Imkerverein

I. Aktuelles

II. Fotos

III. Zur Geschichte des Imkervereins Bad Westernkotten 1849-1987

[Der nachfolgende Beitrag ist dem Buch „Bad Westernkotten. Altes Sälzerdorf am Hellweg“, Lippstadt 1987, S. 411-412, entnommen.]

Die Wiege des Westfälischen und Rheinischen Bienenzuchtvereins hat in Westernkotten gestanden. Am 5. Juli 1849 traten auf Veranlassung des von Papen’schen Rentmeisters Franz Erdmann sieben „Volksfreunde“ zusammen und gründeten den ersten Bienen­zuchtverein in Westfalen und Rheinland. Es waren: Franz und Fritz Erdmann, Franz Hense, Franz Köhne (alle Westernkotten), Frempleaux (Erwitte), Lehrer Stork und Bauer Eickenbusch aus Bökenförde. Es gab schon vorher Imker in Westernkotten, aber sie bewirtschafteten ihre Völker sehr primitiv, und die Kenntnisse über den „Bienenstaat“ waren gering.

Durch die Vereinsgründung wollte Rentmeister Erdmann die Betriebsweise verbessern, das Wissen um die Bienen erweitern und breiteren Volksschichten einen kleinen Nebenverdienst verschaffen. Bereits am 22. Juli 1849 nahm der Verein auf Antrag des Lehrers Feldhege aus Benninghausen auch den Seidenbau in sein Programm auf.

Aufgrund eines Aufrufs des ersten Vorsitzenden, Lehrer Feldhege, bildeten sich schnell 8 weitere Vereine in Westfalen und Rheinland. So wurde auf einer Generalversammlung im Herbst 1849 ein Dachverband gegründet mit dem Namen“ Westfälisch-Rheinischer Verein für Bienenzucht und Seidenbau“. 1886 trennten sich dann die westfälischen von den rheinischen Vereinen. 1883 gab es in Westernkotten 49, 1893 schon 73 Bienenstöcke.

Während des 1. Weltkrieges galt die Hauptsorge der Vereinsführung des Westfälischen Haupt­vereins der Zuckerversorgung der Bienenvölker sowie der Mitversorgung der infolge Kriegseinberufung vieler Imker verwaisten Bienenstände. Da die Zuckerversorgung nur auf Amtsebene erfolgte, wurde am 4.2.1917 ein „Bienenzuchtverein für das Amt Erwitte“ gegründet, dem auch die Westernkötter Imker beitraten. Vorsitzender wurde Haupt­lehrer Probst aus Westernkotten.

Die Imker aus Westernkotten haben aus Anlass des 75jährigen Bestehens des West­fälischen Hauptvereins im Jahre 1924 wieder zu ihrer Selbständigkeit zurückgefunden und schieden damit aus dem Amtsverein Erwitte aus. Auf Veranlassung des Pfarrers Klausenberg aus Erwitte, selbst auch Imker, Bürgermeister Leo Jesse und Bauer und Imker Heinrich Eickmann wurden Vorbereitungen getroffen, einen Gedenkstein zur Erinnerung an die Gründer zu errichten. Am 1.5.1927 wurde es vor dem heutigen Kurhaus, der Gründungs­stätte des Vereins, enthüllt. Um- und Neubauten am Kurhaus führten dazu, dass es 1962 seinen jetzigen Platz im Kurpark fand. Das Denkmal ist aus Findlingen aufgebaut, trägt eine Bronzeplatte mit den Porträts der Gründer und die Inschrift: „Rentmeister Erdmann gründete hier 1849 den ersten westfälischen Bienenzuchtverein. Lehrer Feldhege, erster Präsident des ersten westfälischen Bienenzuchtvereins. “

Die Jahre des Hungers und des Wiederaufbaus nach dem 2. Weltkrieg belebten auch die Arbeit des Imkervereins. Neue Mitglieder, darunter mehrere geschulte, langjährige Imker aus den Reihen der Heimatvertriebenen aus Schlesien, schlossen sich dem Verein an. Heinrich Eickmann fand in Lehrer i. R. Riekenbrauck am 20.1.1950 einen würdigen Nachfolger. Nach seinem Tod wurde im März 1957 Heinrich Kerkhoff gewählt, der dem Verein auch heute noch vorsteht.

Während bei der 100-Jahr-Feier des Verbandes Lippstadt Tagungsort war und im Rahmen des Programms auch eine Busexkursion nach Westernkotten durchgeführt wurde, so war bei der 125-Jahr-Feier am 6. und 7. April 1974 Bad Westernkotten selbst Tagungsort der Landesverbände Rheinland und Westfalen. Viel Prominenz und ein abwechslungsreiches Programm gaben diesen Tagen einen festlichen Verlauf. Eine eigens erstellte Festschrift ist eine wahre Fundgrube zum geschichtlichen Werdegang der Imkerei in Westfalen.

Die Gebietsreform 1975 zog auch Bestrebungen der Imkervereine nach sich, diese deckungsgleich mit den neuen Orts- und Kreisgrenzen zusammenzufassen. Die Imker von Bad Westernkotten fühlen sich auch heute noch mit 12 Vereinsmitgliedern, die zusammen 185 Bienenvölker betreuen, zu einem eigenen Ortsverein in der Lage und der Tradition verpflichtet. Bei der Ausbildung und Schulung der Mitglieder wissen die Imker die Nähe des neuen Lehrbienenstandes in der Landwirtschaftlichen Lehr- und Versuchsanstalt Haus Düsse in Ostinghausen zu schätzen.