Salzpreise, -mengen 1816-69

Salzpreise und Salzmengen auf der Saline Westernkotten in der Zeit des preußischen Salzmonopols (1816-1867)

von Wolfgang Marcus, Bad Westernkotten

1. Einführung des Salzmonopols[1]

Nach der Niederlage Napoleons und der politischen Neuordnung im Gefolge des Wiener Kongresses gelangte das Herzogtum Westfalen, und damit auch Westernkotten, an Preußen: Am 15. Juli 1816 überließ es der Großherzog von Hessen-Darmstadt dem preußischen König.

Das Kurfürstentum Brandenburg hatte bereits 1582 ein staatliches Salzmonopol eingeführt, das, vom Staat als kräftig sprudelnde Einnahmequelle geschätzt, 1652 durch Preußen erneuert wurde und fortan in Kraft blieb[2]. Wenn neue Länder dem preußischen Staatsgebiet einverleibt wurden, schnitt die Regierung umgehend den jeweiligen Salzwerks-Interessenten alle Möglichkeiten eines freien Salzhandels im Inland ab, ohne jedoch den vorhandenen Auslandshandel (Export) zu beschränken. Mit den Sälzern wurde über eine feste Abnahmemenge und einen Festpreis verhandelt, und dann durften diese nur noch an staatliche Verkaufsstellen, sogenannte Faktoreien oder Sellereien, verkaufen. Und wenn die Sälzer nicht mitspielten, dann hatte der Staat viele Mittel in der Hand, eine Lösung zu erzwingen, so etwa durch die Drohung, selber Salz zu produzieren oder Salz aus anderen Salinen oder Bergwerken zu beziehen und im Umfeld der Saline zu verkaufen. So erging es zum Beispiel der Saline Salzkotten, die trotz anfänglich heftiger Proteste letztlich doch klein beigeben musste[3]. So verbot ein Regierungserlaß, der bereits zum 1.7.1816 in Kraft trat, für Westfalen und die Rheinprovinzen den Import und den Handel von fremden Salzen. Das Salz durfte nur noch aus den sog. Niederlagen auf den Salinen und aus den Faktoreien bezogen werden. Die Mindestabnahmemenge betrug 1 Tonne. Auf den Einzelhandelspreis nahm der Staat keinen Einfluss.[4]

Erste 1843 senkte Preußen die Preise um 25 Prozent.[5]

2. Salzpreise

Den Großhandelspreis für eine Tonne Salz à 405 Pfund (= ca. 1/5 einer heutigen Tonne) setzte Preußen 1816 für Westfalen und das Rheinland mit 12 Thaler fest, zwischen Elbe und Weser lag der Preis bei 8 Thaler 12 Groschen pro Tonne[6]. 1820 vereinheitlichte Preußen die Preise. Der Großhandelspreis für eine Tonne Salz aus allen Salinen und staatlichen Faktoreien betrug nun 15 Thaler[7].

Betrachten wir nun demgegenüber den Preis, den die Produzenten vom Staat – als Aufkäufer – erhielten: 1821/22 erhielten die Salineninteressenten in Westernkotten 7 Reichstaler und 10 Silbergroschen pro Tonne[8]. Nach Angaben des von Landsberg’schen Rentmeisters Ignatz Köhler zahlte der Preußische Staat von 1836 bis 1850  für das „gewöhnliche Quantum“ von 650 Lasten = 6500 Tonnen (alt) pro Tonne 4 Reichstaler, also eine noch deutlichere Differenz gegenüber dem Verkaufspreis von 15 Reichsthalern.

3. Produzierte Salzmengen

Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick über die in Westernkotten ab 1816 und dann ab 1840 verwendeten Gewichtsangaben:

1 Scheffel     = ¼ Tonne preußisch

1 Metze       =  1/16 eines Scheffels

1 Last          = 10 Tonnen preußisch   = 4 050 Pfund preußisch    = 405 Zentner

ab 1840:

1 Tonne (alt) = 400 Pfund = 4 Zollzentner = 1/5 einer heutigen Tonne[9]

 

Für die Saline Westernkotten sind bisher folgende Produktionsmengen für die staatlichen Faktoreien bekannt:

1818 durften die Westernkötter nur insgesamt 6000 Tonnen Salz produzieren und an die Debitsverwaltung verkaufen.[10]

1821/22: 6500 Tonnen à 7 Reichstaler 10 Sgr

1836-1850: bis 9000 Tonnen, davon 6500 Tonnen à 4 Thaler und  2500 weitere Tonnen für 2 Reichstaler 12 Sgr

Um 1855: 8000 – 9000 Tonnen.

Darüber hinausgehende Produktionsmengen konnten anscheinend noch im „Detail-Handel“ (Einzelhandel) oder im Export abgesetzt werden.

Für den behandelten Zeitraum konnten folgende tatsächliche Produktionszahlen und der entsprechende Geldwert ermittelt werden:[11]

Jahr Salzprodukion Geldwert der Produktion
1821 6500 Tonnen (à 405 Pfd.) 47667 Thaler
1822 6500 47667
1830 6894 48014
1832 6668 45314
1833 6910 46645
1834 7227 48858
1835 7438 43865
1836 7504 30455
1837 9931 31768
1838 9614 30833
1839 9383 31498
1840 9703 32516
1841 9801 33366
1842 9016 30711
1843 8604 29724
1844 8834 30009
1845 9529 32489
1846 10037 34732
1847 8652 29486
1848 9325 31734
1849 9323 31716
1850 8990 26543
1851 9165 Tonnen (à 400 Pfd.) 30254
1852 12560 36370
1853 9660 28097
1854 10170 30668
1855 8680 26098
1856 8850 26620
1857 9990 30158
1858 9123 27680
1861 9870 31519

 

Vergleichen wir noch kurz diese Zahlen mit dem sonstigen „Bergbau“ im Kreis Lippstadt. In der „Statistischen Darstellung des Kreises Lippstadt 1861″ heißt es: „Der  Bergbau im Kreise ist von Unerheblichkeit. Die Gewinnung von Raseneisenerz bei Lippstadt ist in den letzten Jahren wieder aufgegeben. – In Westernkotten ist eine Saline, wobei verschiedene Private betheiligt sind.“[12] Aus der anschließenden Tabelle wird dann deutlich, daß die Saline Westernkotten innerhalb des bergbaulichen Bereiches eine besondere Rolle gespielt hat: Während die Saline 1861 ein Quantum an weißem Kochsalz in Höhe von 39 519 Centnern im Wert von 31 519 Thalern produzierte, kamen die verschiedenen Erzgruben nur auf einen Wert von 184 Thalern!

4. Der landesherrliche Salinenanteil in Westernkotten und die Salzfaktoren

In Westernkotten übte Preußen nicht nur als Landesherr staatlichen Einfluß aus, sondern besaß auch die Eigentumsrechte an 1/15 Anteil, dem sog. landesherrlichen Salinenanteil. Die sogenannte Liesborner Hütte war nämlich wahrscheinlich 1803 im Rahmen der Säkularisation an den neuen Landesherren, den Landgraf von Hessen-Darmstadt, gefallen und gelangte nach dem Wiener Kongress in die Hand Preußens als Rechtsnachfolger. Nachdem die Großherzöglich-bergische Generalbergwerks-Administration am 1. Oktober 1811 dem Postmeister Bredenoll aus Erwitte für 6 Jahre diesen Anteil verpachtet hatte und die Pacht danach nochmals um 1 Jahr verlängert wurde, einigte man sich Ende 1818/Anfang 1819 auf Wunsch des Postmeisters darauf, das Pachtverhältnis zu beenden. Die Schlüsselübergabe erfolgte am 19.1.1819.[13]

Als Verwalter dieser staatlichen Saline fungierte seitdem ein königlicher Salzfaktor. Zum einen war er damit für das landesherrliche Gradierwerk und die dazugehörige Salzhütte zuständig, wobei seine vorgesetzte Behörde das königliche Oberbergamt in Bonn war. Zum anderen kontrollierte er aber auch noch als Teil der staatlichen Steuerverwaltung die Salzproduktion auf der ganzen Saline. So mußte er unter anderem darüber wachen, dass im Rahmen der Verträge das in Westernkotten produzierte Salz an die staatlichen Faktoreien ausgeliefert bzw. auf der sog. Niederlage in der Saline selbst verkauft wurde. Darüber hinaus musste er aber auch dafür Sorge tragen, dass kein Salz veruntreut, gestohlen und so auf dem freien Markt verkauft wurde. Die vorgesetzte Dienststelle in dieser Beziehung war das Hauptsteueramt in Paderborn.

Die Königliche Salzfaktorei befand sich nach Aufzeichnungen aus dem Jahre 1825 in dem heutigen Haus Aspenstraße 8[14]. Für das Jahr 1829 ist für dieses Haus der Eintrag „Brockhoff, Provinzial-Steuer-Direktorat“ zu finden.

Der erste königliche Salzfaktor Brockhoff trat seine Stellung in Westernkotten Anfang 1819 an. Er bekam am 23.März 1819 eine umfassende Dienstanweisung vom Oberbergamt aus Bonn[15], aus der deutlich wird, daß das Oberbergamt nun frischen Wind in die landesherrliche Anlage bringen wollte, die seinerzeit sogar stillstand. Zunächst sollte ein Arbeiter einer anderen königlichen Saline, entweder aus Königsborn (bei Unna) oder Neusalzwerk vor den Toren der Stadt Werl  gefunden werden, um „beim Betrieb der Siedung in neuer Kote mit Steinkohlen zu arbeiten, und die hierin ungeübten Westernkottener Arbeiter zugleich zu unterweisen.“ Hier ist also auch vom Bau einer neuen Salzhütte (Kote) die Rede. Da nicht sicher war, ob ein Sieder von einer staatlichen Saline zu finden war, sollte der bisherige Sieder Friedrich Krillecke einen Lehrgang in Königsborn absolvieren. Weiterhin schreibt das Oberbergamt:“Ein Salzkorb ist, wie das königlichen Salzamt in Königsborn anzeigt, nach Westernkotten verabfolgt worden, dessen Kosten wir bereits erstattet haben, der also dort als Muster aufbewahrt werden kann.“ Zusätzlich wird Salzfaktor Brockhoff angehalten, für die alsbald dort eintreffenden Kohlenfuhren ein eisenbeschlagenes, geeichtes Scheffel anzuschaffen.

Im Juli/ August 1819 nahm dann der Sieder Rittelmeyer aus Neusalzwerk seinen Dienst auf. Da die Steinkohlenzufuhr noch unsicher erschien, wollte man sich mit Postmeister Bredenoll über den Ankauf seines Holzvorrates einigen. Als Preis sollte „ 1 Thaler für jedes Fuder ad 40 Börden und außerdem noch 5 Stüber Biergeld für jedes 3. Fuder“ gezahlt werden.

Brockhoff blieb bis 1839 königlicher Salzfaktor in Westernkotten. Durch Dienststellentausch nahm am 11.November 1839 Wilhelm Weierstraß seinen Dienst als königlicher Salzfaktor und Salinenadministrator auf. Vorher war er als Rendant des Königlichen Hauptsteueramtes in Paderborn tätig gewesen. Weierstraß blieb[16] bis Juni 1859 in Westernkotten tätig.

5. Gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen und Entwicklungen

Eine wichtige Rahmenbedingung war der Salzbedarf in dieser Zeit. Er belief sich für die preußischen Rheinprovinzen und Westfalen um 1820 auf ca. 13000 Lasten. 15 Jahre später war er bereits um mehr als 2000 Lasten gestiegen, und er nahm immer noch weiter rapide zu. „Gerade in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts erfuhr die Kochsalznachfrage durch die aufblühende Glas-, Papier- und besonders durch die Baumwoll- und Sodaindustrie eine starke Steigerung. Auch die Landwirtschaft verbrauchte in verstärktem Maße bei der Viehzucht und beim Ackerbau Salz. Preußen war daher bestrebt, die inländische Salzproduktion zu heben, weshalb es sein Augenmerk auch auf Steinsalzbohrungen richtete, die für viele Salinen später zum Ruin werden sollten.“[17]

Die Konkurrenz für die Gradiersalinen wurde aber auch dadurch größer, dass durch nunmehr mögliche Tiefbohrungen (1816 erstmals erfolgreich eingesetzt) die Förderung hochkonzentrierter Sole ermöglicht wurde, die nicht mehr aufwendig gradiert werden mußte. „Um 1850 setzte die Hälfte der über 70 Salinen konzentrierte Solen ein.“[18] Dennoch mussten bereits zwischen 1830 und 1870 17 Salinen ihre Produktion einstellen. Die Erbohrung hochkonzentrierter Sole, aber noch mehr die zunehmende Förderung von Steinsalz in staatlichen Betrieben wie Staßfurt, ließ die Situation für Salinen von der Größe Westernkottens um die Mitte des 19. Jahrhunderts immer bedrohlicher werden. Wegen der angespannten Verhältnisse auf dem Salzmarkt trat die Westernkötter Saline vor 1848 dem „Verein Westfälischer Privatsalinisten“ bei, der von dem Werler Sälzeroberst Christoph Freiherr von Lilien ins Leben gerufen worden war und dem bis 1848 noch die Salinen Werl, Sassendorf und Gottesgabe (Rheine) angehörten. Unter anderem wollte man den Salzabsatz gemeinsam regeln und sich gegen die Konkurrenz der Staatsalinen Neusalzwerk bei Werl und Unna-Königsborn wehren. Der Verein schloß sich dem in Frankfurt gegründeten „Verein zum Schutz der vaterländischen Arbeit“ an, der sich für die Einführung von Schutzzöllen stark machte. Auf der Nationalversammlung 1848 in Frankfurt am Main wurde er durch den Salinendeputierten Freiherr von Dolffs vertreten.[19]

Der Staat hatte frühzeitig die Zeichen der Zeit erkannt. Vor allem das Salz aus den Steinsalzbergwerken machte Salz zu einem Massengut. So wurde 1867 das Salzmonopol aufgegeben, der landesherrliche Salinenanteil in Westernkotten verkauft. Die privaten Salineninteressenten mussten sich fortan selbst um Kunden kümmern. Letztlich hatten die Salinen mit ihren aufwendigen Produktionsmethoden gegen die Steinsalzkonkurrenz keine Chance. Vor diesem Hintergrund ist es schon verwunderlich, dass auf der Saline Westernkotten noch bis 1949 Salz produziert wurde.

 

Abbildungen

  • 1. Bis 1845 wurde die Sole in Westernkotten auch mit einem Tretrad nach oben befördert
  • 2. Pferdegöpel zur Förderung der Sole
  • 3. Das Wappen von Bad Westernkotten ist ein stilisierter Pfannenhaken der Sälzer
  • 4. Solebohrturm im Kurpark von Bad Westernkotten
  • 5. Ehemaliges Gradierwerk
  • 6. Ehemalige Salzhütte

 


[1] Folgende Quellen und Literatur habe ich für diesen Aufsatz benutzt: Akten der Pfännerschaft Saline Westernkotten im Staatsarchiv Münster, vor allem die Akten 13 und 30; Stockmann, Clara und Antonius, Die Geschichte der Saline „Gottesgabe“ unter besonderer Berücksichtigung der letzten 100 Jahre, Rheine 1995; Amtsblatt der Königlichen Regierung in Arnsberg; Marcus, Wolfgang, Salzfaktoren in Westernkotten; in: Aus Kuotten düt un dat Nr.46, 1992, dort weitere Quellenangaben; Statistische Darstellung des Kreises Lippstadt 1861, [Lippstadt 1863, hrsg. von Landrat von Schorlemer; Jarren, Volker,  Der Salzschmuggel 1815-1854, In: Teuteberg, Hans-Jürgen (Hg.), Westfalens Wirtschaft am Beginn des „Maschinenzeitalters“, Dortmund 1988, S.269f; Ders., Salzschmuggel und Salzschmuggelbekämpfung in den Preußischen Westprovinzen, Paderborn 1992; Westheider, Rolf, Versmold. Eine Stadt auf dem Weg ins 20. Jahrhundert, Bielefeld 1994; Piasecki, Peter, Salzhandel und Salzhandelspolitik im Paderborner Land vom 16.bis 19. Jahrhundert, in: Hocquet, Jean-Claude und Palme, Rudolf (Hg.), Das Salz in der Rechts- und Handelsgeschichte, Schwaz 1991, S.155f

[2] vgl. Westheider 1994, S.196

[3] vgl. dazu Piasecki 1991, S. 161/162

[4] Amtsblatt der königl. Regierung in Arnsberg 1816, S. 61-64; vgl. auch Stockmann, S.139

[5] Jarren 1992, S. 170

[6] Amtsblatt Arnsberg 1816, S.61-64

[7] Jarren 1988, S.270; der Pfundpreis im sog. Detail-Salzhandel schwankte in Preußen bis 1842 je nach Entfernung zu den Faktoreien zwischen 13 und 15 Pfennigen.

[8] vgl. Akte 13 des Depositums

[9] Nach: Amtsblatt Arnsberg 1816 S. 85ff; Köhler, Beschreibung, S. 45/46

[10] Akte 30, erstes Aktenstück

[11] nach Akte 13 des Sälzerdepositums, tlw. eigene Berechnungen

[12] S.56

[13] Akte 30 „Personalsachen“ des Depositums

[14] Marcus, Wolfgang, Salzfaktoren in Westernkotten; in: Aus Kuotten düt un dat Nr.46, 1992, dort auch nähere Quellenangaben

[15] Akte 30 des Depositum

[16] nach Ausweis von Akte 30 des Depositums

[17] Stockmann S. 139/140

[18] Stockmann  S. 163

[19] Stockmann S. 163/164