Tischtennisclub DJK

I. Zur Geschichte des Vereins bis 2002

[Der Beitrag von Jan Marcus ist der Festschrift der Kirchengemeinde aus dem Jahre 2002 entnommen.]

Vorbemerkung

Was hat ein Tischtennisverein in einer Kirchenfestschrift zu suchen?  Nun, wie es auf den ersten Blick scheint, außer dem Namen DJK [1] nicht viel: Die Mitglieder des hiesigen Tischtennisvereins besuchen die Kirche nicht häufiger als Mitglieder anderer Sportvereine, auch nimmt der Verein sehr selten an Aktionen des „Bund Deutscher Katholischer Jugendlicher“ (BDKJ) teil.

Dennoch gehört dieser Tischtennisverein in diese Kirchenfestschrift. Der Dienst an Gott besteht nicht nur aus dem Glaubens-, sondern auch aus dem Geschwisterdienst. Und Dienst an den Schwestern und Brüdern (nicht nur aus unserer katholischen Kirchengemeinde) leistet der TTC DJK Bad Westernkotten: Für die zahlreichen Kinder und Jugendlichen gibt es mit dem Tischtennisclub einen Ort, an dem sie sich regelmäßig [2] treffen können, anstatt vor Computer und Fernsehen zu sitzen. Den Vereinsmitgliedern werden christliche Grundhaltungen wie Fairness und Durchhaltevermögen antrainiert. Der Verein ist eine Gemeinschaft, in der jeder mit jedem spielt und in der Generationen verbunden werden, beispielsweise wenn der 78jährige Erwin Zimmer gegen fast 70 Jahre jüngere Mitspieler antritt. Der Mittelpunkt des Vereins ist somit der Mensch und nicht etwa das Geld, denn kein Spieler des Vereins erhält dafür Geld, dass er mit dem Zelluloidball spielt. In anderen Vereinen und anderen Sportarten (z.B. Fußball) ist dies anders.

Zur Geschichte des Vereins

Nach bisherigen Erkenntnissen gibt es mit dem heutigen Tischtennisverein DJK den vierten DJK- und den dritten Tischtennisverein in Bad Westernkotten:

1.       DJK Westernkotten (1920 – ca. 1923)

Die Deutsche Jugendkraft wurde als Bundesverband im Jahre 1920 in Würzburg als „Reichsverband für Leibesübungen in katholischen Vereinigungen“ von Carl Mosterts gegründet.[3]

Schon bald muss es auch in Westernkotten zu einer entsprechenden Gründung gekommen sein, wahrscheinlich im Rahmen des am 15.August 1919 unter Pfarrer Ronnewinkel gegründeten Jünglingsvereins („Jünglingssodalität“)[4]. Denn bereits für den 26. Juni 1921 erwähnt die Kirchenchronik ein Bezirksfest der Deutschen Jugendkraft des Rhein-Weser-Gaus in Westernkotten.

Weiter findet sich im Protokollbuch der politischen Gemeinde Westernkotten eine Erwähnung der DJK Westernkotten. So ging es im Protokoll vom 23.1.1922 um die Beschaffung eines Sportplatzes für den Verein Deutsche Jugendkraft. Die Gemeindevertretung verwies in diesem Zusammenhang auf eine bereits am 25.4.1920 getätigte Vereinbarung, wonach der Schützenplatz – der damals noch als Fußballplatz diente – mittwochs von der Jünglingssodalität [5], freitags vom Katholischen Arbeiterverein und montags, dienstags und donnerstags vom Fußballclub „Einigkeit“ benutzt werden durfte.[6]

2.  DJK Germania Westernkotten (1930-1934)

Der erste DJK-Verein muss dann aber bereits schnell wieder eingegangen sein, denn am 14.5.1930 ist von einer „Gründung“ und nicht einmal von einer „Neugründung“ die Rede. Aus dem Protokollbuch [7] der DJK Germania Westernkotten, das vom späteren Priester Anton Maßolle geführt wurde, geht hervor, dass auf der ersten Versammlung ungefähr zwanzig Personen erschienen waren, die den Vorstand mit Josef Schäfer (Vorsitzender), Heinrich Spiekermann (Kassierer), Anton Maßolle (Geschäftsführer), Franz Vollmer (Beisitzer) und Wilhelm Kemper (Beisitzer) wählten.

In dem Verein wurden anfangs nur Turnen und Leichtathletik praktiziert, später kam das Fußballspielen dazu, denn aus einer weiteren Aufzeichnung im Protokollbuch der politischen Gemeinde geht hervor, dass sich die DJK bereits 1931 auch darum bemühte, den Schützenplatz an zwei Sonntagen im Monat wieder zum Fußballspielen nutzen zu können.[8] Und als die Gemeinde am 3.8.1931 beschloss, einen neuen Sportplatz an der Straße nach Bökenförde zu bauen, hieß es, dass der Sportplatz „nicht nur dem Sportverein, sondern auch der DJK und der Volksschule“ zur Verfügung stehen sollte.[9]

Die Eintragungen in dem genannten Protokollbuch umfassen insgesamt 19 Seiten und schließen mit einem Mitgliederverzeichnis, dass 33 Namen enthält, ab. Die letzte Eintragung datiert vom 3. März 1934. Bereits unter dem 1. Juli 1933 notierte Anton Maßolle: „Infolge des politischen Wirrwarrs wurden am 1. Juli sämtliche Vereinssachen von der Polizei beschlagnahmt. Mußten aber auf Anordnung der Reichsleitung wieder freigegeben werden. An Kassenbestand hatte der Verein 0,30 RM.“ Hier wurde schon der nationalsozialistische Einfluss deutlich, der 1934 in der Auflösung des Verbandes gipfelte.

3. TTC Pugna Westernkotten (um 1948/49)

Von diesem Verein ist fast nichts bekannt, bis vor kurzem nicht einmal seine Existenz. Die einzigen vorliegenden schriftlichen Zeugnisse sind drei Spielberichte der Partie TTC Erwitte gegen TTC Pugna[10] Westernkotten. Dieser Verein hat sogar (mindestens) zwei Herrenmannschaften besessen, denn am 1. Oktober 1948 traten sowohl die erste Garnitur von Erwitte und Westernkotten als auch die jeweilige zweite Mannschaft gegeneinander an.

4.       TTC DJK Bad Westernkotten (1955 – ca.1960) [11]

Wann der Verein TTC Pugna Westernkotten aufgelöst wurde, ist nicht bekannt. Ab 1954 fanden sich jedoch wieder genügend tischtennisbegeisterte Jugendliche aus der katholischen Pfarrjugend, die auf Initiative des Vikars Anton Köster regelmäßig im alten Kindergarten trainierten. Im Jahr 1955 erfolgte dann die Gründung eines Tischtennisvereins. Als Spiellokal diente nicht mehr der alte Kindergarten, sondern die Schützenhalle (Aschenboden), Säle verschiedener Gastronomiebetriebe und schließlich das Jugendheim im „Haus Bredenohl.“ Der Spielbetrieb fand in eigenen DJK-Klassen statt.

Da jedoch viele Spieler berufsbedingt kürzer treten mussten, der Nachwuchs, der diese Ausfälle kompensieren sollte, nicht vorhanden war und Vikar Köster, der als Vereinspräses fungierte, versetzt wurde, stellte man Anfang der 1960er Jahre den Spielbetrieb wieder ein.

5.       TTC DJK Bad Westernkotten (1972 – heute) [12]

Da Anfang der 1970er Jahre wieder viele begeisterte Tischtennissportler in Bad Westernkotten vorhanden waren, versuchte die Leichtathletikabteilung des hiesigen SuS eine Tischtennisabteilung zu gründen. Vikar Köster, der sich in seinem Leben für die Gründung von DJK-Vereinen in verschiedenen Orten eingesetzt hat [13], wollte jedoch lieber, dass der neue Tischtennisverein wieder der DJK angehörte. Sein Vorschlag wurde angenommen und 1972 wurde der TTC DJK Bad Westernkotten gegründet. Als 1. Vorsitzender fungierte Werner Tigges, das Amt des Präses hatte Vikar Eßleben inne und Geschäftsführer war Franz-Josef Dietz. Gespielt wurde in der Schützenhalle [14] und in Klassen des Westdeutschen Tischtennisverbandes (WTTV), da es keine separaten DJK-Klassen mehr gab.

Schon bald wuchs der Verein an: Waren es in der ersten Saison 1972/73 noch drei Mannschaften, so nahmen in den folgenden vier Jahren immer sieben oder mehr Mannschaften am offiziellen Meisterschaftsbetrieb teil. Die Zahl der gemeldeten Mannschaften sank jedoch in den Folgejahren wieder. Wegen Studium und Bundeswehrdienst schrumpfte die Zahl der aktiven Spieler Anfang der 1980er so stark, dass in drei aufeinanderfolgenden Jahren keine Herrenmannschaft gemeldet werden konnte.

In dieser schwierigen Zeit führte Franz-Josef Dietz als Vorsitzender den Verein fast alleine bis 1990. Bei den Vorstandswahlen in diesem Jahr musste jedoch ein neuer 1. Vorsitzender gefunden werden, da Franz-Josef Dietz sein Amt zur Verfügung stellte. Dieter Erdmann wurde zum neuen 1. Vorsitzenden gewählt und war bis 1997 in diesem Amt. Unterstützt wurde er von Jürgen Wieners als Geschäftsführer, der dieses Amt noch heute inne hat, und Karl-Heinz Deimel, der seit der Neugründung dabei war. 1997 wurde Dieter Erdmann als 1. Vorsitzender durch Norbert Radtke abgelöst, der dieses Amt bis zum Jahr 2001 führte. Der momentane Vorstand besteht aus Heinz Beckhoff (1. Vorsitzender), Jürgen Wieners (Geschäftsführer und 2. Vorsitzender), Stefan Gudermann (Jugendwart), Daniel Korn (Kassenwart) und Ralf Brock (Beisitzer).

Der Schwerpunkt der Vereinsarbeit liegt eindeutig auf der Jugendarbeit (2000/01: 2 Herrenmannschaften im Gegensatz zu 6 Nachwuchsmannschaften). So wurden die größten sportlichen Erfolge auch im Nachwuchsbereich gefeiert. Neben den beiden Siegen bei den Kreispokalspielen der Schülerinnen in der Kreisklasse (1973/74 und 1974/75) ragen besonders die zahlreichen Meisterschaftstitel in den Schüler- und Jungen-Kreisklassen heraus. In der Saison 1989/90 gelang den Nachwuchsspielern des Vereins mit dem Erringen der Meisterschaft in der Jungen-Kreisliga ebenso wie im Spieljahr 1994/95 in der Schüler-Kreisliga der Aufstieg in eine Liga auf Bezirksebene. Auch in der Saison 2001/02 spielt eine Mannschaft auf Bezirksebene: Die 1. Jungenmannschaft nimmt am Spielbetrieb der Jungen-Bezirksklasse teil.

In der Geschichte des Tischtennisvereins kann man nicht nur Mannschaftserfolge, sondern auch herausragende Leistungen einzelner Spieler vorweisen. Erwähnenswert ist sicherlich die Teilnahme von Mariele Erdmann, Alfons Eickmann und Wilfried Postler an den Deutschen DJK-Meisterschaften 1975 und die Qualifikation von Jan Marcus für die Westdeutschen Ranglistenspiele 1996.

Neben den Orts- und Vereinsmeisterschaften finden auch jährlich die Stadtmeisterschaften der Stadt Erwitte statt. Bei der Vereinswertung der Stadtmeisterschaften konnte dir DJK Bad Westernkotten mehrfach den ersten Platz belegen: In den ersten drei Jahren (1975-1977) ging der Wanderpokal für den Sieger der Vereinswertung immer an die DJK aus Bad Westernkotten, danach erst wieder 1991. Von 1995 bis 1998 [15] siegte der Bad Westernkötter Tischtennisverein wieder in der Vereinswertung, meistens jedoch nur mit einem hauchdünnen Vorsprung (z.B. 1995 mit 0,25 Punkten), und auch im Jahr 2001 hieß der Sieger wieder TTC DJK Bad Westernkotten. Ein weiteres jährliches Turnier, bei dem sich der Tischtennisclub schon mehrfach (u.a. 1992, 1996) in die Siegerliste der Vereinswertung eintragen konnte, sind die DJK-Kreisbestenkämpfe. Die Siege in den letzten Jahren basieren vor allem auf vor allem auf dem Nachwuchsbereich und der damit verbundenen guten Jugendarbeit.

In der Saison 2000/01 waren acht Mannschaften (2 Herren-, 2 Jungen-, 2 A-Schüler-, 2 B-Schülermannschaften) gemeldet und im Jahr 2000 hatte der Verein 88 Mitglieder (davon 75 aktive und 13 passive), was die höchste je erreichte Mitgliederzahl ist. Zur Zeit (Stand: Ende Mai 2001) gehören dem Verein 83 Mitglieder an. In der Saison 2001/02 gehen sieben Mannschaften (2 Herren-, 2 Jungen-, 2 A-Schülermannschaften und ein B-Schülerteam) an den Start.


  • [1] DJK = Deutsche Jugendkraft. Die DJK ist ein ca. 500.000 Mitglieder umfassender Sportverband, der sein geistiges Fundament in der katholischen Kirche hat.
  • [2] Das Training findet montags und freitags ab 17.00 Uhr in der Turnhalle der Grundschule statt.
  • [3] Vgl. Artikel „Deutsche Jugendkraft“ in: LThK 1959, Spalte 266
  • [4] Da konkrete Angaben über die Gründung fehlen, ist davon auszugehen, dass es einen „Grüdnungsprozess“ innerhalb der Jünglingssodalität gab. Vergleiche hierzu die entsprechenden Beiträge in diesem Buch.
  • [5] Und damit wohl von der DJK
  • [6] Zitiert nach: Heimatbuch 1987, S. 207
  • [7] Dieses umfasst den Zeitraum 1930-1934 und befindet sich nun im Pfarrarchiv. Auch ein Kassenbuch für diesen Zeitraum ist vorhanden
  • [8] Zitiert nach: Heimatbuch 1987, S. 211
  • [9] Zitiert nach: Heimatbuch 1987, S. 211
  • [10] Dies leitet sich wahrscheinlich vom lateinischen „pugna“ (=Kampf, Schlacht) ab.
  • [11] Alle Informationen zu diesem Kapitel sind einer Chronik entnommen, die Dieter Erdmann zum 25jährigen Vereinsjubiläum im September 1997 fertigstellte. Die Chronik beleuchtet die Geschichte des TTC DJK Bad Westernkotten noch genauer und kann von Interessierten eingesehen werden.
  • [12] Die Informationen stammen aus der o.g. Chronik von Dieter Erdmann.
  • [13] Interview mit Franz-Josef Dietz in: GIG – Gemeinde im Gespräch. Informationen und Meinungen aus Bad Westernkotten, 2. Jahrg., Mai 1979
  • [14] später in der Turnhalle der Grundschule; vermutlich ab 1975, dem Jahr des Turnhallenbaus
  • [15] In diesem Jahr zusammen mit Stirpe.