Was verdienten die Salzinteressenten?

Was ein „Salineninteressent“ in Westernkotten um 1850 am Salz verdiente

Von Wolfgang Marcus, Bad Westernkotten

Von 1816 bis 1867 mußten die preußischen Salinen praktisch das gesamte Salz, das sie produzierten, an staatliche Salzfaktoreien verkaufen. Es herrschte das sog. Preußische Salzmonopol. Der Staat legte die maximal zu erzeugende Salzmenge sowie den Erzeugerpreis für die Salinen sowie den Verkaufspreis (ab 1820: 15 Thaler pro preußische Tonne) des Salzes fest. Zeitweilig ordnete er sogar für die Verbraucher eine Mindestabnahmemenge an. Staatliche Planwirtschaft fast in Reinkultur!

In regelmäßigen Abständen wurden die an die Salinen gezahlten Preise überprüft. In diesem Zusammenhang erfahren wir auch etwas darüber, was die Salineninteressenten, d.h. die Eigentümer der Salinen, damals mit dem Salz verdienen konnten. Die Salineninteressenten in Westernkotten seit etwa der Mitte des vorigen Jahrhunderts waren die Herren von Landsberg und von Papen sowie die Familien Bredenoll, Jesse und Löper sowie der Fiskus, also Preußen.

Um 1840 stellten sich die Anteile nach Aussage des von Landsberg’schen Rentmeisters Köhler wie folgt dar:

von Landsberg                                    7  5/6   Anteile

von Papen                                          3            „

Gebr. Bredenoll                                  1  1/3     „

Erben Jesse                                       1            „

Erbsälzer Löper                                      5/6     „

Der Fiskus (Landesherr)            1            „

15          Anteile

 

Hier kann keine umfassende, für jedes Jahr detaillierte Antwort auf die Frage nach der Höhe der Produktionskosten – den „Selbstkosten des Salzes“ – sowie dem verbleibenden Gewinn gegeben werden. Beispielhaft soll eine Aufstellung des Salzfaktors und Salinenadministrators Wilhelm Weierstraß aus dem Jahre 1850 vorgestellt werden [vgl. Akte 13 im Depositum Pfännerschaft Saline Westernkotten].

Am 5.2.1850 bekommt Weierstraß nämlich den Auftrag und die Aufforderung vom Oberbergamt aus Bonn, sich „gutachtlich über die Höhe der Selbstkosten des Salzes auf dem pfännerschaftlichen Salinenantheil der Saline Westernkotten während der letzten 5 Jahre zu äußern“ und dabei speziell „zu berücksichtigen, auf wie hoch die Zinsen der auf Melioration der Salinenbetriebs-Vorrichtungen verwendeten Kapitalien sich belaufen und welchen Einfluß der, seit 1848 beträchtlich verminderte, Kohlenpreis auf die Selbstkosten des Salzes künftig äußern wird.“ Hier wird schon deutlich, dass das Oberbergamt eine Preissenkung im Auge hatte und diese fachlich begründen wollte.

Weierstraß antwortet mit Datum vom 26.3.1850. Nach einführenden Erläuterungen, wie er zu den Zahlen gekommen ist und daß sie „der Wahrheit ziemlich nahe kommen“, folgt die folgende Aufstellung:

„Annähernde Ermittlung der Produktionskosten einer Tonne Salz bei der Privat-Saline Westernkotten von 1845 – 1849″

Die Privat-Interessentschaft hat jährlich 8545 Tonnen à 405 Pfund [= 175  heutige Tonne] für die Debits-Verwaltung und ca. 75 Tonnen Pachtsalz, Summa 8620 Tonnen zu gradieren.

Es betragen die Produktionskosten, insoweit sie bekannt, oder zu schätzen sind:

  • 1. An Besoldungen für 4 Verwaltende 400, 200, 80, 60 Thl. = 740Thl
  • 2. Die Löhne für
  • a) den gewerkschaftlichen Salzwieger jährlich 186 Thl 20 Sgr
  • b) 6 Hüttenknechte, 3 Gradierer à 10 Thl monatl. 1080Thl
  • c) 4 dito à 15 Thaler monatlich 720Thl
  • d) 1 dito und 1 Gradierer à 8 Thl monatlich 192Thl
  • e) für Hülfsarbeiter überhaupt 60Thl
  • f) Unterhaltung v. 7 Gradierpferden m. Knechtslohn 1050Thl
  • g) für 1200 Scheffel Steinkohle zur Speisung der

von Landsberg’schen Dampfmaschine                     320Thl          =3608Thl 20

  • 3. Für Materialien
  • a) Steinkohle zu 8620 Tonnen Salz à 3 ¾ Scheffel pro Tonne

und zum Preise von durchschnittlich 8 Sgr                                         = 8620Thl

  • b) für Brennholz, Stroh, Mauerziegel, Pumpenleder, Hanf,

Pfannenblech, Oel zur Erleuchtung und Schmierfett betrugen die

Ausgaben für die landesherrliche Siedeanstalt nach dem Durchschnitt

der letzten 10 Jahre 26 Thl 5 Sgr, macht für die 8 Privat-Siede-

anstalten, in Berücksichtigung, daß darunter 3 größere Pfannen, wofür

das doppelte berechnet wird                                                                       =287Thl 25

  • 4. Für Unterhaltung der Betriebsvorrichtungen und Geräthe

Die hierfür einschlägigen Kosten haben für den landesherrlichen

Antheil nach dem Durchschnitt der letzten 10 Jahre betragen nahe

40 Thl und werden hiernach für die Privat-Interessentschaft betragen    = 560Thl

  • 5. Meliorations-Bauten

Außer den Unterhaltungsbaulichkeiten sind bei dem gewerkschaft-

lichen Betriebsgebäuden Haupt-Reparaturen nicht und keine weiteren

Meliorationen, als die Salzbohrversuche und die Röhrenfahrt nebst

Zubehör, zur Benutzung der Soole aus dem Bohrloch No.1 vorgekom-

men. Die daselbigen Ausgaben haben für die Privat-Interessentschaft

bis circa 1849 betragen 10340 Thl

Die Zinsen dafür betragen à 5 Prozent                                               =         517Thl 19

  • 6. Abgaben und Gefälle
  • a) Grundsteuer, veranschlagt zu = 51 Thl
  • b) Gewerbesteuer, bekanntlich 214 % = 168 Thl
  • c) Säure-Societäts-Beiträge etwa = 100 Thl
  • d) Von ca. 26 Tonnen Pachtsalz an Private jährlich =210 Thl
  • e) Geldrente =306Thl10

Die gesamten Kosten der Produktion betragen also               =    15169Th l4Sg

 

8545 Tonnen, die verkauft wurden, machen pro Tonne   1 Thl 23 Sgr 3 Pf.“

 

Abschließend fügt er hinzu, daß der Rückgang der Steinkohlenpreise  auf 6 Sgr pro Scheffel einen Rückgang der Produktionskosten pro Tonne auf 1 Thl 15 Sgr 10 Pf  bewirken wird. Die Produktionskosten für den landesherrlichen Anteil gibt Weierstraß für 1849 mit 1 Thl 16 Sgr 1Pf an.

Wenn man berücksichtigt, daß der Staat in dieser Zeit für 6500 Tonnen „gewöhnliches Quantum“ 4 Reichstaler pro Tonne zahlte, lag für dieses Quantum der Gewinn für die Pfännerschaft bei mehr als 2 Reichsthalern pro Tonne. Für weitere 2500 Tonnen „Mehrquantum“ zahlte der Staat 2,4 Reichsthaler (2 Reichsthaler und 12 Sgr); hier lag die Gewinnspanne also etwa bei 1 Reichstaler.

Noch weitere Zahlen: Zieht man die von Weierstraß ermittelten jährlichen Produktionskosten von 15169 Reichsthalern und 4 Silbergroschen von dem von ihm für 1849 ermittelten Geldwert der Produktion der 14 Privatanteile von 30170 Reichsthalern ab, so verbleibt ein Jahresgewinn von fast genau 15 000 Reichsthalern für alle Privatinteressenten. Für 1 Anteil ergibt das immerhin die schöne Summe von circa 1007 Reichsthalern, immerhin etwa das 8fache, was ein Gradierer pro Jahr verdiente.

 

Wenig später, 1853, senkte der Staat dann tatsächlich den Preis, den er noch für das Salinensalz zu zahlen bereit war. Für die Jahre 1853 bis 1855 errechnet Weierstraß [in einem Schreiben an den Landrat in Soest vom 13.12.1855, Akte 13 Sälzerdepositum] dann auch nur noch einen Reinertrag pro Pfannenanteil von etwas mehr als 832 Reichstaler pro Pfannenanteil; vor allem begründet er das mit niedrigeren Preisen, die von der Salzdebits-Verwaltung seit dem neuen Salzlieferungsvertrag ab 1853 pro Tonne gezahlt werden.

 

Richtig „in den Keller“ gingen die Preise dann nach 1867, als das Monopol aufgehoben wurde und sich die Salinen vor allem der Konkurrenz der Steinsalzbetriebe stellen mußten. Diesen übermächtigen Gegnern mit äußerst geringen Produktionskosten waren sie auf Dauer nicht gewachsen. So wurde zum Beispiel die Salzproduktion in Salzkotten bereits 1906 eingestellt, in Werl im Jahre 1919. Die Saline in Westernkotten war immerhin noch bis 1949 in Betrieb!

 

Quellen und Literatur:

1. Akten der „Pfännerschaft Saline Westernkotten“ im Staatsarchiv Münster

2. Marcus, Wolfgang u.a.(Hg.), Bad Westernkotten. Altes Sälzerdorf am Hellweg, Lippstadt 1987

 

 

Abbildungen:

1. Das Schloß in Erwitte. Die Familie von Landsberg hatte den größten Anteil an der Saline Westernkotten

2. Das Haus der Sälzerfamilie Bredenoll stand dort, wo sich heute die neue Kirche in Bad Westernkotten befindet. Es wurde im April 1974 abgerissen. (Aufnahme von 1965)

3. Das ehemalige Haus der Erbsälzerfamilie Löper stand in der Straße Wolfsangel (heute Hof Westerfeld).

4. 1996 weilte ein Nachfahrer der Erbsälzerfamilie Löper, Dr. Rudolf Loeper aus Schweden, in Bad Westernkotten. Hier im Gespräch mit Josef Westerfel