Schützenstraße

Der Straßenname wurde 1941 eingeführt. In der erläuternden Schrift aus dem Jahre 1945 heißt es zur Erklärung dazu: „Führt zur Schützenhalle und zum Schüt­zenplatz.“

Schützenstraße 1

Schützenstraße 2

Schützenstraße 3

I. Zu den früheren Bewohnern des Hauses Schützenstraße 3 

Johann Caspar Hilgenhaus aus Westernkotten

und die Brennerei Schneider in Nuttlar

Von Wolfgang Marcus

[aus: Heimatblätter Lippstadt 2001, S. 153-155]

Im Juni 2001 bekam ich eine Anfrage von Herrn Karl Hilgenhaus aus Nuttlar, ob ich ihm bei der Erhellung der Familiengeschichte Hilgenhaus behilflich sein könnte. Sein Urgroßvater Johann Caspar Hilgenhaus stammt nämlich aus Westernkotten. Aus diesen Kontakten ist dieser kleine Aufsatz entstanden.

Johann Caspar Hilgenhaus

Johann Caspar Hilgenhaus wohnte in Westernkotten in der Schützenstraße 3 (heute Johannknecht), damals Hausnummer 149. Nach einer Urliste aller Einwohner Westernkottens aus dem Jahre 1864[1] wohnten in dem Haus die folgenden Familienangehörigen:

  • 1. Tagelöhner Johann Caspar Hilgenhaus, geb. 1833, kath.
  • 2. Seine Ehefrau Nette Könighaus, geb. 1827,
  • 3. Ihre Tochter Therese Hilgenhaus, geb. 1859
  • 4. Witwe Ad. Hilgenhaus, geb. 1793.

Die Familie Hilgenhaus (auch Hillenhaus oder Hilgenhues geschrieben) stammt – soweit es bisher zurückverfolgbar ist – aus Stirpe[2]. Am 24.11.1772 wird dort der Großvater des Johann Caspar, nämlich Johann Bernhard Hilgenhaus, geboren[3]. Als dessen Eltern werden (Adam) Wilhelm Hilgenhaus und Elisabeth Hoffmann, Eheleute aus Stirpe, genannt. Seine Frau Anna Bracht aus Berge heiratete er am 6.11.1794 und wohnte dann auch in Berge. Er war Leinweber. 1829 wird er in einer Quartierliste in Westernkotten, bereits in der heutigen Schützenstraße 3, geführt[4]. Bernhard Hilgenhaus muss also schon vor 1829 von Berge nach Westernkotten gezogen sein.

Bernhard Hilgenhaus verstarb in Westernkotten am 4. September 1830. Bei seinem Tod hinterließ er 7 Kinder. Eines davon war sein Sohn (Christian) Adam, geboren am 6. November 1802 in Berge. Auch er war Leinweber. Dieser hinterließ bei seinem Tod am 20.3.1852 in Westernkotten zwei minderjährige Kinder. Eines davon ist der oben genannte Johann Caspar Hilgenhaus.

Die Beziehungen der Familie Hilgenhaus zur Brennerei Schneider

Johann Caspar Hilgenhaus war am 29.6. 1833 in Westernkotten geboren. Seine Mutter Maria Cath. Gertrud Grüne stammte aus Klieve (Clive). In jungen Jahren heiratete er Nette Könighaus, die sechs Jahre älter als er war. Johann Caspar wird in der o.g. Urliste als Tagelöhner genannt, es ist aber bekannt, dass er damals bei der Likörfabrik Cobet in Lippstadt arbeitete.

Diese war 1851 an der Oststraße gegründet worden.[5]

1859 wurde die Tochter Therese geboren. Kurz nach 1864 verstarb dann seine Frau Nette geb. Könighaus und Johann Caspar war Witwer. 1869 verzog er nach Nuttlar.

Hier hatte der aus Bigge stammende Franz Schneider bereits im Jahre 1867 das erste Kolonialwarengeschäft Nuttlars gegründet. Durch den Bahnlinienbau und den dort tätigen Fremdarbeitern verdiente F. Schneider schnell sehr viel Geld.[6] „Von guten Erfolgen ermuntert gründete er schon zwei Jahre später mit seinem Schwager Vieregge eine Destillation- und Likörfabrik in Nuttlar auf dem Hammer. Vieregge war Reisender der Likörfabrik Cobet in Lippstadt und warb den Destillateur und Brennmeister Johann Caspar Hilgenhaus für seine Neufirma ab.“[7]

Nach Angaben von Karl Hilgenhaus[8] war Johann Caspar Hilgenhaus für Aufbau und Betrieb der Brauerei verantwortlich und führte sie zu einem über die Heimatgrenze hinaus bekannten Unternehmen, das auch heute noch mit seinen Produkten einen ausgezeichneten Ruf hat.

Auch privat orientierte sich Johann Caspar Hilgenhaus neu. Als Witwer heiratete er am 30. 9. 1871, also schon zwei Jahre nach seiner Ankunft in Nuttlar, die Lehrerstochter Susanna Meschede, mit der er noch drei Kinder hatte. Bei der Eheschließung werden übrigens der Kaufmann Schneider und Frau Vieregge als Trauzeugen genannt.

Johann Caspar Hilgenhaus verstarb am 4.12.1888 mit 55 Jahren in Ostwig. Aus dem Sterberegister der Pfarrei Velmede geht hervor, dass er bei seinem Tod drei minderjährige Kinder hinterließ, Elisabeth, Mathilde und Karl.[9]

Abbildungen

  1. Johann Caspar Hilgenhaus aus Westernkotten (1833 -1888)
  2. Johann Caspar Hilgenhaus mit seiner Frau Susanna und den drei Kindern (aus zweiter Ehe) Elisabeth, Mathilde und Karl
  3. Die Firma Schneider in Nuttlar auf einem alten Briefkopf. Hier arbeitete Johannes Hilgenhaus seit der Gründung 1869
  4. Die Firma Schneider, im Ruhrtal gelegen, auf einer alten Ansichtskarte

[1] vgl. Marcus, Wolfgang, Die Einwohner Westernkottens im Jahre 1864; in: Heimatblätter 1993, S. 97-101

[2] eine andere Quelle nennt Völlinghausen

[3] vgl. Taufregister S. Laurentius Jg. 1772, S. 509

[4] vgl. Bad Westernkotten. Altes Sälzerdorf am Hellweg, Lippstadt 1987, S. 140

[5] Nach Angaben von Herrn Alfred Wiese [in einem Telefonat am 4.8.2001] ist die Firma  später  von Herrn Franz Wedekamp gekauft worden. Sie ist heute Eigentum der Familie Brülle und befindet sich an der Merklinghauser Straße 13-17. Das bekannteste Produkt heute ist der „Josephstropfen“.

[6] vgl. dazu auch: Nuttlar, gestern und heute, Band 1, Seite 48; dort allerdings einige fehlerhafte Angaben

[7] Karl Hilgenhaus: 100 Jahre Raumausstattung Hilgenhaus, als Manuskript gedruckt, Nuttlar 1998.

[8] in einem Gespräch am 24.7.2001

[9] Jahrgang 1888, S. 101, Nr. 83

Schützenstraße 4

Ehemaliger Hof Gerling, Schützenstraße 4, später Schäferkämper Weg  32

[aus den Unterlagen zum 100jährigen Bestehen des Landw. Ortsvereins Bad Westernkotten im Jahre 2006] 

Lage des Betriebes:

Der Betrieb lag ursprünglich an der Schützenstraße 4 und wurde 1954/55 an den Schäferkämper Weg (heute: Café Gerling verlagert).

Zur Geschichte des Hofes und zur landwirtschaftlichen Produktion:

Anton Gerling (*23.9.1879 in Westernkotten, +21.4.1942), der Vater von Willi Gerling, stammte aus dem Hause Kaltner, Leckhausstraße, und war nachgeborener Bauernsohn. Er arbeitete zunächst auf der Union in Lippstadt. Dann heiratete er um 1900 Albertine Schäfermeier aus der Schützenstraße 4 und gründete mit ihr dort den Bauernhof. Vorher unterhielt hier der Vater von Albertine, Josef Schäfermeier (*1.4.1854, + 12.8.1913), eine Schreinerei, die spätere Schreinerei Schäfermeier an der Bruchstraße (heute Lippstadt). Josef Schäfermeier war vielseitig interessiert. Er war Innungsmeister, baute das erste Fahrrad und das erste Motorrad in Westernkotten.

Anton Gerling gelang es, durch Landkauf und Tüchtigkeit, den Hof weiter auszubauen. Er starb während des Kriegsjahres 1942. Als im Zweiten Krieg dann auch noch sein Sohn Anton fiel, kam Willi Gerling als nachgeborenem Sohn die Aufgabe zu, die Landwirtschaft fortzusetzen.

Willi Gerling hatte zunächst Schlosser gelernt und sollte Lokomotivführer werden. Er schulte dann um und ging auf die Landwirtschaftsschule. Schon 1948 übernahm der die Geschäftsführung der Schwarzbunten Zuchtgenossenschaft. Sein besonderes Hobby galt fortan der Züchtung von Bullen und vor allem Milchkühen mit hohen Qualitätsmerkmalen.

Am 13.5.1954 brannte der Hof in der Schützenstraße ab. Wegen der räumlichen Enge und fehlender Erweiterungsmöglichkeiten entschloss man sich, auszusiedeln und den Hof am Schäferkämper Weg neu zu errichten.

In den 1960er und 1970er Jahren errang Willi Gerling bei Kreistierschauen und Verkaufsaktionen häufig herausragende Leistungen. Sein Sachverstand war auch als stellv. Vorsitzender der Kreistierzüchtervereinigung Lippstadt gefragt. Mehr als 30 Jahre leitete er als Geschäftsführer die Geschicke der Schwarzbunten-Bullenhaltungsgenossenschaft.

Am 7.8.1975 brannten Scheune und Stallungen des neuen Hofes wiederum ab. Im Zuge der Umbaumaßnahmen entschloss man sich, auch ein Hofcafé anzulegen, da die Zukunft der Landwirtschaft nicht rosig erschien. Das „Café Gerling“ wurde am 15.2.1977 von den Eheleuten Willi und Gerda Gerling eröffnet.

Sohn Ulrich und seine Frau Ute geb. Pilk führen das Café und eine angegliederte Pension heute im Hauptberuf weiter. Später wurde die Terrasse als Wintergarten ausgebaut und draußen ein Biergarten angelegt.

Die Landwirtschaft besteht nicht mehr. Das Land ist verpachtet.

Hofeigentümer:

Ca. 1900 -1942                      Anton Gerling

1942 – 1944                           Anton Gerling (sein Sohn)

1945 – 1993                           Willi Gerling (Bruder) und Gerda

9.12.1993 bis heute              Ulrich Gerling (Sohn von Willi Gerling) und

Ute geb. Pilk.

Schützenstraße 5

Schützenstraße 6

Federzeichnung aus dem Jahre 1990

Das Bild zeigt den Hof Gudermann in einer Federzeichnung von Peter Poschadel.

 

Schützenstraße 7

Schützenstraße 8

Schützenstraße 9

Aufnahme vom 28.12.07

Schützenstraße 10

Schützenstraße 11

Aufnahme vom 28.12.07

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Schützenstraße 20

Hier stand früher der Hof Westerfeld

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Hof Hollenbeck-Bals

Hof Hollenbeck, Bals, ca. 2006.

Schützenstraße 27