50 Jahre Solbad (von Bloh)

[aus: Vertell mui watt, 2009]

50 Jahre   „Bad“ Westernkotten

von Rolf von Bloh

Grußwort aus Anlass des Festaktes mit Minister Dr. Ingo Wolf am 21.6. 2008 in der Kurhalle Bad Westernkotten

 

Ich freue mich, dass ich sowohl als Geschäftsführer  der „Solbad“, dem zentralen Kurortunternehmen in Bad Westernkotten, als auch als Geschäftsführer unserer „Bäderholding“ mit den drei Gesellschaften in Bad Sassendorf, Bad Waldliesborn und in Bad Westernkotten, eben der Solbad, aber auch als Vorsitzender des NRW-Heilbäderverbandes und Präsidiumsmitglied des Deutschen Heilbäderverbandes Grußworte sprechen darf. Von allen Organisationen darf ich zum 50jährigen herzlich gratulieren und die besten Wünsche für erfolgreiche weitere lange Jahre übermitteln.

 

Kleiner Exkurs in die Heilbädergeschichte

Ein Heilbad – und „Heilbad“ ist die bundesweit  höchste Prädikatisierungsstufe – wird 50.

Das ist an sich kein Alter, wenn man bedenkt, wie lange die Menschheit die natürlichen Möglichkeiten, die unsere Erde bietet, bereits für gesundheitliche Zwecke nutzt. Bereits die Griechen haben Leiden, oftmals durch die kriegerischen Auseinandersetzungen hervorgerufen, mit den Möglichkeiten der Erde (Schlämme, Peloide), des Wassers (Sole, Schwefel) und der Luft zu lindern versucht. Die Römer haben die Verfahren weiterentwickelt, hier tauchten schon Begriffe wie Therme, Baden etc. im Sprachgebrauch auf. Und sie haben diese Kultur in die besetzten Länder gebracht.

 

Um es zu abzukürzen: das Baden, Genesen, Entspannen, Abnehmen, Wohlfühlen und   Genießen wurde in den vergangenen Jahrhunderten i. d. R. zu einem gesellschaftlichen Ereignis, das nur wenigen Privilegierten vorbehalten war. Die einfache Bevölkerung war unbeteiligt.

Es gab auch nur wenige Bäder, wie Bad Pyrmont, Bad Kissingen, Bad Ems – die Emser Depesche wird bekannt sein – oder Baden-Baden,  um nur einige zu nennen.

Diese Einrichtungen wurden im Übrigen in und nach den Kriegen zur Versorgung der Kriegsversehrten genutzt. Hieraus entwickelte sich ein System, das insbesondere zur Versorgung eben der Kriegsversehrten und der  gesundheitlich durch den 2. Weltkrieg arg gebeutelten Bevölkerung – die Bezeichnung „Trümmerfrauen“ passt in dieses Bild – dienen sollte und das staatlich entwickelt und gefördert wurde.

Es entstanden Heilbäder und Kurorte, immer dort, wo bereits Sole nach oder neben der Salzgewinnung schon zu Heilzwecken genutzt wurde oder wo bereits Kinder zur Erholung betreut wurden.

Kurorte im Wandel

Der Kurort war, ist und wird es auch weiterhin bleiben, ein Konglomerat von vielen verschiedenen Maßnahmen und Ereignissen: Kurpark – Park – Kurmittelhaus –          Gesundheitszentrum – Kurveranstaltungen – Events – Kurärzte – Ärztehaus – Kurdirektor –                 Tourismusleiter – Kurverwaltung – Tourist-Office – Pensionen – Hotels und Restaurants u.v.a.m.

An vorderster Stelle steht aber das „Bad“: Ein Gütewertzeichen, ein Prädikat und ein Qualitätssiegel von höchstem Rang, das staatlich verliehen wird. Und hierauf sind wir stolz, auch wenn viele Teile (modernistische oder aktionistische) in der Gesellschaft, also auch in der Politik, diese Begrifflichkeit tradiert finden. Das mag sein und ist wohl auch so, aber deswegen kann man inhaltlich erneuern und sollte in der Bevölkerung bekannte und nach wie vor positiv besetzte Begriffe beibehalten.

Das medizinische System in Heilbädern entwickelte sich

– von der ambulanten Badekur

– zur Badekur mit Unterbringung in Heimen

– zu Sanatoriumskuren

– Rehabilitation in Kurkliniken

– stationäres Heilverfahren in Rehakliniken

– Kompaktkuren hin zu

– Anschluss-Reha nach OP und Unfällen.

In den Heilbädern folgt man natürlich auch dem Megatrend Gesundheit mit Produkten wie

Prävention, Betriebliches Gesundheitsmanagement, Wellness  (in allen Ausgestaltungen),

Anti-aging, Beauty , Body usw  usw  usw. – Warum? – Weil die vielen Reformversuche im deutschen Gesundheitswesen insbesondere in unserer Branche erhebliche Einbrüche verursacht haben, die alle Heilbäder getroffen haben, so auch uns.

 

Wie entwickelte sich Bad Westernkotten und die Solbad und wie geht es weiter?

Es gäbe unendlich viele Daten zu vermitteln und Geschichten zu erzählen, aber das würde diesen Rahmen sprengen und, wie ich befürchte, den einen oder anderen langweilen.

Dennoch ganz kurz die Entwicklung: Wie in anderen Bädern auch wurde bekanntlich aus der  Sole Salz, das weiße Gold, gewonnen machte wenige reich, aber gab vielen Arbeit.

Im 19. Jh. wurde fast überall, so auch bei uns, zaghaft die Sole schon zu Heilzwecken  genutzt, sie tat einfach gut und linderte z. B. Rheumabeschwerden.

Fast überall, so auch bei uns, wurde nach dem 2. Weltkrieg die Salzgewinnung eingestellt und auch hier wurde gleich eine Kurgesellschaft, die Solbad Westernkotten GmbH, gegründet. Bereits 1958 wurde die staatliche Anerkennung verliehen, schon 1960 wurde Moor gewonnen und zu Heilzwecken genutzt; und 1975 nach Änderung der Kurortegesetzgebung die Anerkennung als Moor- und Mineralheilbad verliehen.

In den Folgejahren wurde wie allerorts im Vertrauen auf die Verlässlichkeit der Gesundheitspolitik heftig investiert. Es entstanden Kurmittelhaus, Moor- und Solebadehaus, Hellweg-Sole-Thermalbad, Kurpromenade, Saunaanlage, drei Kliniken, weitere Therapieeinrichtungen wie das OZ u.v.a.m.; die Gradierwerke und die Kurhalle wurden erneuert, der Kurpark ausgebaut…

Nach der Reform 1997 stand man vor der Frage, entweder Rieseninvestitionen im Wellnessbereich zu tätigen – dann unter teilweisem Rückbau des Heilbades – oder zu konsolidieren. Ersteres konnte aber nicht finanziert werden, deshalb stand Konsolidierung an. Das ist immer sehr, sehr schwer, aber wir haben es gemeinsam geschafft und konnten behutsam mit Blick auf Markterfordernisse bereits leichte Anpassungen der „Produktlinien“ vornehmen, obwohl auch immer wichtig war, den seit langem bestehenden Sanierungsstau abzubauen. – Bad Westernkotten konnte und kann sich am Markt behaupten!

 

Wichtig ist

  • dass mit den „neuen“ Organisationseinheiten wie dem Verkehrsverein ein neuer Leistungsträger entwickelt wurde, der kurverwaltungstypische Aufgaben wie Parkpflege, Veranstaltungen, Touristoffice, Marketing etc. professionell wahrnimmt
  • eine gute Zusammenarbeit mit und Unterstützung durch die Belegenheits-Kommune. Ich weiß, dass das nicht immer einfach ist, aber die Verlässlichkeit ist lobenswert, sie hängt, lieber Herr Bürgermeister Fahle, immer von handelnden Personen ab.
  • auch eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Klinikbetreibern.
  • dass sich jeder Teilnehmer seiner Stärken besinnt, nicht in fremden Revieren wildert und mit einem professionellen Angebot den Ort, den Kurort, stärkt.
  • dass die Solbad, also die örtliche Kurortunternehmung, ohne deren Existenz Bad Westernkotten die staatliche Anerkennung verlieren würde, ihre originären Aufgaben,   insbesondere Therapie, insbesondere ortstypische Heilmittel Sole und Moor, Thermalbad und Sauna Wellness und Prävention wahrnehmen kann und – dies ist ein Appell an die Verantwortungsträger im Ort –  deren Ausbau nicht dadurch gehindert oder vielleicht sogar unmöglich gemacht wird, dass nun einige Anbieter im Ort meinen, kurzfristig sich in Marktsegmente zu begeben, deren Domäne eigentlich die Solbad ist.

Ausblick  

Wohin geht der Weg eines Heilbades wie dem unsrigen? Das Land hat aktuell das Kurortegesetz ein wenig den Bedürfnissen angepasst und wird dies weiterhin behutsam tun müssen bzw. wollen. Das Land wird, wenn es zu seinen Heilbädern steht, wie oftmals betont wurde, die Heilbäder begleiten müssen, auch finanziell mit Projektförderung, wie es in anderen Bundesländern üblich ist. Das geht aber nicht wie früher, sondern muss natürlich auch den neuen Bedürfnissen angepasst geschehen.

Hierzu hat die Landesregierung, wie ein paar andere Bundesländer auch, leider Bayern, Baden-Württemberg und Hessen nicht, eine vergleichende Heilbadanalyse unter „gesundheits“ touristischen (leider noch zu sehr touristiklastigen) Aspekten durchführen lassen. Die Ergebnisse werden in allen teilnehmenden Heilbädern, natürlich auch hier,  diskutiert und daraus werden allerorts Maßnahmen abgeleitet. Das ist gut so.

Diese Untersuchung wird sicherlich nach einer angemessenen Zeit wiederholt werden müssen und danach wird das Land in Anlehnung an ein Ranking, wie in Niedersachsen praktiziert,  die Heilbädern projektorientiert, also nicht mehr mit der Gießkanne, unterstützen.  Warum sollte es sonst eine solche Untersuchung geben? – Denn alle notwendigen Investitionen, um ein Heilbad zu einem modernen Gesundheitszentrum, zu einer modernen Gesundheitsoase, umzustrukturieren, können die Kommunen, die ja Träger eines Heilbades und Gesellschafter von der jeweiligen  Kernunternehmen sind, nicht schultern.

Die Heilbadunternehmungen sowieso nicht, da sie wegen den erzielbaren Preisen, die staatlich geregelt sind und somit keinem freien Markt unterliegen, Herr Minister, hierzu nicht in der Lage sind.

Es gibt also auch nach 50 Jahren viel zu tun, packen wir es gemeinsam an. Die Solbad wird aktuell ihr Leistungsangebot um ein nicht gerade kleinen Wellnessbereich erweitern und hierbei wird das natürliche Heilmittel eine besondere Rolle spielen. Sie wird weiterhin in die Modernisierung und Neuausrichtung ihrer Einrichtungen investieren, den Moorbereich technisch und thematisch verbessern und stärken. Dies alles mit einer guten Marktkenntnis und im Vertrauen darauf, dass andere konkurrierende Produkte weder von den Klinikbetreibern noch von den Gastgebern aufgebaut werden, denn das verträgt Bad Westernkotten nicht und würde niemandem helfen, sondern den Ort auf Dauer schwächen.

Die Solbad wird auch in Energieoptimierung investieren  „müssen“, da bei den steil steigenden Kosten dies eine überlebenswichtige Strategie sein wird.

Der Gesundheitsmarkt ist in Bewegung, nichts oder nicht viel wird so bleiben, das Rad wird sich schneller drehen, die Veränderungen immer hektischer sein, es ist sehr spannend. Eine Chance wird aber nur der haben, der sich nicht nur den veränderten Rahmenbedingungen anpasst, sondern die Veränderungen von morgen jetzt schon kennt und daraus die notwendigen Entscheidungen trifft/treffen kann. Wenn wir alle hier im Ort dies erkennen, wird mir um die nächsten 50 Jahre nicht bange. Ich bin da sehr optimistisch.

Mit einem passenden Zitat des italienischen Schriftstellers Giovanni Guareschi (1908 – 1968; Vater von Don Camillo und Peppone) möchte ich enden: „Sobald ein Optimist ein Licht erblickt, das es gar nicht gibt, findet sich ein Pessimist, der es ausbläst.“ – Vielen Dank!