Kindergarten St. Elisabeth 75 Jahre

[aus: Heimatblätter 1996]

1921-1996: 75 Jahre Kindergarten in Bad Westernkotten

von Wolfgang Marcus (Bad Westernkotten)

Einführung

Die Erziehungslehre befaßte sich erst seit dem Beginn der Neuzeit mit der Erziehung des Kleinkindes. Es waren Humanisten des 15. und 16. Jahrhunderts wie der Italiener Mapheus Vegius (1406-1458) und der Franzose Michel de Montaigne (1533-1592), die zeitgleich mit der „Entdeckung des Kindes“ in der Kunst des Abendlandes, beginnend  bei der Darstellung des Christkindes,  systematischere Überlegungen anstellten.

Erst in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts trat die Kleinkindererziehung außerhalb der Familie in das pädagogische Blickfeld. Dabei standen sich später zwei Grundmodelle gegenüber: Einmal die „Bewahranstalten“, erstmals im Jahre 1802 von der Landesfürstin Pauline von Detmold ins Leben gerufen, sowie die „Kleinkinderschulen“, die von Schottland aus (Robert Owen) ab 1819 auch in Deutschland (Friedrich Wadzeck) Eingang fanden und stärker die „Leistungsbefähigung“ betonten. Zu den vorgenannten Grundtypen trat ab 1840 der „Kindergarten“ Friedrich Fröbels (1782-1852), der – orientiert am Bürgertum seiner mitteldeutschen Umwelt – den Kindergarten als eigenständige Bildungseinrichtung entwickelte.

In Preußen wurde erst mit Erlaß vom 9.12.1930 das Namensproblem und damit auch ein gewisser „Richtungsstreit“ der Kleinkinder-Tageseinrichtungen durch die Benennung „Kindergarten“ beendet.

Auf katholischer Seite leisteten über viele Jahrzehnte die Erziehungsorden den Kindergartendienst, zumeist verbunden mit der kirchlichen Armen- und Krankenpflege. Von Anfang an wurde die Tätigkeit der Ordensfrauen von Vereinen (Elisabethvereine, Vinzenzkonferenzen) sowie von Pfarreien und Stiftungen stark unterstützt.[vgl. hierzu und zum vorhergehenden: Kessels, Johannes, Geschichtliche Quellen der Kindergartenarbeit; in: Der Kindergarten Bd. 1, Herder Verlag,  S. 190 – 212].

 

Im Bereich der Stadt Erwitte gibt es heute 8 Kindergärten bzw. Tageseinrichtungen für Kinder. Daß Kindergärten hier erst eine „Erfindung“ der jüngeren Vergangenheit sind, belegt die folgende Übersicht, die die Entstehungszeit der 8 Einrichtungen wiedergibt:

1. Marienkindergarten Erwitte, eröffnet: 1906

2. Kath. St. Elisabeth-Kindergarten Bad Westernkotten:17.5.1921

3. Kath. Josefskindergarten Erwitte: 1965

4. Katholischer Kindergarten Horn: 1970

5. Städt. Kindergarten Erwitte: 1.8.1974

6. Tageseinrichtung für Kinder der Evgl. Kirchengemeinde, Bad Westernkotten:30.8.1992

7. DRK-Kindergarten Bad Westernkotten: 1.9.1996

8. AWO-Kindergarten Stirpe: 1.10.1996

 

Die beiden ältesten Kindergärten in der Stadt sind von Schwestern der Armen Dienstmägde Christi eröffnet worden. Die starke Zunahme von Kindergärten und Kindergartenplätzen ab den 60er Jahren ist neben dem Bevölkerungswachstum vor allem auch auf den seit dem 1.1.96 geltenden Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz für Kinder von 3 bis 6 Jahren zurückzuführen.

Die nachfolgende Darstellung der Geschichte des ersten Kindergartens in Bad Westernkotten orientiert sich in ihrer Gliederung an den drei bisher genutzten Räumlichkeiten und geht vor allem auf äußere Entwicklungen und Veränderungen ein. Die Veränderungen im pädagogischen Bereich werden nur am Rande gestreift.

I. 1921-1932: „Kleinkinderbewahranstalt“ im Elisabethheim

Am 17. Mai 1921 eröffneten einige Schwestern der Ordensgemeinschaft der Armen Dienstmägde Jesu Christi aus Dernbach, die 2 Wochen vorher das sog. Elisabethheim an der Aspenstraße/Ecke Schützenstraße als neue Niederlassung bezogen hatten [vgl. dazu Heimatblätter 1992, S.42-48]in einem der Räume in Parterre den ersten Kindergarten in Bad Westernkotten. Der Kindergartenraum war von der Gartenseite zu erreichen. Nach einem Vorraum mit Toilette und Putzraum gelangte man über drei Stufen in den Kindergartenraum [Mtlg. v. Willy Probst vom Juni 1981]

Vor der Eröffnung war von der Gemeinde die ministerielle Genehmigung dazu eingeholt worden. Darin heißt es u.a.:“Zugleich wollen wir der genannten Genossenschaft [den Dernbacher Schwestern] widerruflich gestatten, … die Pflege und Unterweisung von Kindern katholischen Bekenntnisses, die sich noch nicht in schulpflichtigem Alter befinden, in der daselbst neu zu errichtenden Kleinkinderbewahranstalt … zu übernehmen“[nach: Kronik des Elisabethheims, angelegt von der Schw. Oberin; Original in Dernbach]. Die politische Gemeinde überließ den Schwestern für den Raum einige alte Schulmöbel, die Schwestern aus Erwitte spendeten Spielzeug.

In nüchternen Worten beschreibt die „Kronik“ die Anfangschwierigkeiten:“Es meldeten sich ungefähr 35 Kinder, welche erst auch alle kamen, aber so nach und nach auch wieder ausblieben; und man sagte uns, die Kinder seien die Freiheit gewöhnt. Doch es kamen auch wieder neue Anmeldungen, und nach vierteljähriger Tätigkeit hatten wir wieder im Durchschnitt 25-30 Kinder.“

So war der Anfang gemacht, und für mehr als 40 Jahre haben die Dernbacher Schwestern nicht nur im Bereich des Kindergartens segensreich gewirkt. Folgende Schwestern haben in diesen Jahren den Kindergarten geleitet:

Schwester Hermella, vom 17.5.1921 bis 1926

Schwester Stefanita, von 1926 bis 1957

Schwester Hermella, von 1957 bis März 1962.

II. 1932- 1965: Ein-Gruppen-Kindergarten in der Scheune neben dem Elisabethheim

In den Jahren bis 1930 stieg die Zahl der Kindergartenkinder beständig an (1930: 53 Kinder), so daß der Raum im Elisabethheim bald viel zu eng wurde. So mußte an eine neue Unterkunft gedacht werden. Am 20. Oktober 1931 begannen deshalb Umbauarbeiten an der hinter dem Elisabethheim gelegenen Scheune. Am 7.Juni 1932 fand durch Pfarrer Schreckenberg die feierliche Einweihung statt. Dazu berichtet der „Patriot“ vom 8.6.1932:“Westernkotten, 7.Juni. Einweihung des Kindergartens. Der Sonntagnachmittag war für unsere Ordensschwestern und die ganze Gemeinde ein Freudentag, denn der neue Kindergarten erhielt die kirchliche Weihe. Vor 9 [?] Jahren war hier bereits eine Bewahrschule eröffnet im St. Elisabeth-Heim. Beim Bau dieses Heimes hatte man nicht an eine solch große Schule gedacht, weshalb kein geeigneter Raum vorgesehen war. Ein größeres Zimmer mußte als Schule dienen. Der enge Raum, insbesondere der Mangel an den nötigen Nebenräumen wie Waschraum, Kleiderablage, war auf die Dauer für die Kinder unerträglich; es mußte mit Schließung seitens der Aufsichtsbehörde gerechnet werden. Nun ist es gelungen, eine vorhandene Scheune zu einem schönen, allen Anforderungen entsprechenden Kindergarten umzubauen. Nicht bloß Bewahrschule, wo die Kleinen gut verwahrt und beschützt werden, vor Schäden an Leib und Seele, soll die Anstalt sein, sondern zugleich ein Garten, worin gearbeitet und erzogen wird. Die Arbeit der Schwestern ist Gärtnerarbeit. – Der Pfarrer dankte bei der Einweihungsfeier allen, die den Bau gefördert haben, insbesondere Bürgermeister Maurer (Erwitte) und Herrn Gemeindevorsteher Jesse von hier; auch allen Spendern und Handwerksmeistern wurden Worte des Dankes und der Anerkennung gewidmet. Zur Unterhaltung führten die Kleinen Spiele und Volkstänze auf, so daß die Festzeit nur zu schnell entfloh. Mögen dem neuen Garten voll Luft und Sonne viele gute Früchte gedeihen.“

Bis zum Ende des 2. Weltkrieges besuchten im Durchschnitt 40 bis 50 Kinder den Kindergarten. Bedeutsam aus dieser Zeit ist noch eine Anmerkung aus der „Kronik“ des Jahres 1937:“Kindergarten wurde in diesem Sommer nicht wie sonst bis 4 Uhr nachmittags gehalten, sondern bis 5.30 Uhr, was für die Landleute eine Erleichterung war.“

Die Chronik berichtet aus den Jahren bis zum 2. Weltkrieg fast ausschließlich von den Weihnachts- und Nikolausfeiern, die oft im Saal des Gasthauses Kemper durchgeführt wurden.

Mit Beginn des 2. Weltkrieges stieg die Zahl der Kinder wieder an, da aufgrund des Krieges auch kleine Kinder von 1 ½ Jahren aufgenommen wurden. Die Not der Zeit kommt in folgenden Zeilen aus dem Jahre 1942 besonders zum Ausdruck:“Schw. Stefanita gibt auch 4 Mal in der Woche Unterricht fürs erste und zweite Schuljahr, im Kindergarten. Weihnachten bekamen alle Kinder eine Tüte mit Backwerk. Geschenke wurden nicht ausgegeben, wegen der Not der Zeit; die Zutaten brachten die Kinder mit.“

1943 und 1944 spricht die Chronik von 80 (!) Kindern, die die Einrichtung durchschnittlich besuchten. Auch in den Nachkriegsjahren blieb die Zahl hoch: 1946 waren es 70-80 Kinder, 1947 sogar „mehr als 80″, und 1950 sind es dann immerhin noch 63.

Mit dem Jahr 1951 sinkt die Zahl auf 45 Kinder herab, erst 1955 werden wieder 50 Kinder gezählt, und dann bis 1962 jeweils 60-70 Kinder.

1954 berichtet die Chronik vom Besuch des Kreisarztes:“Der Kreisarzt besichtigte im Herbst unseren Kindergarten und ordnete an, daß die Wände im Flur mit 1,20 Meter hohen Hartfaserplatten zu machen seien, und im Kindergarten sei der Sockel in gleicher Höhe mit Ölfarbe zu streichen, da in den Wänden zu viel Salpeter sei.“ In der Pfarrgemeinde unter Pfarrer Becker wurde dazu eine Sammlung durchgeführt, die 410 DM erbrachte. Mit Hilfe eines weiteren Zuschusses in Höhe von 250 DM vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe konnten die vom Kreis angeordneten Maßnahmen 1955 ausgeführt werden.

Am 28.5.1957 verstarb die Kindergartenleiterin Schw. Stefanita, die 31 Jahre dem Kindergarten vorgestanden hatte. Sie wurde am 31.5. unter großer Beteiligung der Bevölkerung auf dem Friedhof in Bad Westernkotten beigesetzt. Schon am 9.5.1957 war Schwester Hermella als neue Kindergartenleiterin nach Bad Westernkotten versetzt worden.

In den Jahren 1959 und 1960 wurde der Kindergarten an die Zentralheizung des Elisabethheimes angeschlossen. Ferner installierte man Toiletten und Waschbecken für die Kinder. Der Spielplatz wurde asphaltiert, vergrößert und neu eingezäunt. Eine Halle zum Unterstellen größerer Spielgeräte wie Karussel, Kletterpilz und Rutsche entstand rechts neben dem Kindergartengebäude als Anbau. Die Gesamtkosten des Umbaus und der Renovierung beliefen sich auf 22 000 DM, die die Gemeinde, das Land sowie der Kreis Lippstadt und das Amt Erwitte aufbrachten.

Die Dernbacher Schwestern haben dann noch bis März 1962 den Kindergarten geleitet. Am 29. März verließen die letzten vier Schwestern das Elisabethheim und Bad Westernkotten, weil der Orden immer weniger Nachwuchskräfte bekam.

Die Betreung der Kinder wurde nun von „weltlichem“ Personal übernommen. Bis 1964 leitete Frau Renate Dettmann die Einrichtung, bis 1965 Frau Ursula Haupt.

III. Vom Bau des neuen Kindergartens 1965 bis heute

Vor allem aufgrund der großen Enge in der Scheune des Elisabetheimes, die immerhin schon mehr als 30 Jahre den Kindergarten beherbergte, entschloß sich die kath. Pfarrgemeinde bereits kurz nach Abschluß dessen Renovierung , einen Neubau zu errichten. Kaum vorstellbar ist es heute, daß in den Jahren 1962 bis 1965 teilweise bis zu 90 Kinder den eingruppigen Kindergarten in der ehemaligen Scheune des Elisabethheims besuchten!

Der neue Kindergarten wurde auf dem der Kirchengemeinde gehörenden Grundstück östlich des Elisabeth-Heimes gebaut. Die Einweihung fand am 19. November 1965 statt. Dazu heißt es in der Kirchenchronik:“Der 19.November war für die Gemeinde von Bad Westernkotten ein großer Festtag. Der neue Kindergarten, der Raum bietet für 100-110 Kinder, erhielt seine kirchliche Weihe. Der Herr Vikar Stemmermann feierte mit den Kindern und deren Müttern eine Betsingmesse in Gegenwart der beiden Kindergärtnerinnen Frl. Schulte und Christa Poppe, Dechant Neuwöhner, seinem Vikar Schöning und Pfarrer Becker. Dechant Neuwöhner hielt die Festansprache und vollzog die kirchliche Weihe. Pastor Becker übergab dann die Schlüssel an die Leiterin des Kindergartens.“

Die Bau- und Einrichtungskosten betrugen 203 602,25 DM.[Heimatbuch von 1987, S. 309]

Von 1965 bis 1967 leitete Frau Rita Schulte die neue Einrichtung, von 1967 bis 1979 stand sie unter der Leitung von Frau Rosel Jokel, genannte Tante Rosel.

Zwischenzeitlich war auch die ursprünglich für eine Erzieherin gebaute Wohnung im Gebäudekomplex mehrfach bewohnt, so unter anderem von Pater Alfons Zimmer, der sich am 18. August 1974 von der Gemeinde verabschiedete.[ebd., S. 315]

Als Bad Westernkotten am 1.1.1975 ein Stadtteil der neugebildeten Stadt Erwitte wurde, war auch der Kindergarten ein Thema:„Auch der Kindergarten war vor der kommunalen Neugliederung ein heftiges Diskussionsthema. Die überdurchschnittliche Zunahme der Einwohnerzahl führte dazu, daß der 1965 von der kath. Kirchengemeinde neu errichtete 3-Gruppen-Kindergarten einfach nicht mehr ausreichte. Seit 1971 konnten nur noch Kinder nach Vollendung des 4. Lebensjahres aufgenommen werden. Als im Mai 1974 rd. 90 Kinder im Kindergarten waren, war sogar der Bau und der Standort eines zweiten Kindergartens der Gemeinde im Gespräch. Weitere 5 Jahre vergingen, bis der Kindergarten St. Elisabeth im Sommer 1979 erweitert und grundlegend renoviert wurde. Ebenso wie die frühere Gemeinde übernimmt auch die Stadt die sich aus dem Betrieb des Kindergartens ergebenden Fehlbeträge. Aufgrund des allgemeinen Geburtenrückganges löst sich das Platzproblem im Kindergarten allmählich“[Alfred Beste: in: Bad Westernkotten. Altes Sälzerdorf am Hellweg, Lippstadt 1987,  S. 265/266].

Bis 1978 war es rechtlich möglich, bis zu 30 Kinder in der Gruppe zu haben, so daß der Kindergarten teilweise von bis zu 90 Kindern besucht wurde. Ab 1979 bis heute sind im Durchschnitt je 25 Kinder in den drei Gruppen.

Frau Rosel Jokel leitete den Kindergarten bis zum 30.6.1979. Ihre Nachfolgerin wurde Frau Hildegard Petter, die bis heute an der Spitze der Einrichtung steht.

In ihre ersten Amtswochen fielen gleich umfangreiche Umbauarbeiten am Kindergarten. Von Oktober 1979 bis zum April 1980 mußten deshalb die Gruppen an anderer Stelle untergebracht werden: Zwei Gruppen hatten in diesen Monaten ihr Domizil im Pfarrzentrum „Johannes-Haus“ an der Kirche, eine Gruppe war im Elisabeth-Heim, damals noch Wohnhaus des Pfarrers, untergebracht.

Im Rahmen der Umbauarbeiten wurden nicht nur Intensivräume und eigene Waschräume für jede der drei Gruppen sowie eine Turnhalle gebaut, auch den Eingang verlegte man komplett von der Schützenstraße zur Bredenollgasse hin.

Die Wiedereröffnung fand im April 1980 statt.

Am Sonntag, dem 22. November 1981, feierte der Kindergarten unter dem Motto „60 Jahre St.-Elisabeth-Kindergarten und Elisabethheim Bad Westernkotten“ Geburtstag mit morgentlichem Empfang und einem „Tag der offenen Tür“, an dem auch eine kleine Ausstellung zur Geschichte der Einrichtung präsentiert wurde.[vgl. Chronik der Kirchengemeinde Bd.II, S.5]

Seit dem 1.1.1982 liegt die Verwaltung der Finanzen des Kindergartens beim Gemeindeverband Hellweg [ebd. S.14].

1984 deutete sich an, daß der Kindergarten zu wenig Anmeldungen bekam. Dazu die Kirchenchronik [aaO S.15/16]:“Im April hatten wir Sorgen mit der Belegung unseres Kindergartens St. Elisabeth. Nach den Entlassungen der schulpflichtigen Kinder im Juni und den Neuanmeldungen hätten wir dann nur noch 59 Kinder für den Kindergarten, der 75 Kinder in drei Gruppen faßt. Aber schon im Juli wichen unsere Sorgen, da immer mehr Kinder nachträglich angemeldet wurden. So konnte die Schließung einer Gruppe und Entlassung von Personal verhindert werden.“

Am 19. November 1986 feierte der Kindergarten St. Elisabeth sein 65jähriges Bestehen. Aus Anlaß dieses Jubiläums war um 10 Uhr ein Festhochamt, um 14 Uhr im Kindergarten „Tag der offenen Tür“ mit einer Cafeteria und viel Spiel und Spaß.[vgl. Karl-Heinz Koch; in: Bad Westernkotten. Altes Sälzerdorf… S.318]

In diesen Jahren und Jahrzehnten hat sich die Arbeit am Kind und mit den Kindern immer wieder gewandelt. Aus der Fülle der besonderen Ativäten seien hier nur einige genannt: Weihnachtsbasare, Kindergottesdienste mit anschließendem Frühstück für Eltern und Kinder in der Einrichtung, Beteiligung an Seniorennachmittagen usw., Besuche bei örtlichen privaten und öffentlichen Einrichtungen, regelmäßige Kontakte mit der Grundschule, Buchausstellungen, eine Hilfsaktion für Kroatien 1993, in 1996 Unterstützung des aus Langeneike stammenden und in Brasilien tätigen Entwicklungshelfers Matthias Knüppel uvm.

Auch baulich hat sich in den letzten Jahren noch einiges getan: Jahrelang hatte das verschachtelte Flachdach des Elisabeth-Kindergartens Probleme gemacht. So entschloß sich der Kirchenvorstand 1992, eine neue Dachkonstruktion mit Pultdächern zu installieren. Die Bauarbeiten begannen am 23.11.1992 [vgl. Chronik 1992 von Bad Westernkotten; in: Aus Kuotten …Nr.48]. Am Nachmittag des 12. und  am ganzen 13. Januar 1993 mußten die Kinder des Kindergartens zu Hause bleiben, da es im Zuge der Dachsanierungsmaßnahmen und infolge anhaltenden Regens in einige Räume kräftig hineingeregnet hatte.[Ortschronik 1993, S. 163]. Die Bauarbeiten wurden im Frühjahr 1993 abgeschlossen.

Eine neue Heizung bekam der Kindergarten am 21./22.2.1994. Eine Woche vorher, am 15.2., war die alte Anlage wieder einmal ausgefallen, und bei 10 Grad Frost Außentemperaturen hatten sich die Räume so sehr ausgekühlt, daß die Kinder wieder nach Hause geschickt werden mußten.[Ortschronik 1994, S. 231]

– Auch der Spielplatz des Kindergartens ist immer wieder den Erfordernissen der Zeit angepaßt worden. So bauten Eltern am 3.6.89 einen Aussichtsturm mit Rutsche, am 26.3.94 legten Eltern und Kinder einen naturnahen Spielbereich aus Weidenzweigen an, und im Frühjahr 1996 wurde der gesamte Spielplatz nochmals durch eine Fachfirma verschönert.

Nachdem auch der gesamte Innenbereich im Sommer 1996 erneuert und farbenfroh gestrichen wurde, präsentiert sich der Elisabeth-Kindergarten im 75. Jahr seines Bestehens nicht nur äußerlich einladend und frisch. 3 Erzieherinnen (Frau Petter, Frau Coböken, Frau Schäfers) und 5 sog. Ergänzungskräfte arbeiten derzeit in der Einrichtung und sind vielen Kindern des Ortes bei ihrer Selbstverwirklichung und Lebensgestaltung behilflich, getreu dem Worte Jesu:“Wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf.“ (Mt 18,5)

Die Feiern zum 75jährigen Bestehens des Kindergartens finden am Sonntag nach dem Namenstag der heiligen Elisabeth (19.11.) statt.-

Mehr als 70 Jahre war der St.-Elisabeth-Kindergarten die einzige Einrichtung dieser Art in Bad Westernkotten gewesen. Erst mit der Eröffnung des „Regenbogens“ am 1.9.1992, einer in Trägerschaft der evangelischen Kirchengemeinde stehenden Tageseinrichtung für Kinder, ist dieser Zustand beendet worden. Und seit der Eröffnung eines Ein-Gruppen-Kindergartens des Deutschen Roten Kreuzes an der Spielplatzstraße am 2.9.1996 verfügt Bad Westernkotten nun bereits über drei Kindergärten. –

 

Bildunterschriften

1. Das Elisabethheim beherbergte von 1921 bis 1932 den Kindergarten

2. Im Jahre 1964 begannen die Arbeiten am Drei-Gruppen-Kindergarten. Hinten rechts im Bild die ehemalige Scheune, die den Kindergarten von 1932 bis 1965 beherbergte

3. Der Kindergartenspielpatz bis 1965 (Foto von 1964; aus dem Elisabethheim aufgenommen)

4. Im Winter 1964/65 war der Rohbau des Drei-Gruppen-Kindergartens schon in seinen Konturen erkennbar. Im Hintergrund das Bredenoll-Haus, wo sich heute die kath. Pfarrkirche befindet.