intarsienarbeiten in einem dunkleren Holz bzw. in einem Goldfarbton hervorgehoben. Gleichzeitig wurden die Unterbauten an der Rückseite so angeschrägt, daß sie sich nun exakt in die Nischen des Kirchengebäudes einpassen.

Wolfgang Marcus von den Heimatfreunden erläutert, daß die Altäre in diesem Jahr exakt 100 Jahre alt werden, also 1898 aufgestellt wurden: „Viele Werke in der katholischen Pfarrkirche von Bad Westernkotten stammen von Wiedenbrücker Meistern und sind in den 80er und 90er Jahren des 19. Jahrhunderts dort aufgestellt worden. Die meisten stammen aus der Werkstatt des bekannten Künstlers Anton Mormann (1851-1940). Der Lobetags- oder Marienaltar wurde am 8. Januar 1898 errichtet und kostete 1200 Mark (Altar: 600, Marienrelief 500, Polychromie/Farbgebung: 100 Mark). Nach den Angebotsbüchern  von Mormann hat die Werkstatt Mormann das Relief geschnitzt, die Polychromie besorgte die Firma Goldkuhle, und den Altar selber fertigte wahrscheinlich Schweppenstedde.

Der Altar zeigt Maria als Schutzmantelmadonna, wie sie die Pestgeschädigten in Westernkotten im Jahre 1635 unter ihren Schutz nimmt. Die Spruchbänder über und unter der Muttergottes lauten in der Übersetzung „O Mutter, führe deine Westernkötter“ und „Ich will euch behüten, meine Westernkötter.“

Bereits am 1. August 1898 wurde der von den gleichen Künstlern gefertigte Altar des hl. Johannes, des Kirchenpatrons, aufgestellt. 9 aus Westernkotten stammende Lehrerinnen hatten ihn gestiftet. Er steht im ersten Joch an der linken Außenseite der Kirche. Er zeigt den Evangelisten Johannes auf der Insel Patmos, auf einem Stein sitzend, mit geöffnetem Buch und Federkiel. Im Buch ist Vers 4 aus dem 1. Johannes-Brief in lateinischer Sprache zu lesen. Die Übersetzung lautet: „Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott.“ Über Johannes ist ein Adler zu sehen, der sich über die Erde erhebt und dem Licht zustrebt. Im Schnabel ein wehendes Spruchband ebenfalls mit lateinischer Inschrift, dem Eröffnungsvers des Johannes-Evangeliums: „Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.“

Ende des vorigen Jahrhunderts wurden zahlreiche Anschaffungen für die Kirche in Westernkotten getätigt. Alle Aktivitäten sind auch im Zusammenhang mit dem Bestreben zu sehen, daß die Bad Westernkötter Vikarie sich von der Mutterpfarrei Erwitte abpfarren wollte.

Bedeutsam für die Gemeinde war unter anderem, dass unter dem Erwitter Pfarrer Dr. Xaver Schulte, dem späteren Generalvikar des Bistums Paderborn, 1882/83 die Kapelle nach Osten um ein Joch und die Apsis erweitert wurde. Ein Kreuzgewölbe ersetzte das bisherige hölzerne Tonnengewölbe, Anbauten südlich und nördlich des Turmes kamen hinzu. Die Einsegnung der neugestalteten Kirche erfolgte am 17.12.1883. Diese gewaltigen Umbauten haben dann auch eine Neugestaltung der Inneneinrichtung nötig gemacht. So wurde Weihnachten 1884 der Hochaltar feierlich eingeweiht. Unter dem neuen Vikar Heinrich Diemel, dem am 3. Februar 1890 die Vikarie Westernkotten übertragen worden war, ging die Neugestaltung der Innenausstattung weiter.

Für den Hochaltar bestellte die Gemeinde 1891 einen steinernen Altartisch.

Nachdem 1891 die Kirchenbänke von hiesigen Handwerksmeistern gefertigt und 1892 drei Hochaltarfenster angebracht und eine Kommunionbank vom Schlosser Flithoff aus Münster aufgestellt worden waren4 , ging es 1892 an die Aufstellung einer Kanzel. Diese wurde vom Wiedenbrücker Altarbauer und Ornamentiker Heinrich Schweppenstedde geliefert und am 26. Juni 1893 aufgestellt.

Am 18. März 1894 kam das Generalvikariat in Paderborn dem Streben der Westernkötter nach Eigenständigkeit weiter entgegen, es erlaubte die Taufe von Kindern in der hiesigen Kapelle. So mußte ein neuer Taufstein her, der nicht aus Wiedenbrück, sondern vom Marmorwerk Allagen bestellt und am 22. April 1894 zum ersten Mal benutzt wurde. Im Juni 1894 malte der Wiedenbrücker Meister Gerorg Goldkuhle das Herz-Jesu-Bild, das heute in der Seitenkapelle der neuen Pfarrkirche hängt. Unten rechts sind der Name des Künstlers und das Anfertigungsjahr zu lesen.Am 21. September 1895 verließ Vikar Diemel Westernkotten. Unter seinem Nachfolger Clemens Bernhard Becker machte die Einrichtung der Kirche weitere Fortschritte. Dabei waren es wieder Werke von Wiedenbrücker Künstlern, die besondere Akzente setzten. Besonders das Jahr 1898 hat durch die Aufstellung des Marienaltares und des Johannesaltares wesentliche Fortschritte für die Inneneinrichtung gebracht.

Erst im Jahre 1902 gelang es, die kath. Kapellengemeinde Westernkotten endlich zu einer selbständigen und eigenständigen Pfarrei zu machen. Es ist erfreulich, dass die meisten der schönen Kunstwerke der alten Wiedenbrücker Meister aus der alten Kirche auch wieder Platz in der neuen, 1976 errichteten Kirche gefunden haben und nun durch die Restaurierung und Einpassung der Unterbauten der Seitenaltäre weiter verschönert wurden.“

W. Marcus

 

 


4 Die eine Hälfte dieser alten Kommunionbank wurde vom hiesigen Schlossermeister Franz Wenner überarbeitet und befindet sich heute im kath. Pfarrhaus, wo sie als Balkongeländer dient. Die andere Hälfte wurde ca. 1965 leider „entsorgt“;mdl. Mitteilung von Pfarrer i.R. Norbert Gersmann am 1.3.1997