Salz und Blei in der Römerzeit

Sauerländer Blei und Westernkötter Salz in der Römischen Kaiserzeit

Von Wolfgang Marcus

Die sog. Varusschlacht im Jahre 9 n. Chr., also vor genau 2000 Jahren, hat neu das Interesse der Forschung und der interessierten Öffentlichkeit am Einfluss der Römer auf Germanien und die ins Mythische verklärte Bedeutung des Cheruskerführers Arminius entfacht. Nicht zuletzt die drei großen Ausstellungen in Haltern, Kalkriese und Detmold zeugen davon [vgl. etwa den dreibändigen Ausstellungskatalog: 2000 Jahre Varusschlacht. Imperium – Konflikt – Mythos, hrsg. vom Landschaftsverband Lippe, vom LWL-Römermuseum in Haltern und von der Varusschlacht im Osnabrücker Land GmbH, Stuttgart 2009].

Unser heimischer Raum kommt dabei auch in mehrfacher Hinsicht neu in den Blick. Zentrale Fragestellungen sind unter anderem:

  • – welche Handels- und Heerwege nutzen die Römer, etwa bei den Eroberungszügen unter Drusus (ab 12. v. Chr.), Tiberius (ab 4 n. Chr.), Varus (9 n. Chr.) oder Germanicus (15 n. Chr.)?
  • – welche Handelsbeziehungen wurden entwickelt?
  • – wie veränderte der Kontakt mit römischer Kultur das Leben unserer germanischen Vorfahren?

In diesem Zusammenhang sind seit einigen Jahren Forschungen im Gange, die herausarbeiten wollen, dass schon seit der Regierungszeit des Gaius Julius Caesar (*100 v. Chr., +44 v.Chr.) Planungen einsetzen, das Gebiet rechts des Rheins (Germania magna), das noch keine römische Provinz war, wenigstens wirtschaftlich zu nutzen.

Dabei benötigten die Römer unter anderem das Blei aus der Nähe von Brilon, um es etwa für Dacheindeckungen oder Wasserleitungen zu nutzen. Da im germanischen Raum kein Bedarf an Blei bestand, kann die Bleiproduktion nur von den Römern in Angriff genommen worden sein. In Brilon-Altenbüren ist zum Beispiel eine kaiserzeitliche Siedlung mit einer Werkstatt zur Bleiverarbeitung erforscht worden [vgl. zum Folgenden: Reineke, Bernd, Plumbum Germanicum. Das Blei der Sauerländer. Handelsbeziehungen vor 2000 Jahren zwischen Sauerland und Rom, Brilon 2008, S.7] Weitere Funde gibt es unter anderem in Brilon-Alme und Wünnenberg-Bleiwäsche. Alle Bleifunde sind ca. 500 Gramm schwer, weithin keilförmig und oben gelocht.

Der Altstraßenforscher Horst Braukmann aus Soest [vgl. etwa: Braukmann, Horst, Der Hanseweg von Soest nach Brilon, auch Soestweg genannt, Brilon 2008] hat zahlreiche Überlegungen angestellt, welchen Weg diese Bleibarren dann genommen haben. So lautet die zentrale These, dass die kleinen Bleibarren bis an die Lippe transportiert, dort (z.B. in Soest) zu Großbarren (ca. 60 kg) umgeschmolzen und über die Lippe und den Rhein bis ins Römische Reich transportiert wurden. Im Raum Lippstadt vermutet er eine Verladestation an der Lippe. Dann hätte mit Sicherheit das Blei aus Brilon den Weg durch Westernkotten genommen.

Aus diesem Grund sind die Heimatfreunde Bad Westernkotten zusammen mit anderen befreundeten Heimatvereinen sowie Herrn Brauckmann im Frühsommer 2009 diese alten Bleiwege nachgegangen und haben dabei viel Wissenswertes über die römerzeitlichen Handelsbeziehungen erfahren.

Auch nach dem Rückzug der Römer im Gefolge der verlorenen Schlacht im „Teutoburger Wald“ (Ende der Okkupationszeit) kommt der Bleihandel nicht zum Erliegen. Germanische Händler verdienen damit auch weiterhin ihr Einkommen. Allerdings wird zunehmend auch Blei „vor Ort“ gebraucht, und zwar in den Salinen am Hellweg. So formuliert Braukmann in einem bisher unveröffentlichten Manuskript: „Der Bleitransport in die linksrheinischen römischen Provinzen nach der Okkupationszeit relativiert sich jedoch beträchtlich, wenn man von der Hypothese ausgeht, dass die Salinen am Hellweg während der römischen Okkupationszeit das Salzsieden von der Briquetage [Ton-/Ziegelsteingefäße zum Sieden des Salzwassers] auf Bleipfannen umgestellt haben. Die weit überwiegende Anzahl der Fundorte der Bleibarren spricht für die Beziehung des Bleibergbaus des Briloner Raumes zu den Hellwegsalinen, hier vor allem die Salinen in Soest, Westernkotten und Salzkotten…Der große jährliche Bleibedarf der Salinen aufgrund der Abnutzung der Bleipfannen lässt den Export von Blei in die linksrheinischen römischen Provinzen damit nur noch als Nebensache erscheinen.“

Wie zu erkennen: Ein spannendes Thema! Es bleibt abzuwarten, welche weiteren Ergebnisse die aktuellen Forschungen in den nächsten Jahren erbringen.