Erbsälzerfamilien, Geschichte

Zur Geschichte der Westernkötter Erbsälzerfamilien

Von Wolfgang Marcus, Bad Westernkotten

Über Jahrhunderte haben in der Salzindustrie von Westernkotten die sogenannten Erbsälzer eine große Rolle gespielt. An anderer Stelle habe ich bereits Ausführungen zur Erblichmachung der Salzberechtigungen in Westernkotten Ausführungen gemacht und darauf hingewiesen, dass spätestens 1663 alle Sälzer in Westernkotten Erbsälzer waren.[1] An anderen Salinenstandorten in der näheren Umgebung geschah das in der Regel bereits früher.[2] In diesem Beitrag soll es überblicksartig um die Erbsälzerfamilien gehen, in deren Händen die Salinenanteile in den letzten etwa 200 Jahren lagen, sowie um die Erbsälzer als Kollegium und sodann die Auflösung des Erbsälzertums in Westernkotten. Eine detaillierte Würdigung der einzelnen Familien im heimischen Schrifttum steht noch aus.

 

1. Die einzelnen Erbsälzerfamilien

 

1.1. Die Familie von Landsberg

 

Die Familie von Landsberg ist bergisch-märkischer Herkunft. Anfangs nannte sich das Geschlecht „von Werden“, weil es in Diensten der Reichsabtei Essen-Werden stand. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts wurde Philipp von Werden Burgmann auf dem Schloß Landsberg bei Kettwig an der Ruhr. Seitdem nennt sich die Familie „von Landsberg“.In der Nähe von Erwitte erscheint das Geschlecht im Jahre 1303. Wahrscheinlich ist sie durch Einheirat in die adlige Familie „von Erwitte“ an ihren ersten Landbesitz gekommen.1503 teilen die beiden Söhne Wessels von Landsbergs (1388-1456), Bernd (1453-1505) und Heinrich (1453-1503) die Güter. Da Bernd nur eine Tochter hatte, die sich mit Freund von Droste zu Schweckhausen verheiratete, kamen seine Besitzungen an die adlige Familie „von Droste“ in Erwitte. Heinrich von Landsberg setzte die Linie im Mannesstamm fort.Im 16.und 17. Jahrhundert treten dann die kraftvollsten Gestalten aus dem HausLandsberg in Erwitte auf. Vor allem Dietrich von Landsberg (1618-1683) ist hier zu nennen, der als Landdroste von Westfalen über 30 Jahre die höchste Verwaltungsstelle des Herzogtums bekleidete. Für die Familie sorgte er durch die Einrichtung eines „Fideikommisses“ dafür, daß die bis dahin erworbenen Güter zu einer unauflöslichen und unteilbaren Einheit zusammengeschlossen wurden. [nach Herberhold, 1936, S.190-220] Herberhold führt weiter aus: „Dietrich von Landsberg hatte auch großes Interesse an den Salzwerken zu Westernkotten“[ebd. S.194], irrt aber mit seiner Behauptung, dass bereits unter Dietrich von Landsberg „der Hauptteil an den Salinen an sein Haus kam.“[ebd. S.194]

 

Abb.1.: Das Schloss der Familie von Landsberg in Erwitte

Nach den Aufzeichnungen des von Landsbergischen Rentmeisters Ignatz Köhler von etwa 1840 waren nämlich „in früheren Zeiten“ , das heißt etwa 1775, die 15 Pfannenanteile der Saline Westernkotten auf folgende Eigentümer verteilt:

  • von Schade /später von Papen                     4 Anteile
  • von Landsberg                                           3
  • Bredenoll                                                  1
  • Jesse                                                        1
  • Loeper                                                      5/6

zusammen  9  5/6 Anteile

Diese 5 blieben alle bis ins 20. Jahrhundert Eigentümer am Salzwerk.Darüber hinaus werden genannt:

  • Kloster Liesborn                                                 1
  • Poelmann                                                        1/3
  • Haus Füchten                                                     1
  • von Korff                                                            1
  • von Hoerde                                                         ½
  • von Bocholz                                                        ½
  • Vernholz                                                           1/3
  • Stromberg                                                        1/3
  • Dirks                                                                1/6                zusammen    5  1/6 Anteile                                                                                       15 Anteile

 

Die letztgenannten Anteile sind alle zwischen etwa 1775 und 1840 von den erstgenannten Sälzerfamilien gekauft worden, die Liesborner Hütte fiel an den Fiskus.Vor allem die Familie von Landsberg hat dann im Zeitraum von 1775 bis etwa 1790 viele Anteile dazu gekauft. Die nachfolgende Übersicht nennt die wichtigsten Erwerbungen in chronologischer Reihenfolge [nach Köhler, Beschreibung…; bei den eingeklammerten Verkäufern ist nicht ganz sicher, ob sie Erbsälzer waren oder nur Pächter/Nutzer]:

Erbmeyervertrag    Käufer                vom Käufer Verkäufer Anteile an der Saline
15.2.1776 Clemens A. v. Landsberg Bredenoll (Stromberg) 1/3
24.2.1778 Von Schade (Poelmann 1/3; Dirks 1/6) 1 1/2
23.10.1778 Ww. Josef B. Hense (Memmering 1/3) 2/3
? 1779 Bredenoll 1/2
23.9.1779 Carl von Korff 1
16.10.1779 Franz von Hörde 1/4
14.10.1781 Friedr. Ferd. Von Hörde 1/4
25.4.1786 Paul Josef v. Landsberg Theod.W. v.Buchholz 1/4
? ? Haus Füchten (verpachtet) (1)
6 1/6 Anteile

Aus diesen Zahlen wird deutlich, daß das Haus von Landsberg innerhalb von etwa 10 Jahren ihre Anteile an der Saline Westernkotten auf 9 1/6 von 15 gesteigert hat und von dieser Zeit an das Salzwerk eindeutig dominiert hat.Bis 1943 blieb die Familie von Landsberg im Besitz dieser 9 1/6 Anteile. Dann verkaufte Eberhard Reichsfreiherr von Landsberg-Velen zu Gemen all sein Eigentum an der Saline Westernkotten an Prinz Christian Friedrich von Sachsen, Markgraf zu Meissen. Bereits 1949 wurde jedoch die Salzproduktion in Westernkotten eingestellt. Die Solerechte gelangten an die 1950 gegründete Solbad Westernkotten GmbH.

 

 

 

1.2. Die Familien von Ense, von Schade und von Papen

 

I. Die Familie von Ense war im 13. Jahrhundert in Erwitte begütert: So wird ein Gerd (Godert) von Ense auf dem Balkinghof oder Ballinghof  im Kirchspiel Erwitte erwähnt. Dieser Hof befand sich 1285 im Besitz des Klosters Himmel-pforten. In diesem Jahr verkaufte Konrad von Ense seine Besitzungen in Ense an das Kloster und erhielt dafür unter anderem die Güter in Erwitte, welche einstmals Wernher genannt Balke der Kirche zu Himmelpforten aufgetragen hatte. 1322 befand sich der Hof noch im Besitz derer von Ense, da Conrad von Ense dem Kapitel von St. Patrokli in Soest die rückständige Zehntlöse zu zahlen versprach. Der Hof kam später in den Besitz derer von Landsberg. [Herberhold S.200]

II. Einer der Söhne von Gerd von Ense war Heinrich von Ense (*um 1310- + vor 1394). Er war belehnt mit Nieder-Ense in Waldeck durch Heynemann, Edelherr von Itter. (Dieses Lehnsgut ging 1394 an Conradt vo Viermundt.] Dieser Heinrich heiratete nach 1355 Regelinde (Regula) von Vernede und gelangt 1377 gemeinsam mit den Brüdern Wilhelm und Werner Crevet in den Besitz des Amtes Verne (heute Stadt Salzkotten).

III. Heinrichs ältester Sohn Gerd von Ense (* in Salzkotten um 1357, + Anröchte vor 1426) wird 1372 Marschall von Westfalen und gelangt 1395 in den Besitz des Amtshauses in Anröchte; ab 1420 ist er Pfandinhaber des kurfürstlich-kölnischen Amtes Erwitte.Im Jahre 1397 wird er auch erstmals in der Gemarkung Bad Westernkottens genannt: Er erwirbt zusammen mit seinem Schwiegervater den Zehnten zu Aspen und wird vom Abt des Klosters Flechtdorf in Waldeck mit 2 Hufen zu Aspen und dem Zehnten genannt „das Padbergsche Gut“ belehnt.Das Jahr 1422 zeigt ihn zum ersten Mal als Inhaber von Salinenanteilen in Westernkotten: am 19.12.1422 verkauft er zusammen mit seinem Sohn Hinrik für 18 Mark dem Augustinerkloster in Lippstadt eine Rente von 18 Schilling aus ihrem Salzhaus in Westernkotten.[Weko 1958, S.38]

IV. Gerds Sohn Heinrich von Ense (*Anröchte um 1395, + Anröchte vor 1469) zu Anröchte kauft 1441 zwei Burglehen zu Westernkotten von Elver von Sassendorp.V. Als 5. Kind und als 1.aus der zweiten Ehe des Heinrich wird Adrian von Ense (* um 1442 in Anröchte, + ebd. 1526) Erbe des Anröchter Besitzes. 1469 wird Adrian Drost von Anröchte und 1490 einen Besitz (?) in Westernkotten von Aleff Wrede und dessen Frau [Antfelder Urk.498]. VI. Sein ältester Sohn Heinrich von Ense (*um 1470 in Anröchte, +ebd. nach 1530) wird 1526 vom Abt zu Flechtdorf mit dem Padberghof in Aspen belehnt.

 

VII. Sein ältester Sohn Adrian von Ense (*in Anröchte um 1522, + Westernkotten 6.3.1594) streitet sich jahrzehntelang mit dem Kölner Erzbischof vor dem Reichskammergericht um Haus und Amt Anröchte. Er kauft 1544 den Burgsitz zu Westernkotten – die Zehntscheune stand noch bis 1975 auf dem heutigen Schulgelände – von den Brüdern Gerhard  und Jürgen von Bredenol sowie den Erlhof in Aspen für 1600 Goldgulden und 2o Goldgulden Weinkauf.

 

Abb.2.: Ehemaliges Zehnthaus und ehemalige Zehntscheune derer von Ense

 

VIII. 1591 tritt er seinen Besitz zu Westernkotten an seinen Sohn Heinrich von Ense (*um 1560 in Westernkotten (?), +Wadersloh nach 1623) ab. 1622 wird sein Besitz in Westernkotten niedergebrannt. 1623 tritt er seinen Burgsitz in Westernkotten an seinen Sohn Walter Philipp ab und zieht auf Gut Hope (Haup) im Kirchspiel Wadersloh.IX. Walter Philipp von Ense (* Westernkotten um 1592, + ebd. 1654) erhält 1625 die Lehnsmutung der Salzsode zu Westernkotten vom Probst zu Meschede [Meschede A 812/1039]. Bereits 1622 wird sein Rittergut in Westernkotten durch den ‚Tollen Christian‘ verbrannt und verwüstet.

X a. Sein ältester Sohn Adam Philipp von Ense (* Westernkotten um 1628, + ebd. 1674), Herr zu Westernkotten und Hope, erhält 1653 die Lehnsmutung der Salzsode vom Stift Meschede.

X b. Als Adam 1674 stirbt, hinterläßt er eine Frau und „nur“ eine Tochter. Adams Bruder Georg Philipp von Ense (*Westernkotten um 1650, * ebd. 25.1.1681) findet die Witwe seines Bruders mit 6000 Reichstalern in bar und dem Gute Hope im Kirchspiel Wadersloh ab.

XI. Georg Philipp hinterläßt eine Tochter Johanna von Ense (*Westernkotten um 1680, + Antfeld 26.6.1719). Als Erbin von Westernkotten heiratet sie am 21.2.1696 den Christoph Bernhard von Schade zu Antfeld. Damit stirbt das Adlige Haus von Ense zu Westernkotten aus. [Nach Steinbicker, Clemens, (Prinz-Eugen-Str. 16a, 48151 Münster), „Von Ense I zu Salzkotten, Anröchte und Westernkotten“ (Manuskript)] Das Haus sowie die Salinenanteile gehören fortan der Familie von Schade.Christoph Bernhard von Schade begann 1710 mit dem Bau des jetzigen Schlosses zu Antfeld, wo die Familie fortan wohnte. Die Salinenanteile und das Gut wurden von Verwaltern geleitet.

XII. Ihr Sohn Josef Anton von Schade (1710-1776) war der Herr zu Antfeld, Westernkotten, Blessenohl, Ostwig, Borch, Essinghausen und Grimmlinghausen.[nach Platte 1999, S. 5]

XIII. Seine Tochter Anna Sophia von Schade (gest. 1791) heiratete den Werler Erbsälzer Josef von Papen aus Lohe bei Werl. Damit waren die von Papen Erbsälzer in Werl und Westernkotten.

XIV. Der älteste Sohn aus dieser Ehe, Josef Anton, erbte nach einem Vergleich mit seiner Tante den umfangreichen Besitz.

XV. Nach seinem frühen Tod folgte ihm 1805 sein Bruder Theodor von Papen.

XVI. Franz-Egon von Papen-Lohe (1825-1887) war Eigentümer der Güter Lohe, Westernkotten, Antfeld und Blessenohl.  Im Jahre 1943 hatte Rittergutsbesitzer Egon von Papen zu Antfeld noch 3 der 15 Pfannenanteile der Saline Westernkotten in seinem Besitz. Er verkaufte sie später an die Solbad Westernkotten GmbH.  

 

1.3. Die Familie von Bredenoll

 

Diese alte westfälische Adelsfamilie, die bereits 1325 Salinenanteile in Westernkotten erwirbt, durfte sich seit 1659 „Erbsöddere“ nennen: In einem Vergleich mit dem Erbamtmann des Paderborner Amtes Westernkotten-Erwitte, Dietrich von Landsberg, tritt die Familie von Bredenoll ihre Rechte an einem halben Salzhause an von Landsberg, bei dem die Bredenolls Schulden hatten, ab; gleichzeitig muß von Landsberg aber die Familie und ihre Erben als Erbsälzer betrachten und gegen eine jährliche Pacht von 30 Reichstalern die Nutzung dieses halben Salzhauses überlassen.[Bad Westernkotten. Altes Sälzerdorf am Hellweg, Lippstadt 1987, S.65]

 

Abb. 3: Das ehemalige Haus der Familie von Bredenoll südlich der Kirche

Am 5.9.1789 begründete Ehrenfried Laurentius von Bredenoll (1710-1791) ein Salinen-Fidei-Komiß für seine Familie und sorgt so für die Unteilbarkeit des Salinenbesitzes der Familie.[Steimann 1949, S.6]Er war der Sohn des Laurentius Bredenoll, Erbsälzer und Churfürstlicher Gerichts-Assessor, und dessen Frau Maria Anna Katharina Groll [ebd]. Diese beiden hatten 1714 das sog. Bredenoll’sche Haus gebaut, das an der Stelle stand, an der sich heute die kath. Pfarrkirche befindet [Gemeinde Westernkotten 1958, S.33] Das Haus hat die kath. Kirchengemeinde am 16.6.1951 nebst Grundstück in Größe von 3100m² gekauft. Im April 1974 mußte das Haus dem Kirchneubau weichen. Den gerettete Deelenbalken haben die Heimatfreunde Bad Westernkotten im April 1997 in einen Schuppen auf dem Gelände der Schäferkämper Wassermühle einbauen lassen.[Vertell mui wat Nr. 38 v.9/97]1943 befanden sich in der Hand der Nachfahren der Familie Bredenoll – Bankdirektor Rudolf Steimann in Münster, Sohn der Theresia Hille, geb. Bredenoll, und die Witwe des Chemikers Dr. Edmund Breuning, Walburga, geborene Bredenoll, in Hagen – noch 7/6 Pfannenanteile an der Saline Westernkotten. Sie wurden alsbald an die Solbad Westernkotten verkauft.  

 

1.4. Die Familie Löper

 

Die Familie Loeper hatte nach den Aufzeichnungen des von Landsberg’schen Rentmeisters Ignatz Köhler im Jahre 1840  5/6 Anteil am Salzwerk. Schöpfberechtigt war sie am früheren Königssood, später Hauptbrunnen, dann Mittelbrunnen genannt. Ihre Pfanne (von der das noch fehlende Sechstel der Familie von Bredenoll gehörte) stand in der Osthälfte der sog. Doktors-Hütte.Bereits 1685 werden zwei Familien in Westernkotten mit Namen Löper als Sälzer bezeichnet:

 

-Johann Löper

-Borchardt Löper [Marcus u.a. 1987, S.114/115]

In einem Schatzungsregister aus dem Jahre 1717 werden Johann Löper und die Witwe des Philipp Löper als Sälzer genannt.[ebd. S.121]

 

 

Abb. 4: Das ehemalige Anwesen Löper, heute Westerfeld (Aufnahme: 1975)

m Jahre 1715 errichteten Johann Löper und seine Frau Anna Theodora Brexel das alte Löper’sche Haus an der Wolfsangel. Sie adoptieren vor 1728 ihren Neffen (?) Fritz Löper, da sie nur eine Tochter hatten und so der traditionsreiche Name unterzugehen drohte.Dieser Fritz wird 1734 „beerbter Sälzeren hierselbst“ genannt.[vgl. Marcus 1997, S.70] Die Familie des Fritz Löper muß im 18. Jahrhundert im Mannesstamm ausgestorben sein; denn in den Schatzungslisten und Häuserverzeichnissen ab 1775 taucht nur noch eine Familie Löper auf.Die Erbsälzerfamilie Löper stellte bereits vor dem 1. Weltkrieg den Solebetrieb ein und verkaufte ihre 5/6 Anteile ca. 1920, um anschließend nach Ostpreußen zu ziehen. Ein umfangreicher Beitrag über die Familie Löper ist 1997 in den Heimatblättern erschienen.

 

 

 

1.5. Die Familie Jesse, Erbsälzer seit 1760

 

Als ältester bisher bekannter Vertreter dieser Familie erscheint 1693 Cordt Jesse in Warstein, dessen Sohn Heinrich (gest.1729) mit Elisabeth Venefeld aus Rüthen verheiratet war. Deren Sohn Johann Philipp Jesse (*1707)war Camerarius (Stadtkämmerer) in Warstein und heiratete um 1732 Katharina Mevers (*1702, +8.9.1757 in Warstein), die am 28.9.1726 im Kapuzinerkloster Rüthen durch Pater Wendelinus in die katholische Kirche aufgenommen wurde.Ihr Sohn Gottfried Jesse (* 1727 in Warstein) kam durch den Erbamtmann Freiherrn von Landsberg nach Westernkotten. Erstmals taucht der Name Jesse in einer Steuerliste aus dem Jahre 1759 auf. Dort zahlen „Herr Droste Jehse, sein Hausvogdt, dessen Frau, eine volle magd“ mit 6 Reichstalern den dritthöchsten Betrag des ganzen Ortes. Gottfried Jesse heiratete am 22.7.1760 in Erwitte im Alter von 33 Jahren die 16jährige Maria Josefine Jansen (*4.8.1744 in Westernkotten). Dadurch gelangte er unter anderem an 1 Anteil am Salzwerk. Dieser Anteil gehörte vorher der Westernkötter Familie Hense und war etwa 1741 durch die Heirat des Heinrich Andreas Jansen, des Vaters der Ehefrau von Gottfried Jesse, mit Maria Sophia Albertine Hense (*13.3.1700), Tochter des Hauptmanns („Capitanus“) Friedrich Hense (+ 15.12.1702 in Westernkotten), an die Familie Jansen gekommen.

 

 

 

Abb. 5: Das Haus vorn rechts an der Weringhauser Straße war der erste Sitz der Erbsälzerfamilie Jesse

 

Mit ziemlicher Sicherheit hat Gottfried Jesse dadurch auch das frühere Haus der Familie Hense bekommen, das an der Weringhauser Straße im Bereich des heutigen Kurparkgartens stand. Es hatte einen vierfach überkragten Giebel und trug den Hausstättenname „Capitäns“. 1955 mußte es dem Straßenausbau der Weringhauser Straße weichen, der Giebel kam nach Detmold in das Freilichtmuseum. [vgl. Patriot vom 22.(?) April 1955]Einer der Söhne Gottfried Jesses war Franz Jesse. Er wurde am 17.6.1788 in Westernkotten geboren und war später Gutsbesitzer und Gastwirt. Wahrscheinlich lag die Gaststätte dort, wo sich heute das Kurhaus befindet.Franz Jesse heiratete am 24.7.1819 die Gastwirtstochter Therese Cordes aus Erwitte. Einer ihrer Söhne war Reinhard Jesse (*4.2.1833, + 2.3.1900), dem das Jesse’sche Anwesen in der heutigen Aspenstraße gehörte. Aus seiner Ehe mit Lina Gordes, Tochter der Eheleute Bürgermeister Anton Gordes (gestorben als Rentmeister in Westernkotten am 24.5.1860) und der Sophie Küper aus Werl, gingen 13 Kinder hervor. Um die Gemeinde, die Saline und das Solbad hat er sich besonders verdient gemacht. So hat Reinhard Jesse als Gemeindevorsteher unter anderem 1857 die Zusammenlegung der bis dahin 3 Schützenvereine in Westernkotten bewirkt. In der Saline Westernkotten war er lange Zeit Salinenverwalter. Auch im Westfalenparlament in Münster hatte er einige Jahre Sitz und Stimme. Für die WLE war er seit 1881 tätig, von 1892 bis zu seinem Tod im Jahre 1900 sogar als Vorstandsmitglied.Einer der Söhne von Reinhard Jesse war Ferdinand Jesse. Er hat sich auf der Saline ‚Gottesgabe‘ bei Rheine einen Namen gemacht [vgl. dazu Stockmann, S.208 und S. 312].An der Saline Westernkotten hatte sein Sohn Bauer Leo Jesse im Jahre 1943 noch 1/6 eines Pfannenanteils an der Saline, das entsprach  1/84 der gesamten Anteile. Diesen Anteil besitzt heute sein Neffe, Rechtsanwalt Paul F. Jesse, in Rheda-Wiedenbrück. Die restlichen 83/84 gehören der Solbad Westernkotten GmbH.

 

 

2. Die Erbsälzer als Kollegium

 

Obwohl die einzelnen Interessenten am Salzwerk ihre Produktion und Vermarktung weitgehend eigenständig betrieben, mußten doch bestimmte Entscheidungen gemeinschaftlich getroffen werden. Diese betrafen naturgemäß zunächst einmal Produktion und Vertrieb des Salzes. Darauf soll hier aber nicht eingegangen werden. Vielmehr möchte ich einige der gemeinsam getroffenen Aktivitäten und Entscheidungen vorgestellt, die nicht unmittelbar mit der Salzproduktion in Beziehung stehen.

 

 

2.1.   Beteiligung der Erbsälzer am Kampf um kirchliche Loslösung Westernkottens von der Mutterpfarrei Erwitte

 

Etwa seit 1630 ist der Kampf der Westernkötter um Loslösung von der Erwitter Mutterpfarrei nachweisbar, der erst 1902 mit der Errichtung der Pfarrei Sankt Johannes der Evangelist Bad Westernkotten zum Abschluß kam. Schon von Anfang an haben sich die Sälzer an diesem Kampf beteiligt und ihre speziellen Interessen in diese Auseinandersetzung eingebracht. Beispielhaft sei aus einer Eingabe der Westernkötter an den Kurfürsten in Köln zitiert, in der sie einen eigenen Geistlichen für Gottesdienste an Sonn- und Feiertagen erbitten, dessen Gehalt sie sogar bezahlen wollen. Dies sei besonders für die Arbeiter in den Salzwerken wichtig, die, damit das Wasser nicht verloren ginge, dabei bleiben müßten und nicht den langen Weg nach Erwitte machen könnten. [Wand S.286]Immer wieder versuchen die Westernkötter, einen Geistlichen für Gottesdienste, Seelsorge und Katechese in Westernkotten ansässig zu machen und zahlen dafür besonders Patres aus dem Geseker Observantenkloster entsprechende Gehälter. [Wand S.287]

 

2.2.    Finanzielle Unterstützung der Kapelle und der Vikarie Westernkotten durch die Erbsälzer

 

An der Westseite des Kirchturms der kath. Pfarrkirche Bad Westernkotten findet sich im Schlußstein über dem barocken Portal ein hausmarkenähnliches Zeichen: ein Pfannenhaken, das Symbol der Sälzer. Schon daran wird deutlich, daß die Sälzer die Errichtung und Ausstattung des Gotteshauses kräftig finanziell unterstützt (gesponsert) haben. Als Dank dafür durften sie dann ihr „Firmenlogo“ über dem Portal anbringen.-Bereits in einem Schreiben des Erwitter Pfarrers Consbruch aus dem Jahre 1798 geht hervor, daß im Filialort Westernkotten ein Franziskaner wohnt, der vom „Salzcollegio“ unterhalten wird und Aushilfe in der Seelsorge leistet.[Wand S.291]Am 31.10.1829 erreichten die Westernkötter einen wesentlichen Schritt auf dem Weg zur kirchlichen Selbständigwerdung und Loslösung von der Mutterpfarrei Erwitte: Westernkotten wurde eigene Vikarie. Vorausgegangen waren zähe Verhandlungen, unter anderem um die Finanzierung des Gehalts des Vikars. Mit jährlich 170 Reichstalern aus der Gemeinde Westernkotten (153 Taler davon waren das Gehalt des Vikars) konnte man sich die Errichtung der Vikarie „erkaufen“. Dabei ist sicherlich auch das Sälzerkollegium um finanzielle Mithilfe gebeten worden. Aber einen guten Vikar konnte man für dieses Geld wohl noch nicht bekommen. So heißt es in einem Schreiben, wahrscheinlich aus der Feder des ersten Westernkötter Vikars, Georg Heinrich Vering [vgl. Lagerbuch der Pfarrgemeinde Erwitte im Pfarrarchiv St. Laurentius, Bd. A 46] aus dem Jahre 1829 an die Sälzer: „Die Vikarien- und Lehrerstellen hieselbst haben sich jederzeit einiger Unterstützung seitens des hiesigen Erbsälzer Collegs, namentlich früher aus den Salzmeßgeldern der Saline, zu erfreuen gehabt, und bedürfen derselben wegen der geringen Dotation beyder Stellen, besonders der Ersteren, noch immer. Dies Bedürfnis spricht sich um so deutlicher aus, als nur durch eine Vermehrung des Einkommens der hiesigen Vikarie-Stelle die Verwaltung derselben durch vorzügliche Geistliche fortdauernd gesichert und nur von einem solchen Beförderung der Moralität unter den Erwachsenen, vorzüglich aber mittels zweckmäßigen Religionsunterrichts die Erziehung der Jugend zu guten Mitbewohnern und sodann aus diesen rechtschaffene Salinen Arbeiter sich versprechen läßt. Durch die Erwägung dieser Gründe und wiederholte Aufforderung des Herrn Pastors Plaßmann, Erwitte, bewogen, eröffnen wir den Herren Interessenten hiesiger Saline folgenden Vorschlag mit der Bitte um eine beystimmende, hierunter schriftlich abzugebende Erklärung: Das Colleg bewilligt nämlich vom 1ten Januar ab, jedoch widerruflich, eine jährliche Summe von 60 bis 70 Thlr. Preuß. Cour. zur Verbesserung des Gehalts des zeitigen Vicarius. Wogegen der Herr Vicarius in Gemeinschaft mit dem Herrn Pastor Plaßmann sich wohl bemühen, von dem Generalvikariat die Erlaubnis zur Lesung einer 2ten heiligen Messe an Sonn- und Feiertagen auch für die Zukunft zu erwirken. Hierdurch würde ein seitheriger großer Nachteil behoben werden, welcher in Beziehung auf die Einwohner von Westernkotten überhaupt darin besteht, daß ein großer Theil derselben den Gottesdienst entweder in dem entlegenen Erwitte oder gar nicht besucht, in Beziehung auf die Saline aber, insbesondere darin, daß sie auf solche Weise zum Theil auf lange Zeit ohne Aufsicht bleibt, welches sowohl bey den Siedungen als Gradierungen von großem Nachtheil seyn könnte. Um den Lehrer für seyne dadurch vermehrte Mühewaltung [als Organist] zu entschädigen und auch die niedere Schulstelle an der vorgeschlagenen Verbesserung Antheil nehmen zu lassen, könnte für denselben aus jener Summe etwa der Betrag von 10 Thlr. ausgesetzt werden.“ Dieser Zuschuß ist dann auch gezahlt worden, wenngleich die zweite hl. Messe zunächst nicht bewilligt wurde. 1833 wählte die Filialgemeinde Westernkotten Vikar Johann Baptist Ernst zum neuen Vikar. Vor der Bewerbung hatten die Westernkötter ihn einschließlich der Zuschüsse des Sälzerkollegiums ein Einkommen von 250 Reichstalern und 30 Scheffeln marktgängigen Korns und sonstige Einkünfte versprochen. Aber bald weigerten sich die Mitglieder des Sälzerkollegiums, die versprochenen Zuschüsse zu geben. [Wand S.293]Auf Antrag des Sälzerkollegiums wurde dem Vikar Johann Helle 1861/62 in Westernkotten vom Generalvikariat aber gestattet, an den dem Passionssonntag vorhergehenden neun Dienstagen eine hl. Messe zu Ehren des hl. Antonius von Padua zu lesen, wie dieses in der Pfarrkirche zu Erwitte geschah. Von den dafür bewilligten 6 Talern sollte der Vikar 1 Taler an den Küster, 1 an den Organisten und 1 an die Kapellenkasse zahlen.[Wand ebd.;  Bad Westernkotten 1958, S.157/58]

 

 

2.3.    Die Übernahme der Kosten des Westernkötter Lobetages durch die Erbsälzer

 

Die Inhaber der 15 Pfannenanteile übernahmen seit Jahrhunderten auch die Kosten des Bad Westernkötter Lobetages. Diese Kosten bestanden in der Hauptsache in der Beköstigung der zum Fest erschienenen Geistlichen sowie den Kosten für Läuten, Kirchenmusik und Böllern. Spätestens zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatten sich die Interessenten darauf geeinigt, daß jährlich ein Besitzer eines Salinenanteils die Kosten übernehme. So war der Eigentümer eines Anteils alle 15 Jahre an der Reihe.Im Jahre 1828 war zum ersten Mal der landesherrliche Anteil an der Reihe. Der Salzfactor Brockhoff schrieb damals an das Oberbergamt in Bonn und begründete die Bitte um Übernahme der Kosten damit, „daß man sich dieser seit undenklichen Zeiten bestandenen Observanz (Verpflichtung) nicht füglich entziehen könne.“ Die 1828 anfallenden Kosten von 32 Thalern und 6 Groschen sind dann auch bewilligt und vom Fiskus bezahlt worden.1843 war die Reihe der Kostenzahlung wieder beim Landesherrlichen Anteil. Der Landsberg’sche Salinenverwalter Ignatz Köhler schreibt in einem Bericht an das Oberbergamt in Bonn: “Vor mehreren hundert Jahren grassierte die Pest hier in der Gegend und ausnahmsweise in Westernkotten auf eine so schauderhafte Weise, daß in Westernkotten kaum der 40ste Mensch verschont blieb. Auf das der Allmächtigste besagte Schrecknisse gnädliglich abwenden und uns fernerhin davor bewahren wolle, wurde von den Westernköttern damals, in spezie aber von den damaligen Sälzern, dem Allbarmherzigen gelobet: Den Tag vor dem Feste Maria Heimsuchung in Fasten und Beten, das Fest selber aber mit Prozession und Gottesdienst bis ans Ende der Zeiten feierlich zu begehen. Dieses ist immerhin so gehalten und auch der Grund, warum niemalen das Lobetagsfest aufgegeben ist, auch wohl nie wird aufgegeben werden. Wie gesagt, wird schon den Samstag vor dem Feste großer feierlicher Gottesdienst gehalten, wobei nicht allein die Pfarrgeistlichkeit aus Erwitte gegenwärtig ist, sondern auch mehrere umwohnende Geistliche teilnehmen. Die glänzende Feier des Festes ist nun Sonntag, die große Prozession, wobei der Himmel von den Sälzern getragen wird, geht morgens 6 Uhr aus und kommt gegen 11 Uhr wieder, wo dann das Hochamt gehalten wird. Böller verkünden beide Tage der Umgegend die Feier des Festes.“ Er schreibt dann weiter:“ Es liegt zwar keine lex scripta (geschriebenes Gesetz) vor, aber man könne sich dieser Verpflichtung nicht entziehen.“ Auf einen weiteren Bericht des Salzfaktors und Administrators Weierstraß an das Königliche Oberbergamt in Bonn erläßt das Finanzministerium in Berlin, Abt. für Bergwerks-, Hütten- und Salinenwesen, am 1. Juni 1843 die Verfügung, die Kosten bis zum Betrage von 50 Thalern zu bezahlen. Die tatsächlichen Kosten betrugen aber 80 Thaler, 8 Silbergroschen und 10 Pfennig. Diese Kosten wurden aber auch übernommen. Weierstraß begründet die Kostenüberschreitung damit, daß mehr auswärtige Geistliche als in früheren Jahren erschienen seien und daß außer den Geistlichen auch die Salineninteressenten nebst Familien (!) teilgenommen hätten. Das Oberbergamt lehnt daraufhin die Kosten für das Mittagessen am Sonntag ab. Aber 1858 sind die Kosten in Höhe von 74 Thalern, 11 Silbergroschen und 4 Pfennig doch wieder übernommen worden. [vgl. Bad Westernkotten 1958, S.158/59; Laumanns 1947, S.7; Heimatbuch von 1987 S.303]

 

 

2.4.              Die Erbsälzer in der Kalandbruderschaft

 

Dass die Erbsälzer einer besonderen und heraus gehobenen Schicht angehörten, geht unter anderem auch daraus hervor, dass sie sich in besonderen Gruppen zusammenschlossen. So ist bekannt, daß im Jahre 1784 die Sälzer und Priester Erenfridus Christian Bredenoll, Christoph Ferdinand Bollmann (wahrscheinlich Poelmann), Godefridus Jesse, Fr. Anton Bredenoll und Franc.Math.Vernholz Mitglieder einer Kalandbruderschaft waren. Dieser Kaland- oder Kalenderbruderschaft Maria, Josef und Barbara in Westernkotten gehörten insgesamt 46 Personen an, 25 Priester und 21 Laien, alle im Raum zwischen Soest und Geseke wohnhaft; darunter auch 2 Frauen, die Äbtissin von Siegen und die Chanonesse von Westphalen. Alle Mitglieder repräsentierten als Richter, Räte usw. die obere bürgerliche Schicht der damaligen Gesellschaft.-Bis auf den heutigen Tag heißt in Bad Westernkotten der Verbindungsweg zwischen der Aspenstraße und dem Kirchplatz „Herrengasse“, weil sie vornehmlich von den Sälzern, den „Herren“ benutzt wurde, was dem gemeinen Volk bis ins 20. Jahrhundert vorenthalten blieb.[vgl. dazu: Westernkottens Straßen, Wege und Plätze, 1945, S. 11]

 

 

 

3.          Das Ende des Erbsälzertums in Westernkotten

 

Das Erbsälzertum hat rein rechtlich bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts Bestand gehabt. Die Fürstbischöfe von Paderborn, die – wahrscheinlich seit der Schenkung an Bischof Meinwerk aus dem Jahre 1027 – durch viele Jahrhunderte das Obereigentum am größten Teil der Saline Westernkotten hatten und dort einen Erbamtmann, einen Amtsrichter und einen Rentmeister unterhielten, verloren nach der Säkularisation von 1803 praktisch alle Rechte. Ähnlich erging es den anderen kirchlichen Eigentümern. Die Erbsälzer wurden nämlich dann durch Gesetz vom 5.11.1809 unumschränkte Eigentümer ihrer Salinenanteile [vgl. Heimatbuch 1987, S.158]. Dennoch hat sich der Begriff „Erbsälzer“ noch bis nach dem 2. Weltkrieg, also praktisch bis zum Ende der Salzproduktion in Westernkotten im Jahre 1949, gehalten. Anscheinend verbanden die Salineninteressenten, wie sie im 19. Jahrhundert zumeist genannt werden, damit Ansehen und Ehre.Noch in einem Satzungsentwurf für die Saline Westernkotten aus dem Jahre 1947 [vgl. Akte im Stadtarchiv Rüthen, Nachlasssplitter Amtsgerichtsrat Jungemann, Westernkotten] ist immer wieder davon die Rede. Amtsgerichtsrat Jungemann, der die Pfännerschaft damals bei der Abfassung der neuen Satzung begleitete, kritisiert dazu treffend: „Der Gebrauch des Wortes ‚Erbsälzer‘ in § 4 und an anderen Stellen ist nicht ganz zutreffend und besser vermieden. Der Pfännerschaft gegenüber und nach Bergrecht sind die Mitbeteiligten ‚Gewerker‘ oder ‚Pfänner‘. In den Statuten wird daher zweckmäßig diese Bezeichnung angewandt. ‚Sälzer‘ oder ‚Sieder‘ sind die Pfänner nur insoweit sie selbständig aus der Sole Salz gewinnen. ‚Erb-‘Sälzer ist eine veraltete Bezeichnung, die jeden Inhalt und Sinn verloren hat und heute nur noch gedankenlos gebraucht wird. Die Bezeichnung ist aufgekommen, als Bischof Ferdinand 1663 als Grundherr seinen Meiern die Stellung als Erbmeier verlieh. Bisher waren die Sälzer nur unfreie gutsherrliche meierstättische Operarii oder Zinsleute gewesen. Durch die Verleihung der Erbrechte wurde ihre Stellung gehoben und in der Familie gesichert. Mit der Aufhebung des Obereigentums des Bischofs wurden die Erbsälzer freie Eigentümer der Saline. Sie wurden also mehr, als sie bisher als Erbsälzer waren. ‚Erbsälzer‘ klingt ja sehr schön und wichtig, es bedeutet aber weniger als Sälzer im heutigen Sinn.“[ebd. in einem Schreiben vom 3.4.1947 an die Pfännerschaft].Die Stadt Erwitte hat Mitte der 1990er Jahre der besonderen Bedeutung der einstigen Erbsälzer auch dadurch Rechnung getragen, dass die Gasse zwischen Wolfsangel und Südwall, die im Bogen um das Anwesen der ehemaligen Erbsälzerfamilie Löper verläuft, den Namen ‚Erbsälzergasse‘ erhielt.

 

Literatur (Auswahl)

  • Platte, Hartmut, Das Schloss Antfeld und die Familie von Papen, in: Heimatblätter 1999, S. 4-6
  • Marcus, Wolfgang, Die Erbsälzerfamilie Loeper in Westernkotten; in: Heimatblätter 1997, S.65f
  • Herberhold, Franz, Die politischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Verhältnisse der Gemeinde Erwitte bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts, in: Erwitte, Münster 1936, S. 31ff.[zur Familie von Landsberg]
  • Gemeinde Bad Westernkotten (Hrsg.), Bad Westernkotten. Lippstadt 1958
  • Marcus, Wolfgang u.a.(Hg.), Bad Westernkotten. Altes Sälzerdorf am Hellweg, Lippstadt 1987

[1] Vgl. Marcus, Wolfgang, Westernkötter Södder werden Erbsälzer. Erbmeierbrief von 1663 gibt Aufschluss, in: Jahrbuch für Salzgeschichte, 10/11 2005/06, S.89-96An dieser Stelle sei noch einmal auf eine weitere wichtige Quelle hingewiesen, die Grundbücher. Dem „Grundbuch der im Kreise Lippstadt in der Gemeinde Westernkotten belegenen Saline Westernkotten“ [Berggrundbuch Band 1, Blatt 1; ein Exemplar im Stadtarchiv Rüthen, Nachlaßsplitter Amtsgerichtsrat Jungemann, Westernkotten, übertragen in dieses Grundbuch am 19.Juli 1943] sind nämlich folgende Ausführungen zu entnehmen: „Das Bergwerkseigentum beruht auf alten Verleihungen des Erzbischofs Engelbert von Köln [Erzbischof von Köln von 1216-1225] aus der Zeit vor 1225. Die alten Rechte sind von dem Erzbischof Konrad von Köln [ab 1238 Erzbischof von Köln] 1246 bestätigt. Durch den Erbmeyerbrief des Bischofs Ferdinand von Paderborn [Ferdinand II von Fürstenberg, Bischof von Paderborn von 1661-1683] vom 29.12.1663 sind den damaligen Meyern die Rechte als Erbmeyer verliehen. Durch die Sälzerartikel des Bischofs Wilhelm von Paderborn vom 17.11.1778 ist das Salzwerk neu eingerichtet. Durch Verleihungsurkunden der königlich Preußischen Bergämter in Bonn und Dortmund vom 19./28.5.1866 sind der Pfännerschaft Saline Westernkotten in Westernkotten unter Beibehaltung der bisherigen Privilegien und Verleihungen aufgrund der Mutungen vom 1.10.1865 nach dem allgemeinen Berggesetz vom 24.6.1865 die folgenden 8 selbständigen Solbergwerke verliehen.“ Anschließend werden die 8 Gebiete, die sich teilweise über die Gemarkungsgrenze Bad Westernkottens hinaus erstrecken, aufgezählt und näher beschrieben.
[2] In Werl wird den Sälzern in einem Privileg des Kölner Erzbischofs Konrad von Staden, mit dem er die Unterstützung der Werler gegen den Grafen von Arnsberg belohnte, bereits am 12.7.1246 [Westf. Urkundenbuch VII, Nr.617] die Erblichkeit und das alleinige Recht des Salzsiedens eingeräumt.[Johanek, Peter, in Werl 1994, S.138/139] Gleichzeitig werden damit Rechte verbrieft, die ihnen bereits Erzbischof Engelbert (1216-1225) eingeräumt hatte. Hier scheint es, zumindest was die Ursprünge der Salzsiedeberechtigung angeht, Parallelen mit Westernkotten zu geben.In Salzkotten wurde die Erblichkeit des Salzsiedens 1526 durch den Paderborner Bischof Erich verbrieft [Heggen S.882], also 137 Jahre vor Westernkotten. Auch in Sassendorf sprach man schon früh von „Salzbeerbten“.