Schützenwesen 1653

Schützenwesen in Westernkotten 1653

Von Wolfgang Marcus, Bad Westernkotten

Der Schützenverein Bad Westernkotten führt als sein Gründungsjahr 1694 an und bezieht sich dabei auf die Inschrift auf einem silbernen Vogel an der Königskette.

Schon vorher hat es aber einzelne Schießveranstaltungen gegeben. Dazu erhielt ich jetzt einen deutlichen Hinweis aus dem Stadtarchiv Rüthen. Stadtarchivar Sommer schreibt [Schreiben vom 5.8.98 an den Verf.]:

„Im Bestand  S 8 [Stadtrechnungen, sog. Kämmereiregister] (1652/53, Seite 61 heißt es in Bezug auf die Schützen der Stadt Rüthen bei den Ausgaben des Jahres 1653:

‚den schützen hieselbsten auff das geladene freyschießen nacherm Westeren Cotten mitgeben 1 Reichstaler 11 Schillinge.‘ “

 

Das muß ein wenig erläutert werden: Freischießen wurden zumeist auf Einladung einer Stadt für die Schützen der Nachbarstädte in Form eines Preisschießens durchgeführt. Solche Veranstaltungen sind für Olpe 1582, Siegen 1497, Unna 1594, Hamm 1596, Brilon 1604, Rüthen 1607 und Paderborn 1614 für die Zeit vor dem 30jährigen Krieg überliefert sind.[Vgl. Sauermann, Dietmar, Geschichte des Schützenwesens im kurkölnischen Sauerland und am Hellweg; in: Sauerländischer Schützenbund (Hg.), Schützenwesen im kurkölnischen Sauerland, Arnsberg ²1986, S.13]

Das Freischießen in Westernkotten stellt insofern eine Besonderheit dar, als es zum einen bereits 5 Jahre nach dem 30jährigen Krieg stattfand und zum anderen eben nicht von einer Stadt veranstaltet wurde. Es ist zu vermuten, dass das Fest auf Einladung des örtlichen Adels stattfand, wahrscheinlich des Paderborner und Arnsberger Landdrosten Dietrich von Landsberg, Erbamtmann zu Westernkotten.

Dass in Westernkotten auch schon vor dem 30jährigen Krieg Vogelschießen stattgefunden haben müssen, belegt die Karte „Eigentliche Gelegenheit des Dorfs Westerenkotten“, die vor 1591 entstand und in der deutlich eine Vogelstange zu sehen ist.