Herrengasse von Gemeinde gekauft

[aus: Vertell mui watt, Nr. 344, 2008]

1830: Die Gemeinde Westernkotten kauft ein Grundstück zur Anlegung der Herrengasse

Von Wolfgang Marcus, Bad Westernkotten

Von Werner und Brigitte Niggenaber, Aspenstraße 1, bekam ich am 24.9.2007 einen kleinen Aktenbestand, der unter anderem folgende Vereinbarung enthält:

Kaufvereinbarung

Zwischen Joseph Nigenaber genannt Rustige dahier und dem Ortsvorstande ist folgende Vereinbg. über die Abtretung und den Verkauf einer Gaße von seinem Garten hinter seinem Wohnhause zustande gekommen.

1/

Der Joseph Nigenaber überläst der Gemeinheit Western­kotten eine Durchgangsgaße, vom Kirchhofe bis zum Bache führend, von seinem hinter seinem Wohnhause belegenen Garten nach Süden hin, und zwar in einer Breite von fünf Fuß rheinländisch.

2/

Der Joseph Nigenaber erhält dafür von der Gemeinheit Westernkotten achtzig Thaler Berliner Curant, und tritt die Gemeinheit sofort in Besitz.

3/

Die Gemeinheit verpflichtet sich den ersten Zuschlag nach Norden mit einer trockenen Hecke zu machen, dahingegen übernimmt der Joseph Nigenaber, hinter dieser trockenen Hecke künftiges Frühjahr eine grüne Hecke zu setzen, und diese für immer in einem Zuschlag zu halten, dahingegen verpflichtet sich die Gemeinheit an beiden Eingängen der Gaße eine Stange zu setzen.

4/

Nach erfolgter höherer Genehmigung wird ihm obiger Kaufschilling sofort aus der Communalkasse gezahlt.

Vorgelesen, genehmiget und unterschrieben

Westernkotten, den 3.May 1830

Joseph Nigenaber

Löper,  Jesse, Fr.

 

Anmerkungen

  • Ÿ Der Vertrag ist mit Schreibmaschine getippt, es handelt sich also wohl um eine Abschrift des Originals.
  • Ÿ Bei der genannten Gasse handelt es sich eindeutig um die heutige Herrengasse, die die Aspenstraße und damit den genannten „Bach“ mit dem „Kirchhofe“ verbindet.
  • Ÿ Vermutlich ist Joseph Niggenaber ein Vorfahre des heutigen Werner Niggenaber. Das Anwesen Niggenaber hat damals noch nicht bei Hausnummer 1, sondern 3 gelegen (heute Seniorenheim „Am Osterbach“). Denn für dieses Anwesen ist auch der Hausstättenname „Rustige“ überliefert. Das erklärt auch, warum dieser Vertrag sich bei Familie Niggenaber befunden hat.
  • Ÿ Ob die Gasse schon als privater Fußweg auf dem Grundstück Niggenaber bestand, ist nicht ganz eindeutig. Auf jeden Fall spricht die angesprochene Eingrünung dafür, dass der öffentliche Charakter nun (durch Abgrenzung) auch betont werden soll.
  • Ÿ Beim unterzeichnenden Ortsvorstand handelt es sich um Johann Löper, geb. 1801, der lange Zeit im Gemeindevorstand von Westernkotten tätig war und auch von 1841-45 dem Westfalenparlament in Münster angehörte. Fr. Jesse ist der Gutsbesitzer und Gastwirt Franz (Christian Wilhelm) Jesse, *17.6.1788, +18.8.1854. Er war der Vater von Reinhard Jesse, ebenfalls langjähriges Mitglied des Westfalenparlaments.