Der entwendete Richtkranz

[aus: Vertell mui watt, Nr. 345, 2008]

Der entwendete Richtkranz[1]

Von Franz Schütte (+), Bad Westernkotten

 

Et ligg all trügge niu recht wuit

Et was owwer noh in Friedenstuit,

den Luien genk et gutt und recht,

de Landwirtschaft, se was noh echt.

De moisten Luie dächten dran

Wie man suin Wiärks verbiärtern kann

 

Do was denn äuk in oinem Duarpe,

-ick gloiwe et het Priumenkuorten –

nen echten, gurren, fluitigen Mann,

de woll wuahl äuk an Buggen ran.

Hoi koik sick oines Dages dann

Suin Wuhnhius van de Suite an:

„Ick fange äuk ti buggen an.“

 

Dat is niu oinmol säu in Kuotten,

dat säu ganz noge ächtern Duarpe,

do trecket sik entlank de Wall.

Im Winter, wenn’t dann duister all,

dann hett de moisten Fräuluie do Angest

„Ach, Quarterigge,“ segg Hüllengürts Jannes,

„Ick fange an, kuire nit säu Dummes,

ik hewwe duach twoi fluitge Jungens.“

 

Oines Dages, da herret dann wuit un bruit,

de Muierkers, de sin säu wuit.

De Schroiners harren no oinen Dag Tuid.

 

„Van Dage owwer goit an’t Richten dran,“

segg oines Dages der Biuersmann.

De Kranz was ferrig, gutt un schoin

Wie wät de foin up diän Dache iutsoihn.

 

Et was en Dag vür Biuernball,

de moisten Luie schloipen all,

in’t Wirtshius gegen säu’n paar Bengels,

dat wören Undüchte, owwer koine Engels.

De oine segg „Ha“ un de annere „Hott“,

bis dat opp en mol alle tesammenstoht.

Denn Nanni segg: „Ick giewe jiu en Liter ganz

Wann jiu näu halt diän Richtekranz.“

Schon genk et los, säu ganz vull Mut,

se harren drop ne wahne Wut.

 

Se wören iäben anne Bieke dran,

do fengen de Ruiens te blieken an.

Niu was man do,

de Gefoahr ganz noah.

„Ick goh ropper, diu blifst unnen,

hui in de Nögte is koin Brunnen.“

Als hoi ümmet nigge Hius dann loip,

do stonnt ne Leddere innen Keller doip.

Hoi kläddere rop bis uawen henne,

un harr duach koinen Kranz in Hännen.

Hoi was faste nagelt annen Spoier,

Stacheldroaht drümme, das was koin Plassoier.

Op oinmol genk de Dür dann uapen

„Karl, is de Kranz no uawen?“

 

„Jau, jau, de löppet mi duach nit weck.“

Do dachte de guare Klettersmann „Säu’n Dreck“.

Ick well in’t Duarp mol iäwen gohn

Un mi’n paar halen täu’n Schmierestohn.

De üärwesten Spruaten gengen gutt,

owwer do genk irgendwo wat kaputt.

Et gaff ne wahne Rappelerige

Un twoi Mann kriegen de Jauchewigge…

 

Niu genk et af, Hals üäwer Kopp,

de oine har no’n natten Schopp.

Un wo Jannes opstond, do soh man ne dröggen

De Kranz was nit mehr uawen te wäggen.

 

„Wegge diän Kranz no oinmol briuken,

dann mögge mol örndlik drup riuken. –

Niu niemet us dat nit säu wahne krumm,

man hiät us gistern saggt, fui wörn no wahne dumm. –

Sall niu de Kranz wuier uawen henne

Dann niemet ne an iut gurre Hänne.

Fui wett ne begoiten, recht un schlecht

Et was äuk ti viel, Richt- und Biuernfest.

 

 

 

 


[1] Dieses Textblatt bekam ich am 24.9.2007 von Werner und Brigitte Niggenaber. Mir ist nicht näher bekannt, wer Franz Schütte ist. Der hier geschilderte Absturz von der Leiter beim geplanten Diebstahl eines Richtkranzes muss sich beim Landwirt Schäfer gt. Hüllengürt am Ostwall in Westernkotten abgespielt haben. Die Diebe bekommen wie im Text erwähnt beim Absturz die „Jauchewigge“, das heißt nichts anderes, als dass sie in die Jauche = Gülle (wahrscheinlich in einer Miste) fallen und dadurch wie bei der Taufe „geweiht“ werden. Wolfgang Marcus