Salzindustrie prägt Dorfmitte 1829

Das Dorfzentrum von Westernkotten im Jahre 1829,

geprägt von Einrichtungen der Salzindustrie

von Wolfgang Marcus

[aus: Aus Kuotten düt un dat 1994, Nr. 68]

Dorfzentrum 1829 Salzindustrie(1)

Der abgebildete Lageplan stammt aus dem sog. Urkataster aus dem Jahre 1829 und ist von mir leicht umgezeichnet worden. Er macht anschaulich, wie sehr die Dorfmitte zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch von Einrichtungen der Salzindustrie geprägt war.

Zur besseren Orientierung seien zunächst einige mar­kante Punkte benannt: Unten rechts in der Karte ist der Grundriss der alten Kirche zu sehen. Am rechten Kartenrand verläuft die Osterbachstraße, in der Bild­mitte ist die Nordstraße, die seinerzeit beim heutigen Edeka-Markt endete und ihre Fortsetzung in der Leck­hausstraße erfuhr, zu sehen. Rechts im Karten­ausschnitt der auch heute noch vorhandene markante Bogen der Weringhauser Straße, davon abzweigend die heutige Salzstraße.

Nun zu den Einrichtungen der Salzindustrie.In der Kartenmitte sind die drei Salzbrunnen, die ur­sprünglich auf dem heutigen Königssood standen, zu sehen, markiert mit den eingekreisten Zahlen 1,2 und 3. Die Brunnen waren mit kleinen, etwa 4 Meter hohen Brunnenhäusern in Fachwerkbauweise überbaut. Von hier aus wurde die zu Tage geförderte Sole bis minde­stens 1845 durch ausgehöhlte Baumstämme („Röh­renfahrt“) zu den Gradierwerken geleitet, um die Sole zu einer „gesättigten Sole“ von etwa 20 Prozent Salzgehalt heraufzugradieren.Im Kartenausschnitt sind allein 7 Gradierwerke zu sehen (schwarze Längsbalken mit römischen Zahlen). Insgesamt gab es zur damaligen Zeit wahrscheinlich noch zwei weitere Gradierwerke, und zwar ein weiteres an der Weringhauser Straße (heute Park­-Café) und eins südlich der Kirche (Bredenoll’sches Gradierwerk). Die Gradierwerke In der Dorfmitte ge­hörten im Einzelnen:

  • I. und II: von Landsberg-Velen
  • III. Jesse
  • IV. und V: wahrscheinlich dem Fiskus
  • VI. und VII.: von Papen

Die Sole wurde seinerzeit mit Pferdegöpeln, die zum Teil überdacht waren, auf die Gradierwerke oder Sali­nen befördert: Die Ziffern 1, 3 und 11 geben die Stand­orte solcher „Rosspumpen“ an.Nachdem die Sole gesättigt war, gelangte sie wieder über Holzröhren zu den Siedehäusern oder Salz­hütten. Im Kartenausschnitt sind 11 Siedehäuser zu sehen, zu erkennen an den Großbuchstaben. Die Salzhütten gehörten:

  • A: Jesse
  • B: von Landsberg-Velen und Vernholz
  • C und D: von Landsberg-Velen
  • E: dem preußischen Staat
  • F: Johann Löper
  • G: von Papen
  • H, I und J: von Landsberg-Velen
  • K: von Papen

Um die Solepfannen in den Salzhütten zu erhitzen und die Sole zu verkochen, benötigte man viel Holz und Kohle. Holzplätze werden durch die arabischen Zahlen 2, 4, 5, 6, 12 und 13 gekennzeichnet. Kohlenplätze bzw. Kohlenhütten befinden sich bei den Zah­len 7, 8 und 10. Die Zahl 9 markiert den „landes­herrlichen Salinenplatz“. Mitten zwischen den Anla­gen der Salzindustrie sind Wohnhäuser mit Garten­flächen (schraffiert gezeichnet) zu sehen, deren damalige Bewohner gut aus dem Urkataster zu entziffern sind.Insgesamt zeigt der Kartenausschnitt anschaulich eine Momentaufnahme der Salzindustrie und ihrer nicht nur räumlich dominanten Ausprägung in Westernkotten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.