Salzindustrie nach dem 2. Weltkrieg „Brot u.Salz“

[aus: Vertell mui watt, 2003]

„Mit Brot und Salz“- Zur Westernkötter Salzindustrie  nach dem 2. Weltkrieg

Von Wolfgang Marcus

In einem ungeordneten Bestand im Archivraum der Schäferkämper Wassermühle fand ich Ende 2002 einige Schriftstücke, die mit der Salzindustrie in Westernkotten nach dem 2. Weltkrieg zu tun haben. Darunter das folgende Gedicht, maschinenschriftlich auf ein DIN-A-6-Blatt geschrieben:

„ Mit Brot und Salz einst trat man nah

dem Gastfreund, den man gerne sah.

Es ist von Alters her so Brauch geworden,

hier in Westfalen und auch allerorten.

Es sollte Treu bekunden – Glück bescheren,

und Not und Trübsal seinem Haus verwehren.

 

Wir bringen heut das Salz aus eigner Scholle,

oh, dass es doppelt, dreifach Segen bringen wolle!

Es trage dazu bei, die Sorgen auszurotten –

Glückauf!         – Die Sälzerleut aus Westernkotten.“

 

Darüber ist zu lesen: „Seiner Königlichen Hoheit, dem Prinzen Maria Emanuel Herzog zu Sachsen zum 31. Januar 1947.“

 

Der genaue Hintergrund für dieses Gedicht ist mir nicht bekannt. Es ist aber folgendes zu vermuten: Durch Verkauf der von Landsberg’schen Güter in Westernkotten war der Markgraf von Meissen und Herzog von Sachsen, Friedrich Christian, Eigentümer von Ländereien und Soleberechtigungen in Westernkotten geworden. Die einzig noch betriebene Salzhütte stand an der B 55 (heute eine Autohandlung). Die Salzproduktion wurde hier noch bis 1949 aufrecht erhalten, trotz vernichtender Konkurrenz vieler Steinsalzproduzenten.

Der Besuch des Prinzen Maria Emanuel fällt wahrscheinlich in die Bestrebungen, dem adligen Haus die Salzberechtigungen und vor allem die Ländereien, darunter der heutige Kurpark, abzukaufen, um dann die Sole zu Heilzwecken zu nutzen und aus den Ländereien Parkflächen für die Gäste zu gestalten. Der Kauf ist letztlich zustande gekommen und 1950 wurden mit der Gründung der Solbad Westernkotten die Weichen für das heutige Heilbad gelegt.

Nähere Einzelheiten über diese Zeit zwischen dem Ende des 2. Weltkriegs und 1950 müssten aber noch ermittelt werden.